Was ist Antiimperialismus?

Anmerkungen zum Niedergang der Linken

(english translation)

Im Jahre 1910 erschien „Das Finanzkapital, Eine Studie zur jüngsten Entwicklung des Kapitalismus“ von Rudolf Hilferding. Der Verfasser war Mitglied der SPD und wurde 1923 und 1928/29 Reichsfinanzminister. Wladimir I. Lenin, der spätere Führer der russischen Oktoberrevolution, verfasste 1916 „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Der Text prägte den so genannten Marxismus-Leninismus, war eine wesentliche Grundlage sowjetischer Außenpolitik und dient mancher Antiimperialistin [1] bis heute als Basis ihrer politischen Anschauungen. Weiterlesen

Was ist Antizionismus?

Anmerkungen zum Hass auf den Juden unter den Staaten

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich unter Juden, die in Europa lebten, die Idee, einen jüdischen Nationalstaat zu gründen und das Leben in der Diaspora zu beenden. Das Leben in Europa erwies sich als zunehmend unsicher und die modernen Nationalstaaten versprachen Juden alles andere als dauerhafte Sicherheit und Freiheit für Individuen ohne Ansehen ihrer Religion. In einzelnen Fällen gab es sehr wohl emanzipative Gesetzgebung und damit Hoffnung, dass im Rahmen der Durchsetzung einer Moderne, die Religion zunehmend als Privatsache ansah, die Jahrhunderte dauernde Diskriminierung und Drangsalierung von Juden zu Ende gehen würde.

Allein, es gab immer wieder fundamentale Rückschläge. Dazu kam die Gründung von Parteien und Vereinen, deren einziges Ziel war, Juden zu bekämpfen. Es entstand eine Pseudowissenschaft, die auch für Leute, die sich ansonsten als Liberale verstanden, „bewies“, dass „die Juden unser Unglück“ seien. In der nicht-jüdischen Bevölkerung herrschte virulente Abneigung, die jederzeit ausbrechen konnte und deren Eindämmung durch die Staatsmacht keineswegs garantiert war. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass diese Befürchtungen begründet waren, so muss Auschwitz als solcher gelten – die systematische Vernichtung der Juden unter den Augen der Staaten, Kirchen, Gewerkschaften und Parteien mit Hilfe der vereinten Antisemiten Europas und unter Führung der Deutschen.

Juden konnten sich keineswegs darauf verlassen, dass die Staaten sie schützen würden. Deshalb entstand die Idee, im zum Osmanischen Reich gehörenden Landstrich Palästina, in dem das Judentum auch historisch präsent war, einen Staat zu gründen. Dieser sollte explizit jüdisch sein, so dass es ihm und seiner Bevölkerung unmöglich sein würde, sich in antisemitischer Raserei gegen die Juden zu richten. Eine Notlösung, aber eine notwendige: als Versicherung und Heim aller Juden auf der Welt, die ihnen staatlichen und damit auch militärischen und gewaltsamen Schutz gewähren würde, sollten sie (wieder) Ziele eines Vernichtungswunsches werden.

Innerhalb des orthodoxen Judentums gibt es eine religiös begründete Ablehnung der Idee eines israelischen Staates und man kann diese Ablehnung als „antizionistische Haltung“ bezeichnen. In dieser Flugschrift jedoch steht bösartige Feindschaft gegen den Staat Israel und seine Bewohnerinnen zur Debatte und mit dem Begriff des „Antizionismus“ sind Ablehnung und Ressentiment gegen den Staat Israel „als Jude unter den Staaten“ gemeint.

Dass Nazis und Islamisten, als bekennende Judenfeinde gegen einen Staat sind, in dem Juden das Sagen haben, und der ihnen im Zweifel in den Arm fallen wird, wollten sie sich an seinen Bürgern vergehen, verwundert natürlich nicht. Allerdings heften sich auch Linke oder sich als links verstehende Kreise, sogenannte Liberale und anderweitig als zur bürgerlichen Mitte Gezählte gerne den Orden des Antizionismus ans Revers und halten sich deshalb für besonders fortschrittlich und menschenfreundlich. Gegen ihre Wahrnehmung und ihr Ressentiment wendet sich diese Schrift.

