Die offene rechte Flanke des Bundes der Vertriebenen

von Lucius Teidelbaum, Juli 2010

Die Rechten und die „Vertriebenen“verbände: eine Liebesheirat

Die „Vertriebenen“ wurden von der extremen Rechten in der Bundesrepublik schon immer mit der besonderer Zuneigung eines Hätschelkindes bedacht. Stellte diese Gruppe doch scheinbar die Legitimation dar für Gebietsansprüche auf große Teile der Nachbarländer Deutschlands. Heimatverbliebene und „heimatvertriebene“ Rechte trafen sich inhaltlich im Revanchismus, im völkischen Verständnis von Deutschsein oder in ihren antislawischen Ressentiments. So engagierten sich viele „Vertriebenen“aktivisten nicht nur in ihren Verbänden, sondern auch in der extremen Rechten. Die erste Generation von „Vertriebenen“funktionären führte dabei oft ihr Wirken als „Volkstumskämpfer“ vor 1945 fort. Auch heute noch ist die Verbindung zwischen der extremen Rechten und der „Vertriebenen“szene nicht abgebrochen.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass der BdV massiv mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, im Jahr 2009 wurde er beispielsweise mit 16 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt subventioniert.

Zum Beispiel: Der Witikobund

Der Witikobund wurde offiziell 1950 in Stuttgart von hohen sudetendeutschen Nazis gegründet. Die Vorgänger-Formation gründete sich ausgerechnet am 9. November 1947 in Waldkraiburg (Bayern). Sich selbst begreift diese braune pressuregroup innerhalb der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ als „nationale Gesinnungsgemeinschaft der Sudetendeutschen“.

Trotz einer eher geringen Mitgliederzahl (1.000 werden vermutet, doch die „Vertriebenen“ korrigieren ihre Mitgliederzahlen gerne mal nach oben), die dem eigenen elitären Konzept und Anspruch geschuldet ist, ist der Einfluss der Witikonen innerhalb der weitaus größeren „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ nicht zu unterschätzen. Nicht wenige Landsmannschafts-Funktionäre in Vergangenheit waren auch Witikonen und die Witikonen stellen bis heute eine wichtige Fraktion in der Landsmannschaft.

Die Witikonen von heute haben, altersmäßig bedingt, nur noch selten eine NS-Vergangenheit, sie sind aber häufig NPD-Mitglieder oder andernorts in der extremen Rechten aktiv.

Die Kontakte und Überschneidungen des Witikobundes mit dem extrem rechten Spektrum sind eindeutig und besonders auffällig bei der Jugendorganisation, den „Jungen Witikonen“. Da taucht der Name der sudetendeutschen Jugendorganisation „Junge Witikonen“ sogar auf der Unterstützerliste des Nazi-Großaufmarsches in Ulm am 1. Mai 2009 auf.

Das kommt nicht von ungefähr. Der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzenden der „Jungen Witikonen“ und stellvertretende Kreisvorsitzende des „Witikobundes“ in Regensburg, Willi Wiener, ist laut dem Informationsportal „redok“1 beispielsweise gleichzeitig NPD-Kreisvorsitzender und war „Organisationsleiter“ der Neonazi-“Kameradschaft Asgard Ratisbona“.

Wie überhaupt besonders die Vertriebenen-Nachwuchsorganisationen (eigentlich ein Widerspruch in sich!) über beste Verbindungen ins extrem rechte Lager zu verfügen scheinen. Da veranstaltet die offizielle Jugendorganisation der hoch subventionierten „Schlesischen Landsmannschaft“, die „Schlesische Jugend“ 2008 eine gemeinsame „Ostfahrt“ mit der Nazi-Truppe „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) und die Thüringer Landesgruppe der „Schlesischen Jugend“ gibt in ihrem Jahresprogramm freimütig an, den größten Naziaufmarsch Europas am 13. Februar 2010 in Dresden besuchen zu wollen.

Ein personelles Beispiel für diese Verflechtungen wäre Marius A.2 (ehemals: Marius Frosch). Marius A. ist ein Aktivist, der schon in diversen extrem rechten Gruppen aktiv war. So war er Kandidat der NPD bei der Landtagswahl 2006 in Baden-Württemberg3, war Bundesvorstandsmitglied der DVU-Jugendorganisation und war Vorstandsmitglied bei der Münchner NPD-Liste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA). Frosch war auch eine Zeit lang beim Witikobund aktiv, wo er seit März 2007 baden-württembergischer Landesvorsitzender war. In einer „Cannstatter Erklärung“ schmiedeten die „Jungen Witikonen“ und die „Schlesische Jugend“ 2008 ein „Bündnis für Heimat“. Unter dieser Erklärung findet sich auch der Name „Marius Frosch“ in der Funktion „Landesvorsitzender Witikobund Baden-Württemberg, LV Baden-Württemberg““4.

