Palantir bei EnBW und Polizei: Demokratie ausgebootet

von Minh Schredle

Die Schweiz wollte die Palantir-Software Foundry nicht mal für umsonst, die EnBW nutzt sie seit Jahren. Aufsichtsrat und Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) übt Kritik – dabei hat die Landesregierung selbst ohne Rücksprache mit dem Parlament Palantir-Software für die Polizei eingekauft.

Zu viele Köche verderben den Brei – frei nach diesem Motto scheint manch ein Vertragsabschluss mit dem US-amerikanischen Software- und Überwachungsunternehmen Palantir abzulaufen. So hat Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) offenbar erst kürzlich durch einen Bericht in der „Stuttgarter Zeitung“ (StZ) erfahren, dass das Energieunternehmen EnBW schon seit 2019 zum Kundenkreis des hochumstrittenen Konzerns gehört. Die EnBW-Aktien befinden sich zu 98 Prozent in öffentlicher Hand, Minister Bayaz sitzt im Aufsichtsrat. Doch dieses Kontrollgremium war nach Darstellung der StZ gar nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen: Laut einem EnBW-Sprecher sei lediglich der „vom Aufsichtsrat etablierte Digitalisierungsausschuss“ unterrichtet worden. Dabei handelt es sich um ein beratendes Gremium, das nichts entscheiden darf.

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Leise Verschiebungen

Eine Fotoausstellung über „Unordnung“

von Minh Schredle

Wenn Ordnung das halbe Leben ist, ist Unordnung die andere Hälfte. Im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart nähert sich eine Fotoausstellung den vielen Facetten des Chaos: von wankenden Ökosystemen über verfälschte Erinnerungen bis zu unaufgeräumten Schreibtischen.

Auch in der Kontext-Redaktion prahlten zwei Mitarbeiter mit dem Chaos auf ihren Schreibtischen. Doch Joachim E. Röttgers zeigte sich unbeeindruckt. Der Fotografenmeister lichtet gerne Menschen in ihrer natürlichen Umgebung ab, also an ihrem Arbeitsplatz. In vielen Großraumbüros ist das Nomadentum eingezogen, niemand hat mehr einen festen Platz, die Wirkungsstätte des Tages muss zum Feierabend so hinterlassen werden, dass keine Rückschlüsse möglich sind, wer hier am Werkeln war – keine Pflanzen, keine Bilder, nichts Persönliches, englischer Rasen als Unternehmenskultur, weil hier die Gärtner das Unkraut einhegen.

Aber es gibt sie noch, die Orte, wo das Leben sprießen darf. Wo einsturzgefährdete Papiertürme tollkühn der Schwerkraft trotzen und überlebenswichtige Dokumente mit unsinnig vollgekritzeltem Schmierpapier zu einer Art Bürolasagne verschmelzen.

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Zwischen Davidstern und Regenbogen

Über queer-jüdische Lebensrealitäten in Deutschland

Vortrag und Diskussion mit Rosa Jellinek

Montag, 12. Oktober 2026, 19.30 Uhr, Stuttgart

Sunny High, Bahnhofstraße 14-18, 70372 Stuttgart

Eine Veranstaltung von Queer*Feminismus Stuttgart und Emanzipation und Frieden

Wie lassen sich jüdische Tradition und Queerness miteinander vereinbaren? Und wie /safe/ sind queere Räume für Jüdinnen*Juden? In diesem Vortrag bietet Rosa Jellinek einen Blick hinter die Kulissen queer-jüdischen Alltags. Im ersten Teil sprechen wir über jüdische Texte und Gemeinschaften, die Queerness nicht als Widerspruch zu jüdischer Tradition verstehen. Danach schauen wir uns Ausschlüsse und Zugehörigkeiten von Jüdinnen*Juden in queer-politischen Bewegungen an und fragen uns abschließend, was es braucht, damit queere Räume wirklich für /alle/ da sind.