„Israel ist doch ein Nationalstaat und Nationalstaaten sind abzulehnen.“

Beliebt ist vor allem unter Linken die Behauptung, man sei ja nur gegen Israel, weil man gegen Nationalstaaten an sich sei. Auffällig selten üben diejenigen, die sich dieses Argumentes bedienen, fundamentale Kritik am Staat Uruguay oder am Staat Tuvalu, oft noch nicht einmal am Staat Deutschland. Selten suchen sie permanent das Schlechte und Böse an diesen Staaten, empören sich und ziehen anklagend deren Existenzberechtigung in Zweifel. Ihre „Kritik“ an Israel entspringt also oft gar nicht einer fundamentalen Opposition gegenüber Nationalstaaten, sondern muss verstanden werden als spezifische Feindschaft gegenüber dem Staat Israel und dem, wofür dieser Staat steht. Diese Feindschaft teilen aber letztendlich auch diejenigen, die tatsächlich Staat und Nation grundsätzlich ablehnen, aber den spezifischen Charakter Israels nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Denn Israel ist eben kein Staat wie jeder andere (und erfreulicherweise hängt das Land auch nicht davon ab, ob Antizionisten sein „Existenzrecht“ in Frage stellen bzw. es großzügig „gewähren“ möchten).

Israel ist ein jüdischer Staat – der einzige -, der allen Juden Zuflucht und Schutz bietet und als solcher natürlich auch einen Staatsapparat hat, mit Militär, Geheimdienst und allem, was dazu gehört[1].

Das ist einerseits genau der Aspekt an Israel, der Antizionisten zur Weißglut bringt und sie motiviert, sich immer wieder auf diesen Staat zu stürzen und ihn mit ressentimentgeladenen Anwürfen und Dämonisierungen zu bedenken. Andererseits ist es auch genau diese Eigenschaft, die Israel zu einem Staat macht, der nicht wie alle anderen ist. Israel ist die Konsequenz, die man aus der jahrtausendelangen Geschichte des Antisemitismus mit dem entsetzlichen Höhepunkt der Shoa ziehen muss, wenn man nicht entweder a) darauf hofft, dass plötzlich alle Staaten der Welt sich auflösen und alle Antisemitinnen wundersam „bekehrt“ werden, oder b) eigentlich ganz einverstanden wäre, wenn alle Juden vernichtet würden.

Der Antizionismus wendet sich gegen Israel, nicht weil es ein Staat wie jeder andere ist, sondern weil er das hasst, wofür Israel steht: eine Lebensversicherung für Juden, ein Ort, an dem sie leben können, ohne permanent befürchten zu müssen, hilflos der Gnade irgendeines Herrschers ausgeliefert zu sein. Oder einem wütenden Mob, der sich für den Retter der Menschheit hält, weil er die Juden – die er mit allem Unglück identifiziert -, gerne zum Wohle der Menschheit vernichtet sähe. In einer Welt der Staaten und Nationen ist Zionismus der jüdische Nationalismus. Seinem Inhalt nach ist er wesentlich Notwehr gegen antisemitischen Vernichtungswahn. Wenn es je einen Staat gab, der legitim war, dann Israel. Und ausgerechnet diesen Staat wollen Antizionisten abschaffen.

„Ich kritisiere doch nur die Politik Israels.“

Gerne schreiben sich – vor allem sich als „irgend irgendwie links“ dünkende – Antizionisten auf die Fahnen, sie seien doch nicht gegen die Juden oder den Staat Israel an sich, sie kritisierten doch nur die Politik und die Regierung Israels. Man muss allerdings selten warten, bis sich zu „Israels Regierung hat da eine falsche Entscheidung getroffen“ oder „Die Partei XY in Israel hätte doch besser soundso abgestimmt“ allerhand dämonisierender Quatsch gesellt:

„Die Ultrarechten herrschen in Israel.“
„In Israel und den besetzten Gebieten herrscht Apartheid.“
„Die Israelis müssten doch aus dem Dritten Reich gelernt haben, anstatt die Palästinensern so zu behandeln, wie sie selber früher behandelt wurden.“

Behauptungen wie die ersten beiden sind faktischer Unsinn, letztere ist vor allem pathologische Projektion. Diese erlaubt es, sich allzu offenkundig den Deutschen und Deutschland zugehörig und positiv zugeneigt zu fühlen, obwohl es den Sprechenden wohl dämmert, dass das wegen der furchtbaren Taten der Großeltern- oder Urgroßelterngeneration nicht ohne Probleme ist.

