Der Barbarei entgegentreten – Über Antifaschismus in Zeiten des Djihadismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 19.00 Uhr, Bruchsal                               

Eine Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Karlsruhe-Land

Der Vortrag ist mittlerweile auch hier anzuhören.

So sehr in Deutschland Konsens darüber herrscht, „wir alle“ seien „gegen Nazis“, so notwendig und unersetzbar sind antifaschistische Initiativen, die diesem Frieden nicht trauen. Seit Jahrzehnten begrenzen sie Handlungsspielraum und Einfluss der Naziszene oft mehr als es Staat und „Mitte der Gesellschaft“ tun. Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten.

Doch so wichtig der Kampf gegen Nazis auch ist – sie stehen schon längst nicht mehr alleine für bewussten und gewollten Marsch in Finsternis und Barbarei. Schon lange versäumen es viele Linke, Antisemitismus und islamistische Gewalt im eigenen Stadtteil zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen. Ein tragischer Fehler oder ein systematisch blinder Fleck? Auf jeden Fall erwächst auf diese Weise aus ehrlich gemeintem Kampf gegen Rassismus Verrat an Unterdrückten, Gedemütigten und Erniedrigten. Spätestens im Sommer des Jahres 2014 müsste allerdings auch den letzten Antifaschisten ein Licht aufgegangen sein.

Auf den Straßen tobte sich ein Mob aus, der einen so in Deutschland nach 1945 nicht mehr artikulierten Antisemitismus verbunden mit einer allgemeinen Menschenverachtung offen zur Schau trug. Andersgläubigen drohte er mit Macheten in der Hand an, sie „hier genauso zu töten wie im Irak“ und auf Massenaufmärschen in den Innenstädten brüllte der Mob mit “Tod den Juden!” seinen sehnlichsten Wunsch. Verachtung des Einzelnen, Aufopferung für die Gemeinschaft, Kult um die „Ehre“, Todesaffinität, Rekrutierung der Rackets aus verrohten Gewalttätern – Djihadisten sind Faschisten. Zwischen ihnen und dem alteingesessenen rechten Mob – jüngstes Stichwort Ho.Ge.Sa. – besteht trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich ihnen genauso entschieden entgegenstellen wie den Nazis.

Welche Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art ergeben sich daraus für einen Antifaschismus auf der Höhe der Zeit? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für konkret, Jungle World und www.emmaundfritz.de

 

 

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