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Die klerikale Rechte im Krisenprozess

Workshop mit Minh Schredle

Freitag, 31. Juli 2026, 15.30 Uhr, Mühlhausen/Thüringen

Jugendherberge AntoniQ, Holzstr. 13, 99974 Mühlhausen

im Rahmen des Sommerseminars der Gruppe krisis vom 29. Juli bis 2. August 2026

Aus dem Ankündigungstext des krisis-Sommerseminars: Alle reden von der „Multiplen Krise“. Wir auch. Aber worum handelt es dabei überhaupt? Und was liegt ihr zugrunde? Wir sehen darin eine fundamentale Krise der warenproduzierenden Gesellschaft, die verschiedene Dimensionen hat. Auf unserem Sommerseminar wollen wir uns mit einigen dieser Dimensionen auseinandersetzen. Wir fragen, wie ökologische, wirtschaftliche, subjektive und politische Prozesse ineinandergreifen und welche gesellschaftlichen Dynamiken sich daraus ergeben. Welche Verbindungen bestehen zwischen Klimakrise und autoritärem Backlash? Warum geht die Sehnsucht nach starken Führungsfiguren häufig mit Technikbegeisterung und dem Hoffen auf technische Lösungen einher? Und wie wirken sich all diese Entwicklungen auf die Einzelnen aus: sozialpsychologisch, emotional und politisch?

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Audio: Sozialdarwinistische Zustände

Tödliche Gewalt gegen wohnungslose Menschen

Vortrag und Diskussion mit Merle Stöver

Gehalten am 2. Juni 2026

Jedes Jahr werden wohnungs- und insbsondere obdachlose Menschen Opfer tödlicher Gewalt. Doch obwohl in zahlreichen Fällen die rechten Tatmotivationen auf der Hand liegen, bleiben eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Taten und ein Erinnern an die Opfer meist aus. Die Marginalisierung, die wohnungslose Menschen in allen Lebensbereichen erfahren, setzt sich auch nach ihrem Tod fort.

Der Vortrag wirft einen Blick auf die langen Kontinuitäten sozialdarwinistischer Verfolgung und Gewalt, beleuchtet einerseits Gewalterfahrungen von wohnungslosen Menschen und dikutiert andererseits Motive und Motivationen sozialdarwinistischer Gewalt.

Merle Stöver ist Sozialarbeiterin, Antisemitismusforscherin und promoviert am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld zu Tötungsdelikten an wohnungs- uund obdachlosen Menschen zwischen 1989 und 2022.

Beat des Kaddischs – zu Allen Ginsbergs 100. Geburtstag

von Thomas Tews

Vor 100 Jahren wurde der jüdische Dichter Allen Ginsberg, ein Protagonist der US-amerikanischen ‚Beat Generation‘, geboren. Seine lyrischen Werke, wie das seiner verstorbenen Mutter gewidmete Gedicht „Kaddisch“, berühren noch heute.

Allen Ginsberg wurde am 3. Juni 1926 im Beth-Israel-Krankenhaus in Newark im US-Bundesstaat New York geboren. Seine Mutter Naomi Ginsberg stammte aus einer jüdischen Familie: Ihr Vater Mendel Livergang war nach einem 1905 in der seinerzeit russischen (heute belarusischen) Stadt Witebsk (Wizebsk) erfolgten Pogrom gegen die damals ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachenden Jüdinnen*Juden in die USA ausgewandert (wobei sein Name in Morris Levy abgeändert worden war) und hatte sich dort in einem alten jüdischen Viertel Manhattans niedergelassen. Ginsbergs Vater Louis Ginsberg war der Sohn jüdischer Immigrant*innen aus Lwow (Lviv) in der heutigen Westukraine, die 1880 nach Newark, wo sie Verwandte hatten, gekommen waren.