Das zwanghafte Bedürfnis nach „Israelkritik“ ist schon deshalb lächerlich, weil kein Mensch ernsthaft sich etwa der Dänemarkkritik widmet. „Aber in Israel passiert doch auch was ganz Schlimmes!“ hört man es daraufhin raunen. Das meinen die gleichen Leute, denen es nicht im Traum einfallen würde, ihr Recht auf Nordkoreakritik, Ugandakritik, Iran- oder sonstiger islamistischer Terrorregimekritik einzufordern, obwohl doch, was dort „passiert“, von gänzlich anderer Qualität ist. Der Eifer beim Empören gegen Israel ist umgekehrt proportional zum Eifer, der dann an den Tag gelegt wird, wenn es um anderes geht als den Staat der Juden (Ausnahme: die USA). Die Behauptung von Antizionisten, doch nur die Regierung Israels „kritisieren“ zu wollen, ist absurd. Sie sind Feinde des Staates Israel und daher Feinde derer, die er schützt.

Eine besonders perfide Variante der eingebildeten Verpflichtung, „Israelkritik“ pflegen zu müssen, ist diejenige, die beginnt mit „Gerade wir als Deutsche“. Sie zieht noch aus der Täterschaft der Deutschen in der Shoa die Legitimation, den Juden Lektionen darin zu erteilen, wie sie sich zu betragen hätten. Ganz so, als sei Auschwitz eine Erziehungsanstalt gewesen, in der Juden doch bitte etwas hätten lernen sollen. Und dann auch noch ausgerechnet das, was die Kinder der Täter von damals als Lehre gezogen haben: dass Juden sich Vernichtungsversuchen nicht widersetzen dürften. Hätten Antizionisten ihren Willen, sollten sich die Juden gefälligst denjenigen Antisemitinnen ergeben, die das deutsche Vernichtungswerk zu Ende bringen wollen. Deshalb kritisieren Antizionisten Israel dort besonders vehement, wo dieser Staat das Leben seiner Bewohner schützt. Das hat mit Kritik nichts zu tun, sondern ist Ausdruck der Wut darüber, dass es überhaupt einen jüdischen Staat gibt, der noch dazu nicht gewillt ist, sich selbst aufzulösen und seine Staatsangehörigen denjenigen anheimzugeben, die sie ins Meer treiben wollen.

„Zionazis“

Diese infame Lüge hört man immer wieder von sich besonders schlau wähnenden Antizionisten: Der Zionismus sei eine nationalistische Bewegung, als solche reaktionär und „irgendwie auch so was Ähnliches wie die Nazis“. Diesem Geraune zufolge sei der Kampf gegen Israel eine antifaschistische Heldentat.
Als „Argument“ für diesen Unsinn wird kolportiert, die Juden hätten mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht, um möglichst viele Juden dazu zu bringen, einen Staat Israel zu befürworten und ins britische Mandatsgebiet Palästina auszuwandern. Dieses Narrativ liest sich wie eine Fortsetzungsgeschichte der „Protokolle der Weisen von Zion“, deren Inhalt sich bei Antizionisten und anderen Antisemiten weiterhin großer Beliebtheit erfreut: Die Wahnvorstellung, dass Juden ohne Skrupel alles und jeden auf der Welt für ihre Zwecke benutzen und sogar am Judenmord selbst teilnähmen, um illegitime Ziele zu erreichen. Einen spezifischen Vorteil bringt diese Mär für vor allem deutsche Antizionisten: Wenn „die Juden“ irgendwie selbst die Fäden in der Hand gehabt hätten, wären Oma und Opa fein raus.

