„Ich habe nichts gegen Juden, aber…“

Was ist eigentlich „moderner“ Antisemitismus?

Vorträge und Diskussion im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen Stuttgart 2013

Lothar Galow-Bergemann, Sebastian Ostritsch

Mittwoch, 6. November 2013 ,18 Uhr, Stuttgart

Rathaus, Kleiner Sitzungssaal (3. OG) Marktplatz 1, 70173 Stuttgart

Als im 19. Jahrhundert der Begriff des Antisemitismus entsteht, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch gesellschaftlich angesehene Personen sich selbst offen als Antisemiten bezeichnen. Die Frage, ob man Antisemit sein könne oder gar müsse, gehört heutzutage glücklicherweise nicht mehr zum gesellschaftlich akzeptierten Diskurs. Niemand, der sich nicht ins soziale Abseits stellen will, wird sich daher freiwillig einen Antisemiten schimpfen lassen. Heißt dies aber auch, dass es heutzutage kaum noch Antisemiten und daher auch keinen echten Antisemitismus mehr gibt?

Wie diese Veranstaltung mit Lothar Galow-Bergemann und Sebastian Ostritsch (beide Vorstandsmitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, AG Stuttgart und Mittlerer Neckar) zeigen möchte, wäre ein solcher Schluss ein Fehler: Das Phänomen des Antisemitismus treibt weiterhin sein Unwesen, allerdings nun unter dem Schutz sprachlicher Deckmäntel. Es ist geradezu typisch für den Antisemitismus unserer Tage, dass er seine Tiraden mit der Versicherung beginnt: „Ich habe nichts gegen Juden…“. Die beiden Referenten möchten in ihren Vorträgen dem „Aber“ nachspüren, das für gewöhnlich unmittelbar auf solche Bekundungen des reinen Gewissens folgt. Insbesondere möchten die Vortragenden zwei Themenfelder beleuchten, auf denen der moderne Antisemitismus regelrecht grassiert, ohne dass er den meisten seiner Träger bewusst ist. Zum einen ist das eine bestimmte Form der Kritik am Kapitalismus, die statt wirtschaftlicher Verhältnisse bestimmte Menschengruppen unter Verwendung alter antisemitischer Klischees angreift. Zum anderen ist das die deutsche „Israelkritik“, die von antijüdischen Vorurteilen getrieben und geprägt ist, dabei aber perverser Weise betont, lediglich aus einem aus dem Holocaust erwachsenden Pflichtgefühl zu handeln.

Im Anschluss an die Vorträge findet eine Diskussion statt. Eintritt frei.

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