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Rojava

Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer kurdischen Autonomie

Vortrag und Diskussion mit Dastan Jasim

Donnerstag, 25. Juni 2026, 19.30 Uhr, Stuttgart

Laboratorium, Wagenburgstraße 147

14 Jahre ist es her, dass Rojava (kurdisch für Westen) sich entwickelte und schliesslich zur Autonomie erklärte – und dieser Weg war lang. Einerseits ist es keineswegs einfach gewesen, basisdemokratische und feministische Ideen in einem Land durchzusetzen, das in seiner Geschichte nur Diktatur und Unterdrückung kannte. Andererseits sah sich Rojava direkt zu Beginn eines existenziellen Kampfes gegen den Islamismus gegenüber, sowohl in Form des IS als auch in Form der Türkei und ihrer islamistischen Schergen bis hin zur aktuellen jihadistischen Technokratie, die von der internationalen Gemeinschaft toleriert und oft unterstützt Fakten schafft, in denen Kurden seit Jahren für Gleichberechtigung, Frauenbefreiung und ein neues BIld von einer Gesellschaft kämpfen. In diesem Vortrag beleuchtet Dastan Jasim die Geschichte dieser Region, die Chronologie der Autonomie Rojava sowie die aktuelle Lage.

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Sozialdarwinistische Zustände

Tödliche Gewalt gegen wohnungslose Menschen

Vortrag und Diskussion mit Merle Stöver

Dienstag, 2. Juni 2026, 19.30 Uhr, Stuttgart

Altes Feuerwehrhaus Süd, Möhringer Str.56

Jedes Jahr werden wohnungs- und insbsondere obdachlose Menschen Opfer tödlicher Gewalt. Doch obwohl in zahlreichen Fällen die rechten Tatmotivationen auf der Hand liegen, bleiben eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Taten und ein Erinnern an die Opfer meist aus. Die Marginalisierung, die wohnungslose Menschen in allen Lebensbereichen erfahren, setzt sich auch nach ihrem Tod fort.

Der Vortrag wirft einen Blick auf die langen Kontinuitäten sozialdarwinistischer Verfolgung und Gewalt, beleuchtet einerseits Gewalterfahrungen von wohnungslosen Menschen und dikutiert andererseits Motive und Motivationen sozialdarwinistischer Gewalt.

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Bitch Hunt

Warum wir es lieben, Frauen zu hassen

Lesung und Gespräch mit Veronika Kracher

Montag, 4. Mai 2026, 20.30 Uhr, Stuttgart

Theater Rampe, Filderstraße 47, Stuttgart-Süd

Eintritt frei

In Bitch Hunt analysiert die Autorin, Publizistin und Bildungsreferentin Veronika Kracher alltäglichen Frauenhass, der in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist. Was früher in reißerischen Printmedien stattfand, geschieht heute online und in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen. Maskulinistische Influencer, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf Sozialen Medien ein Millionenpublikum. Das „Geschäftsmodell Hass“ generiert gewinnbringende Klicks, das globale digitale Plattformen finanziert.

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Sympathie für einen jungen autoritären Linken

von Lothar Galow-Bergemann

Ein junger Linker betritt ein großes Zelt. Die SDAJ hat eingeladen. Proppenvoll. Sicher fünfhundert Leute. Kurze Reden. Laute Musik. Transparente gegen Vietnamkrieg, Lehrlingsausbeutung, alte Nazis, Berufsverbote. Und dann der Sänger. Setzt sich auf den Stuhl ziemlich vorne auf der Bühne, Gitarre überm Knie. Es kämen jetzt ein paar notwendige Takte zu den so genannten undogmatischen Linken. Also ihr, mit eurem So- oder So- oder Sozialismus – was macht ihr denn eigentlich wirklich? Ich meine, was kommt denn dabei raus? Ihr produziert Papier. Aber schaut, da drüben steht die DDR. Ja, sie hat ein paar Kratzer. Aber da steht sie. Und sie wird gehasst. Wer hasst die DDR? Die alten Nazis hassen die DDR, die Bildzeitung hasst die DDR, die Vietnamkriegsbefürworter hassen die DDR, die, die euch als Faulenzer und langhaarige Gammler beschimpfen, hassen die DDR. So schlecht kann die DDR nicht sein.