„Apartheid“

Die Behauptung, in Israel herrsche Apartheid, ist nicht minder abstrus, aber verbreiteter und bedient auf ähnliche Weise ein antizionistisches Bedürfnis, die Israelis mit „irgendetwas Bösem“ anzuwerfen. Alleine: die Tatsache, dass säkulare und liberale Juden maßgeblich am Aufbau Israels beteiligt waren, sollte Leute, die Israel zwanghaft in den dunkelsten Farben malen müssen, eigentlich stutzig machen. Wenn doch angeblich der Zionismus so reaktionär sei, wieso tragen ihn dann zu großen Teilen moderne, aufgeklärte Menschen, die ja auch herrschaftsmindernde und progressive Lebensformen praktizierten (s. z.B. Kibbuzim)? Wieso ist Israel auch heute noch eines der liberalsten und freisten Länder der Region und vielleicht sogar der Welt, wo Menschen jüdischer und nicht-jüdischer Herkunft ohne Angst leben können (abgesehen natürlich von der Bedrohung durch antisemitische Mordbanden wie Hamas oder Hisbollah) und vom Staat beschützt werden vor jenen, die ihnen an Leib und Leben schaden wollen?

Die Tatsache, dass es in der israelischen Gesellschaft reaktionäre Kräfte gab und gibt, ist ungefähr so interessant wie die, dass es diese in jeder pluralistischen Gesellschaft gibt. Die Rede von der Übermacht oder sogar „Diktatur“ religiöser Fanatiker in Israel ist keine akkurate Beschreibung, sondern Ausdruck des fanatischen Wunsches, etwas in Israel projektiv abzuladen, was dort zwar nicht ist, aber der Feindschaft gegen Israel den Anstrich der Legitimität geben soll.

Wer im übrigen Apartheid im Nahen Osten beobachten will, sollte sich tunlichst im von der Hamas beherrschten Gazastreifen, im Westjordanland, in den von der Hisbollah kontrollierten Teilen des Libanon, in Syrien, Saudiarabien und anderswo umsehen. Dort genießen selbst diejenigen Palästinenser, denen ein vermeintliches „Rückkehrrecht“ nach Israel nachgesagt wird (obwohl fast alle von ihnen dort, wohin sie „zurückkehren“ sollen, nie gewesen sind), die die „richtige“ Religion haben und die sich ergeben den herrschenden Unterdrückungsstrukturen unterordnen, wesentlich weniger Rechte und Freiheit als in Israel. Nirgendwo leben Palästinenser freier und besser als in Israel, wo sie sämtliche Bürgerrechte haben.

Antizionismus gibt vor, eine moralisch integre, menschenfreundliche Opposition gegen einen Staat zu sein, der böse sei. Ausgerechnet gegen den jüdischen Staat, der am ehesten in der Lage ist, einen weiteren Versuch der Vernichtung der Juden abzuwehren. Denn das ist geschehen und kann wieder geschehen. Ein einziger verlorener Krieg für Israel bedeutet, dass es das Land und seine Bewohner nicht mehr geben wird. Nur wer blind ist gegenüber dem weltweit grassierenden Antisemitismus oder ihn selbst teilt, vermag das nicht zu sehen. Der antisemitische Gehalt des Antizionismus wird immer offensichtlicher. Im Sommer 2014 gab es zum ersten mal nach 1945 Massendemonstrationen in Deutschland, auf denen „Tod den Juden!“ gebrüllt wurde. Organisiert von Islamisten, Nazis – und Linken.
Was Antizionisten nicht wahrhaben wollen: Tatsachen zu Israel.

Antizionismus ist – auch darin dem Antisemitismus ganz ähnlich – eine wahnhafte Wahrnehmung der Wirklichkeit, die mit traumwandlerischer Sicherheit Fakten ausblendet. Aus Platzgründen seien hier nur einige wenige davon genannt.

