Frauenfußball in den USA und Europa

Buchvorstellung und Diskussion mit
Prof. Andrei S. Markovits
University of Michigan, Ann Arbor

Sonntag, 23. Juni 2019, 19.30 Uhr, Stuttgart

Rosis Pinte, Schwabstraße 193, 70193 Stuttgart

Fußball und Frauen sind irgendwie noch immer inkongruente Begriffe. Sie harmonieren nicht so recht. Warum ist das so? Welche Veränderungen gibt es? Und welche Bedeutung haben diese für die allgemeine Gesellschaft in Ländern wie Deutschland, anderen westeuropäischen Staaten und den USA?
Die Prämie des Deutschen-Fußballbundes (DFB) für den ersten EM-Titel der deutschen Fußballerinnen 1989 war bezeichnenderweise ein Kaffeeservice. Seit es den Frauenfußball gibt, gibt es auch entsprechende Vorurteile: Frauen sollten Kinder kriegen, nicht kicken. Wie Amateurfußball, nur in Zeitlupe. Und ähnliches mehr, die Liste ist lang. Die deutschen Nationalspielerinnen haben sich jüngst in einem eigenen Videospot zur Wehr gesetzt: „Wir brauchen keine Eier – wir haben Pferdeschwänze“, heißt es da. In den USA sieht das etwas anders aus, hier haben die Fußballerinnen in einer etablierten Profiliga längst einen ganz anderen Status. Aus Anlass der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich in diesem Sommer greift der amerikanische Soziologie-Professor Andrei S. Markovits diese Vorurteilsstrukturen und die kontinentalen Unterschiede des Frauen-Fußballs innerhalb eines Vortrags am 23. Juni in der Stuttgarter Gaststätte Rosis Pinte auf. Gerade ist Markovits aktuelles Buch zum Thema, „Frauen im amerikanischen Soccer und im europäischen Fußball“, erschienen, das er an diesem Abend vorstellen wird. Der deutschsprachige Wissenschaftler zeichnet hier den unterschiedlichen Werdegang des Frauen-Fußballs in den USA und in Westeuropa nach: In Nordamerika hätten die Frauen ein freies Spielfeld vorgefunden, da dort die dominanten Sportarten Baseball, Basketball, (American) Football und Eishockey seien. In Europa haben die Männer das Fußballfeld seit Jahrzehnten vorgeprägt und dominiert, die kickenden Frauen treten hier in der zentralen Hauptsportart an.

Andrei S. Markovits ist Arthur F. Thurnau Professor, Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies, Professor of Political Science, Professor of Germanic Languages and Literatures, Professor of Sociology, The University of Michigan, Ann Arbor

Andrei S. Markovits – „Women in American Soccer and European Football: Different roads to shared glory“ Paperback; 158 Seiten; Verlag: Independently published; 2019; Sprache: English; ISBN-10: 179535447X; ISBN-13: 978-1795354479, Preis 7 €.

Das Büchlein belichtet den komplett entgegengesetzten Werdegang des Frauenfußballs in den USA und Westeuropa. Während die Frauen in Nordamerika ein komplett freies Spielfeld vorfanden, da die dominanten von Männern besetzten Sportarten wie Baseball, Basketball, (American) Football und Eishockey; mussten ihre europäischen Kolleginnen gegen ein von Männern total dominiertes, ja vergöttlichtes, anrennen und Geltung gewinnen. Beide Situationen beherbergten große Herausforderungen, die in vielem von einander ganz verschiedentlich waren. Aber im Laufe der letzten 20 Jahre – und vor allem durch das Turnier der Weltmeisterschaft – näherten sich die zwei Welten an. Die Studie endet mit einer Erörterung des heutigen Sellenwertes des Frauenfußballs auf beiden Seiten des Atlantiks.

This book highlights the opposite paths that women have traversed in the game of Association Football on both sides of the Atlantic. Whereas the women in North America entered a field that was virtually open for them since men busily covered the playing fields and cultural space of the hegemonic team sports of baseball, football (American and Canadian), basketball and ice hockey; their European counterparts were forced to contest what has arguably been the most male-dominated space in European public life throughout much of the 20th century. Both of these roads harbored immense obstacles. Both entailed challenges of their own that these pioneering women had to overcome. However, spurred by the massively important and popular World Cup tournaments, the last three decades have led to a rapprochement of developments on both sides of the Atlantic by catapulting women’s soccer onto hitherto unexpected, maybe even unimaginable heights.