Bald ist der junge Linke in der DKP. Halbe Sachen sind sein Ding nicht. Täglich sieht und erlebt er so viel Unmenschliches, Ungerechtes, Empörendes. Im Kampf für eine bessere Welt wird er zum Leninisten. Bald auch zum Parteisoldaten, der sich selbst so versteht. Keine halben Sachen. Voller Einsatz. Rund um die Uhr. Der Klassenkampf ist hart, da muss man besser organisiert sein als der Gegner. Und eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt. Sagt er nicht immer laut. Aber weiß er. Von Engels. Und ist ja irgendwie auch logisch. Und dass die Arbeiterklasse die richtige Führung braucht, damit sie ihre Interessen auch wirklich erkennt, weiß er auch. Von Lenin.

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Audio: Sicher sind wir nicht geblieben

Jüdischsein in Deutschland

Buchvorstellung mit Laura Cazés

am 21. Oktober 2025 in Stuttgart

Was bedeutet es, heute in Deutschland jüdisch zu sein? Laura Cazés hat zwölf jüdische Autorinnen und Autoren gebeten, ihre Sicht auf das Leben in diesem Land, aber auch auf das »Jüdischsein« zu beschreiben. Entstanden sind sehr persönliche, vielschichtige Essays, nicht ohne Wut, aber auch nicht ohne Hoffnung, unter anderem von Mirna Funk, Daniel Donskoy, Richard C. Schneider, Erica Zingher und Shahrzad Eden Osterer.

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Audio: Die dreizehnte Fee. Für Kinder sorgen in der befreiten Gesellschaft

Vortrag von Heide Lutosch

gehalten am 19. März 2026

Selbst Menschen, die sich für eine demokratische Planwirtschaft als Alternative zum Kapitalismus einsetzen, werden etwas zögerlich, wenn sie mit der Forderung konfrontiert werden, Sorgearbeit, auch die Betreuung von Kindern, konsequent zu entprivatisieren. Das hat einerseits etwas mit einer weit verbreiteten unkritischen Haltung gegenüber der Kernfamilie zu tun, sowie mit einer Verharmlosung des Leids, das durch sie verursacht wird. Andererseits haben historische Versuche, Kindheit zu kollektivieren, die Grundbedürfnisse von Kindern tatsächlich oft sträflich ignoriert, vor allem die Tatsache, dass sie sowohl körperlich als auch emotional enge sowie dauerhafte und verlässliche Bindungen zu ihren unmittelbaren Bezugspersonen aufbauen können müssen. Der Vortrag schlägt ein Modell alternativer Elternschaft für die befreite Gesellschaft vor und plädiert dafür, den Bereich der sozialen Reproduktion in den Mittelpunkt der Planungsdebatte zu stellen.

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Anne Frank als Rollenvorbild für queere Jugendliche

von Thomas Tews

Anne Frank, deren Todestag sich im diesjährigen Februar/März (das genaue Datum ist unbekannt) zum 81. Male jährt, könnte mit ihrer leider zu wenig bekannten, sich in der ursprünglichen Fassung ihres Tagebuches manifestierenden Queerness heutigen queeren Jugendlichen als Rollenvorbild auf ihrem oftmals steinigen Weg zum Coming-out dienen.

Am Donnerstag, dem 6. Januar 1944, vertraute Anne Frank, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit eineinhalb Jahren mit ihrer Familie im Hinterhaus der Prinsengracht 263 in Amsterdam versteckt hielt, ihrem Tagebuch bzw. ihrer fiktiven Freundin Kitty ihre Gefühle körperlicher Anziehung zum gleichen Geschlecht, etwa zu ihrer früheren Freundin Jacqueline van Maarsen, an:

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Die Naturalisierung des Schnabeltiers

Anmerkung zu Geschichtsphilosophie und Naturalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse bei Spencer A. Leonard 

Erstveröffentlichung in der Platypus Review Ausgabe #37 (November/Dezember 2025)

Von Julian Bierwirth

Die Gruppe Platypus veranstaltet seit einigen Jahren auch im deutschsprachigen Raum Diskussions- und Vortragsveranstaltungen zu linker Theoriegeschichte. Dabei ist nicht nur der unorthodoxe Mix aus Trotzkismus und Kritischer Theorie auffällig, sondern auch die positive Bezugnahme auf einige progressive Klassiker der bürgerlich-liberalen Tradition, insbesondere Adam Smith und Jean-Jacques Rousseau. Einen zentralen Aufsatz zur Begründung dieser Tradition ist von Spencer A. Leonard vorgelegt worden. Am Beispiel dieses Textes lassen sich die Probleme, in die sich die Platypus-Society mit ihrem theoretischen Framing bringt, darstellen.