  • Es gab noch nie einen Staat Palästina, Israel hat kein „fremdes Staatsgebiet“ besetzt. In dem Gebiet leben seit 4000 Jahren Juden. Die arabische Ansiedlung begann im 7. Jahrhundert. Bis zum Ersten Weltkrieg stand der Landstrich unter osmanischer Herrschaft. Er war auch in der Neuzeit nie ausschließlich arabisch besiedelt. Bereits 1847 war die Bevölkerungsmehrheit in Jerusalem jüdisch. Während der ersten größeren jüdischen Einwanderung 1882 lebten weniger als 250.000 Araber in Palästina, die sich großteils ebenfalls erst vor wenigen Jahrzehnten angesiedelt hatten. Wer vor hundert Jahren von „Palästinensern“ sprach, meinte damit die jüdischen Einwohner des Landstrichs Palästina. Ein Selbstverständnis der arabischen Bevölkerung in Westbank und Gazastreifen als „Palästinenser“ hat sich erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts herausgebildet. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde der Landstrich 1917 vom Völkerbund als „Mandatsgebiet Palästina“ an Großbritannien übertragen. Es umfasste das heutige Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete. Großbritannien versprach der jüdischen und der arabischen Bevölkerung jeweils einen eigenen Staat. 1923 machte es das Versprechen an die Araber wahr: das arabische Emirat Transjordanien (heute Jordanien) wurde vom Mandatsgebiet abgetrennt. Seit über 90 Jahren sind also 78% Palästinas in arabischer Hand. Der Streit seit 1948 dreht sich folglich nur noch um die restlichen 22%.
  • Zusätzlich könnte es schon seit 1948 einen weiteren Staat geben und es ist nicht die Schuld Israels, dass es diesen palästinensischen Staat nicht gibt. 1947 beschloss die UNO, die verbliebenen 22% des ehemaligen Mandatsgebiets in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufzuteilen. Statt die Gelegenheit zu nutzen, fielen 1948 die Armeen von fünf arabischen Staaten über Israel her, mit dem Ziel, es auszulöschen. Bis 1967 standen Westbank und Gazastreifen unter jordanischer bzw. ägyptischer Herrschaft. Die Gelegenheit zur Gründung eines palästinensischen Staates wurde erneut nicht genutzt. Im Jahr 2000 bot Israel an, einen palästinensischen Staat mit Gaza, 96% der Westbank und Ostjerusalem als Hauptstadt zu gründen. PLO-Chef Arafat verweigerte dies und erhob stattdessen die unerfüllbare Forderung nach einem „Rückkehrrecht aller Flüchtlinge“, wohl wissend, dass dies Israel als jüdischen Staat abschaffen würde.
  • Das Flüchtlingsproblem wird von arabischer Seite künstlich am Leben gehalten. Infolge des Krieges von 1948 gab es ca. 700.000 palästinensische Flüchtlinge. Diese Menschen hatten ein schweres Schicksal. Doch ihre arabischen „Bruderstaaten“ (außer Jordanien) verweigern ihnen und ihren Nachkommen bis heute jede Integration und reden von 4,5 Millionen Flüchtlingen. Dieses mathematische Wunder funktioniert nach der Methode Sudetendeutsche Landsmannschaft: sämtliche Kinder und Kindeskinder der 1948 Geflohenen werden einfach dazu gezählt. Übrigens gab es auch ungefähr 700.000 jüdische Flüchtlinge, die Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre aufgrund antisemitischer Pogrome und Regierungsdrucks aus den arabischen Ländern fliehen mussten. Warum hört man heute nichts mehr von ihnen? Weil sie in Israel integriert wurden.

Der mörderische Antisemitismus ist aktuell und bedroht Israel in seiner Existenz. Die Herrscher des Iran verkünden öffentlich, dass sie Israel vernichten wollen und wollen sich zu diesem Zweck Atomwaffen verschaffen. In den Israel (7 Mio. Einwohner) umgebenden islamisch geprägten Gesellschaften (über 1 Mrd. Einwohner) ist der Antisemitismus stark verbreitet. Leugnung des Holocaust, Hitler in den Bestsellerlisten, übelste antisemitische Fernsehprogramme (á la „Juden schlachten Kinder“) gehören zum Alltag. Hamas, Hisbollah, Islamischer Djihad und andere Terrorbanden wollen nicht etwa einen palästinensischen Staat neben Israel errichten, sondern Israel zerstören.

[1]… und deren Verhalten mitunter auch kritikwürdig ist und im bürgerlich-demokratischen Rechtsstaat Israel auch ohne Gefahr für Freiheit, Leib und Leben kritisiert werden darf.