Trotz der Einbindung der Witikonen und ihrer Jugendorganisation in die extreme Rechte wird diese Organisation auf der Homepage des Landesverbandes der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“5 kommentarlos aufgeführt6. Die Kontaktadresse lautet auf einen Christian E., laut Informationsportal „redok“ war dieser „vormals Landesjugendbeauftragter der Deutschen Partei in Baden-Württemberg“7.

So fügt sich eine extrem rechte Organisation problemlos in das Organisationsgefüge der übrigen, ohnehin weit rechts anzusiedelnden, „Vertriebenen“gruppen ein. Was hier online passiert, ist ein passendes Beispiel für die ganz normale Verbandspolitik. Es gibt einen extrem rechten Flügel, sogar jenseits von der CDU-Rechtsaußen-Abgeordneten Erika Steinbach, der mit anderen extremen Rechten kooperiert bzw. Überschneidungen aufweist.

Zum Beispiel: Preußische Allgemeine Zeitung

„Kritisch, konstruktiv – Klartext für Deutschland“ verkündet die Unterzeile des Homepage-Banners der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ (PAZ). Die PAZ ist aus dem 1950 gegründeten „Ostpreußenblatt“, dem Organ der Landsmannschaft Ostpreußen, hervorgegangen. Die PAZ soll nach eigenen Angaben eine Auflage von 20.000 Stück (die PAZ erreicht damit angeblich 50.000 Leser) haben und kann seit Januar auch am Kiosk gekauft werden. Zuvor war sie eine reine Abonnenten-Zeitung. Sich selber würde die PAZ wohl im wertkonservativen Spektrum verorten. Der PAZ-Chefredakteur selbst meint zur Blatt-Linie: „Unsere Linie ist ein selbstbewußter christlicher Konservativismus.“

In Wahrheit bewegt sich die PAZ in einer Grauzone zwischen Konservatismus und extremer Rechte. Dafür bürgen Autoren wie der Ex-Linke und Neurechte Klaus Rainer Röhl, der Jungkonservative Felix Menzel oder der Ultra-Rechtsaußen Klaus Hornung. Inhaltlich und bei den AutorInnen gibt es auffällige Überschneidungen zu dem neurechten Wochenblatt „Junge Freiheit“ augenfällig.

Bei dem Dauer-Schwerpunkt „Vertriebene“ macht sich ein revanchistischer (Unter-)Ton in dem Blatt natürlich bemerkbar. Es werden aber auch aktuelle rechte Feindbilder und Themen wie „Ausländerkriminalität“, „Islamisierung Europas“ oder die Klage über die Reparations-Zahlungen Deutschlands bemüht.

Es ist ein Skandal dass derart rechtsoffene und rechtslastige Gruppen oder Blätter aus öffentlichen Mitteln hoch subventioniert, ja geradezu künstlich am Leben erhalten, werden. Die Rechten und die „Vertriebenen“verbände: eine Liebesheirat

 

1 Anton Maegerle: Nachwuchs-Revanchisten, redok; 20.03.2009, http://www.redok.de/content/view/1369/38/

2 redok: Doppelter Rechtsaußen-Funktionär, 21. Juli 2009, http://www.redok.de/content/view/1456/36/

3 Vgl. http://www.abgeordnetenwatch.de/marius_frosch-352-6479.html

4 einsehbar unter: http://www.gfp-netz.de/netzseiten/index.php?option=com_content&task=view&id=500&Itemid=32

5 Die „Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe Baden-Württemberg“ ist übrigens auch die einzige Gruppe, die dem stark rechtslastigen Dcahverband „Europäische Union der Flüchtlinge und Vertriebenen“ (EUFV) beigetreten ist. Vgl.: http://www.uese.eu/de/members.php

6 Vgl. http://www.sudeten-bw.de/?Die_Sudetendeutschen_in_Baden-W%FCrttemberg:Sudetendeutsche_Organisationen

7 Anton Maegerle: Nachwuchs-Revanchisten, redok; 20.03.2009, http://www.redok.de/content/view/1369/38/

 

 

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