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Bibeltreue im Schwabenland

Recherche gegen Rechts – christliche Rechte

von Minh Schredle

Evangelikale haben die US-Wahl mitentschieden. Und auch hierzulande ziehen Freikirchen und Bibeltreue offensiver gegen Queerness, Transgeschlechtlichkeit und Abtreibungen zu Felde. Baden-Württemberg erweist sich als Hotspot.

Hartmut Steeb ist stolz auf seine zehn Kinder, von denen nicht ein einziges schwul geworden sei, wie er gerne betont. Der 72-jährige Diplom-Verwaltungswirt aus Stuttgart hat sich seit vielen Jahrzehnten dem Kampf gegen Homosexualität verschrieben und positionierte sich jüngst auf Facebook gegen eine Resolution, die die Parlamentarische Versammlung des Europarats am 29. Januar dieses Jahres verabschiedet hat. Diese fordert von allen EU-Mitgliedsstaaten ein Verbot sogenannter Konversionstherapien, die darauf ausgelegt sind, gleichgeschlechtliche Liebe und trans Personen zu „heilen“ – etwa durch die Konditionierung mit Elektroschocks, während Schwulenpornos laufen. Ein Bericht der Vereinten Nationen verwies 2020 darauf, dass es sich dabei nicht um seriöse Therapien handle, sondern pseudowissenschaftliche Praktiken, deren Methoden man teils als Folter bewerten müsse. Bei Betroffenen liege demnach ein verdoppeltes Suizidrisiko vor. Steeb, der in der sogenannten Lebensschutz-Bewegung aktiv ist, betont hingegen: „Gott kann verändern – und er wird es sich nicht verbieten lassen!“

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Radikale Arbeitszeitverkürzung & andere Alternativen

Filmvorführung & Vortrag

mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 22. April 2026, 19.00 Uhr, Berlin

Aquarium Südblock, Skalitzer Str. 6

Eine Veranstaltung der Naturfreundejugend Berlin

Filmscreening & Diskussion: Ohne Chefs

Kaum jemand fragt, ob die Zukunft unserer Arbeit wirklich nachhaltig ist. Oder ob wir mit mehr, härter und länger arbeiten wirklich etwas zum Guten verändern können.

Der Dokumentarfilm „Ohne Chefs – Demokratie bei der Arbeit“ von Filmemacher Mario Burbach zeigt eine Alternative zum „Arbeitswahn“: selbstverwaltete Betriebe, die ihre eigenen Ziele und Arbeitsweisen festlegen – im Einklang mit den eigenen Vorstellungen von guter Arbeit.
Verschiedene, sogenannte Kollektivbetriebe, stellen sich und ihre Arbeitsweisen vor: vom veganen Café in Berlin-Neukölln über den Fahrradkurierdienst in Dresden bis hin zur Premium-Kaffee-Rösterei in Hamburg. Sie alle vereint, dass sie gemeinsam Entscheidungen treffen und ihre Unternehmen nach moralischen, statt rein profitorientierten Vorstellungen leiten. Das kann anstrengend sein, macht aber auch sehr viel Platz für die eigenen Wünsche und Ideen – Chefs braucht’s dazu nicht.

Nach dem Film werden wir von Lothar Galow-Bergemann mehr über Charakter und Funktionsweise des Kapitalismus hören. Kollektivbetriebe, so seine These, vermögen ihn zwar nicht aus den Angeln zu heben, können aber eine wichtige Rolle in der Formierung einer breiten und bunten gesellschaftlichen Bewegung für ein grundsätzlich anderes Wirtschaften spielen.
Es wird um die absurde Wachstumslogik und die Fülle an Bullshitarbeiten gehen, die uns „unsere Wirtschaft“ abnötigt. Aber auch um die Fallstricke von Alternativbewegungen, die Perspektive der Gewerkschaften und die Notwendigkeit radikaler Arbeitszeitverkürzung.