Literatur und Links

  • Initiative Sozialistisches Forum. Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie . Ça ira Verlag, Freiburg, 2002, ISBN 3-924627-08-8.
  • Tilman Tarach, Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt, 2009, ISBN 978-3-9813486-0-6     .
  • Yaacov Lozowick, Israels Existenzkampf. Eine moralische Rechtfertigung seiner Kriege, 2006, ISBN 3-89458-237-5     .
  • Alan M. Dershowitz, Plädoyer für Israel. Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen, 2005, ISBN 3-203-76026-6.
  • Jean Améry, Der ehrbare Antisemitismus. Die Barrikade vereint mit dem Spießer-Stammtisch gegen den Staat der Juden, Die Zeit, 25.7.1969
  • Matthias Küntzel, Djihad und Judenhass. Über den neuen antisemitischen Krieg. Ça ira Verlag, Freiburg, 2002, ISBN: 3-924627-06-1

 

Siehe zum Thema auch die Flugschriften:

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Eine Flugschrift von Emanzipation und Frieden. Antikapitalismus 2.0
2. überarbeitete Auflage Dezember 2015

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Lesen Sie die Flugschrift hier im Lay out: Was ist Antizionismus?

Was ist regressiver Antikapitalismus?

Anmerkungen zum Unterschied zwischen Kapitalisten– und Kapitalismuskritik

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Seit 2008 will die Krise nicht enden. Die Vorstellung von einer ewig prosperierenden Marktwirtschaft ist zu Grabe getragen und es wimmelt nur so von „Kapitalismuskritik“. Doch leider kursiert unter dieser Überschrift vor allem eines: das Ressentiment. Das gilt auch für eine Linke, die zwar – so viel muss man ihr lassen – wenigstens noch gegen die dumpfen Parolen von „den faulen Griechen, die uns auf der Tasche liegen“ mobil macht, in anderer Hinsicht aber selber mit am Stammtisch sitzt. Geht es nämlich gegen „Gierige, Bankster, Heuschrecken und Spekulanten“ bewegt sich „linke Kritik“ durchaus auf dem Niveau von Fernseher, Finanzminister und Frau Maier: „Die sind schuld!“ Weiterlesen

Was ist Antisemitismus?

Anmerkungen zur Wahnwelt des vernichtungsorientierten Antikapitalismus

Dass Antisemitismus etwas „irgendwie Schlechtes“ sei, hat man in Deutschland mittlerweile  gelernt. Und auch, dass man die Rede vom Antisemitismus stets empört zurückweisen soll und darf, wenn sie im Zusammenhang mit etwas geschieht, das man selbst für lieb und teuer, für richtig und moralisch hält. Doch verliert der Begriff des Antisemitismus streckenweise im Gemenge der Phrasen seine Bedeutung. In der Absicht, das Bild der eigenen Person, Partei und Nation reinzuwaschen, wird er in gebetsmühlenartig vorgetragenen Mantren bis zur Inhaltsleere entstellt. Weiterlesen

Was ist Antiamerikanismus?

Anmerkungen zur grassierenden Selbstgerechtigkeit

Als 2008 der Präsidentschaftswahlkampf in den USA auf seinem Höhepunkt war, hätte man den Eindruck gewinnen können, es gehe angesichts der guten Chancen Obamas, die sich später realisiert haben, aufwärts mit dem „deutsch-amerikanischen Verhältnis“. Obama erschien als Anti-Bush, als ein Europäer im Weißen Haus, der nun endlich eine bessere, „europäischere“ Politik machen würde. Darunter verstand man grob: weniger Krieg gegen den Terror, mehr Moral, mehr Kultur, mehr „Einpassung“ in die Staaten-„Gemeinschaft“, mehr Rücksicht auf die „Völker“ der Erde. Denn irgendwie schien ja klar: Man hasst nicht Amerika [1], sondern nur amerikanische Politik. Weiterlesen

Oben bleiben. Weiter gehen.