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Radikale Arbeitszeitverkürzung als Zukunftsprojekt

Workshop mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 23. März 2026, Bad Orb

IG Metall Bildungszentrum

im Rahmen des Seminars Arbeitszeitverkürzung: Die 4-Tage-Woche im Betrieb

Immer noch mehr Autos, noch mehr Plastik im Meer, noch höhere Finanzgebirge, noch mehr CO2. Wir arbeiten für eine Megamaschine, die Mensch und Natur ihrem Diktat unterwirft. Die Klimakrise ist der sichtbarste Ausdruck. Doch auch die Kluft zwischen Reich und Arm wächst, Gesundheit, Bildung und Soziales werden vernachlässigt, Wohnen und Rentensystem werden unbezahlbar.

Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen unter dem Arbeitsdruck und wollen raus aus der Mühle. Da klingt es wie ein Hohn, wenn Politik und Arbeitgeber noch „mehr Bock auf Arbeit“ verlangen. Arbeiten ohne Ende, womöglich noch mit 75? Viele haben andere Vorstellungen von einem erfüllten Leben. Und warum sollen wir eigentlich immer länger arbeiten, obwohl die Computer und Roboter immer besser werden?

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Foltern für die Meinungsfreiheit

Das in vielen US-Bundesstaaten geltende Verbot von Konversionstherapien könnte fallen

von Minh Schredle

Noch sind in vielen US-Bundesstaaten sogenannte Konversions­therapien für Minderjährige verboten. Der inzwischen mehrheitlich mit religiösen Rechten besetzte Supreme Court könnte dies allerdings in absehbarer Zeit ändern.

»Maulkorberlass« – so nennt die Therapeutin und praktizierende Christin Kaley Chiles aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Colorado das dortige gesetzliche Verbot, homo- und transsexuelle Minderjährige einer sogenannten Konversionstherapie zu unterziehen, einer pseudowissenschaftlichen Praktik, die darauf abzielt, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität gesellschaftlichen oder religiösen Normen zu anzugleichen.

Chiles setzt sich derzeit vor dem Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, gegen das Verbot ein. Sie argumentiert, die Regelung, die in ihrem Bundesstaat seit 2019 gilt, verletze ihr Recht auf freie Meinungsäußerung. Denn ihre Überzeugung sei es, dass sich Menschen am besten entwickeln, »wenn sie im Einklang mit Gottes Schöpfung leben – einschließlich des biologischen Geschlechts«. Das Urteil steht noch aus. Bei einer Anhörung im Oktober zeichnete sich allerdings ab, dass Chiles eine Mehrheit der konservativen Richter:in­nen überzeugen dürfte. Mehr als deutlich machte das Richter Samuel Alito: Das Verbot sei eine »eklatante Diskriminierung«.

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Die dreizehnte Fee. Für Kinder sorgen in der befreiten Gesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Heide Lutosch

Donnerstag, 19. März 2026, 19.30 Uhr, ONLINE

  • Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören

Selbst Menschen, die sich für eine demokratische Planwirtschaft als Alternative zum Kapitalismus einsetzen, werden etwas zögerlich, wenn sie mit der Forderung konfrontiert werden, Sorgearbeit, auch die Betreuung von Kindern, konsequent zu entprivatisieren. Das hat einerseits etwas mit einer weit verbreiteten unkritischen Haltung gegenüber der Kernfamilie zu tun, sowie mit einer Verharmlosung des Leids, das durch sie verursacht wird. Andererseits haben historische Versuche, Kindheit zu kollektivieren, die Grundbedürfnisse von Kindern tatsächlich oft sträflich ignoriert, vor allem die Tatsache, dass sie sowohl körperlich als auch emotional enge sowie dauerhafte und verlässliche Bindungen zu ihren unmittelbaren Bezugspersonen aufbauen können müssen. Der Vortrag schlägt ein Modell alternativer Elternschaft für die befreite Gesellschaft vor und plädiert dafür, den Bereich der sozialen Reproduktion in den Mittelpunkt der Planungsdebatte zu stellen.

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