Ein Text für die Demonstrant_innen gegen Stuttgart 21

[Warum die Personen an den Schalthebeln der Macht nicht das eigentliche Problem sind, das Konzept „K21“ keine wirkliche Alternative ist, Wachstum nicht zwangsläufig für alle Zeiten nach Wahn, sondern auch einmal nach Lust am Leben klingen könnte, es überlegenswert wäre, auch gegen die Rente mit 67 zu demonstrieren und was das alles miteinander zu tun hat …]

Jeder vernünftige Mensch ist gegen Stuttgart 21. Doch nicht jedes Argument gegen S21 ist vernünftig. Es ist z.B. vernünftig zu sagen, das Geld solle besser für dringende soziale Bedürfnisse ausgegeben werden. Falsch ist es jedoch, S21 „volkswirtschaftlichen Irrsinn“ zu nennen (so z.B. U. Maurer von der Linkspartei). Denn dieses – zweifelsohne irrsinnige – Projekt macht wirtschaftlich durchaus Sinn. Und das ist der Kern des Problems. Weiterlesen

Wir deutschen Opfer sind die Guten

Wie der „Bund der Vertriebenen“ die Brücke zwischen Nazi-Großvätern und aktueller deutscher Selbstgerechtigkeit schlägt

„Wie Wellenbrecher stehen die Randgebirge dem fremden Anspruch im Wege. Manchmal schlug die imperialistische Springflut sturmgepeitscht über diese Wellenbrecher. Davon ist ein breites Band nationales Brackwasser zurückgeblieben. Das sind die sogenannten Sudetendeutschen.“ Franz Werfel in dem Aufsatz „Das Geschenk der Tschechen an Europa“, 1938 (nach dem 1945 verstorbenen Werfel ist – ohne seine Zustimmung – der Preis des „Zentrums gegen Vertreibungen benannt) Weiterlesen

Zu schade für eine Weltmeisterschaft

Eine Verteidigung des Fußballs gegen seine (nationalen) Liebhaber. Anmerkungen zur kritischen Theorie des Fußballsports.

„Kurz: Ich bin gegen alle Bemühungen, den Sport zu einem Kulturgut zu machen, schon darum, weil ich weiß, was diese Gesellschaft mit Kulturgütern alles treibt, und der Sport dazu wirklich zu schade ist. Ich bin für den Sport, weil und solange er riskant (ungesund), unkultiviert (also nicht gesellschaftsfähig) und Selbstzweck ist.“ (Bertolt Brecht) Weiterlesen

Nie wieder so viele Autos bauen. Nie wieder so lange arbeiten.

Solange sich nichts Grundlegendes ändert, geht die Krise weiter.

Das deutsche Staatsoberhaupt macht sich Sorgen um den Kapitalismus. Man müsse ihn vor sich selbst schützen, meint Köhler. Interessant, was den ehemaligen Chef von Sparkassenverband und Weltwährungsfonds so umtreibt, doch wirklich wichtig ist eine ganz andere Frage: Wie kann man sich eigentlich selbst vor dem Kapitalismus schützen? Denn dieser – lange als „soziale Marktwirtschaft“ beweihräuchert – reißt weltweit immer mehr Menschen in den Strudel seiner Krise und lässt ihnen wenig Hoffnung, dass sich ihre Lage jemals wieder verbessern könnte. Weiterlesen

Bye, bye Multikulti – Es lebe Multikulti

Eine Flugschrift der Aktion 3. Welt Saar. gemeinsam herausgegeben mit Emanzipation und Frieden, Stuttgart – Winter 2009 / 2010

Es herrscht Konfusion um Multikulti. Thilo Sarrazin, Mitglied im Vorstand der Bundesbank und in der SPD, sieht sich von MigrantInnen bedroht, die „jede Menge kleiner Kopftuchmädchen produzieren“. Umgekehrt plädieren Teile der Naziszene für die multikulturelle Gesellschaft, während Oskar Lafontaine „Schnittmengen zwischen dem Islam und der Linken“ sieht. Pro Asyl ruft Kritiker des Islamismus mit dem bei iranischen Mullahs entlehnten Kampfbegriff der „Islamophobie“ zur Ordnung. Viele AnhängerInnen von Multikulti schweigen gegenüber Zwangsverheiratungen, Kopftuchzwang und Ehrenmorden. Falsche Toleranz und unterlassene Hilfeleistung. Trotzdem: Ein Plädoyer für die Multikulturelle Gesellschaft – gerade jetzt.

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