Eingeschränkte Mitsprache

Die Bundesregierung will weniger Rücksicht auf Kröten und Anwohner, damit schneller gebaut werden kann

von Minh Schredle

Eine Reform des Baurechts soll dafür sorgen, dass mehr Wohnungen ge­baut werden. Das geht zu Lasten von Umweltschutz und Bürgerbeteiligung.

Der Wohnungsmangel in Deutschland hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts das größte Ausmaß seit 30 Jahren erreicht. Dem Anfang 2026 veröffentlichten Sozialen Wohn-Monitor zufolge lag das Defizit Ende 2024 bei etwa 1,4 Millionen Wohnungen. Besonders schwer bei der Wohnungssuche haben es demnach Menschen unter 25, zum Beispiel Auszubildende und Berufs­einsteiger:in­nen. Studierende, die nicht mehr bei den Eltern leben, gaben der Untersuchung zufolge durchschnittlich 53 Prozent ihres Monatsbudgets für Mietkosten aus. Aber auch für diejenigen, die nach Abschluss ihres Arbeitslebens eine schmale Rente einfahren, macht sich der Mangel immer stärker bemerkbar.

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Audio: Sozialdarwinistische Zustände

Tödliche Gewalt gegen wohnungslose Menschen

Vortrag und Diskussion mit Merle Stöver

Gehalten am 2. Juni 2026

Jedes Jahr werden wohnungs- und insbsondere obdachlose Menschen Opfer tödlicher Gewalt. Doch obwohl in zahlreichen Fällen die rechten Tatmotivationen auf der Hand liegen, bleiben eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Taten und ein Erinnern an die Opfer meist aus. Die Marginalisierung, die wohnungslose Menschen in allen Lebensbereichen erfahren, setzt sich auch nach ihrem Tod fort.

Der Vortrag wirft einen Blick auf die langen Kontinuitäten sozialdarwinistischer Verfolgung und Gewalt, beleuchtet einerseits Gewalterfahrungen von wohnungslosen Menschen und dikutiert andererseits Motive und Motivationen sozialdarwinistischer Gewalt.

Merle Stöver ist Sozialarbeiterin, Antisemitismusforscherin und promoviert am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld zu Tötungsdelikten an wohnungs- uund obdachlosen Menschen zwischen 1989 und 2022.

Ein Sadist bei der Polizei

Langsames Disziplinarverfahren

von Minh Schredle

Seit 2017 ist bekannt, dass der Polizist Rainer Jäger (Name geändert) mit Gewalttaten prahlt – zum Beispiel, wenn „Zecken“ nach dem 1. Mai nicht mehr laufen können. Ein Disziplinarverfahren stehe kurz vor dem Abschluss, versichert das zuständige Präsidium in Göppingen seit zehn Monaten.

Jeder einzelne Fall sei „einer zu viel!“, war im April 2021 in der „Polizei-Zeitschrift Baden-Württemberg“ (DPZ) zu lesen. Nachdem diverse Skandale um rechtsextreme Chatgruppen öffentlich geworden waren, ist damals gerade die „Koordinierungsstelle Werte“ gegründet worden. Diese stellt sich in dem Heft vor, versichert, ein Problem mit strukturellem Rassismus oder sonstiger Diskriminierung gebe es nicht bei der Polizei. Aber die Messlatte hängt „für uns aufgrund unserer besonderen Stellung als Trägerin des staatlichen Gewaltmonopols und unserer Aufgabe als Demokratieschützerin hoch“. Das „Fehlverhalten Weniger“ könne „uns alle zu Unrecht in ein falsches Licht rücken“, heißt es weiter. Und daher, erklärt Andreas Renner, der federführende Verantwortliche für die gelebte Wertekultur bei der Polizei, „ist es Zeit, den Blick verstärkt nach innen, auf uns selbst, zu richten“.

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Die Leiden des Branchenprimus

Deutschlands größter Immobilien­konzern Vonovia hat sich hoch verschuldet

von Minh Schredle

Die Investoren sind missvergnügt. »Der Kurs der Aktie ist alles andere als erfreulich«, sagte Marc Tüngler, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, bei der Hauptversammlung des Immobilienunternehmens Vonovia am 21. Mai. Im Vergleich zum Höchststand von 2020 ist der Kurs der Aktie um beinahe 60 Prozent eingebrochen, der Verlust gegenüber dem Vorjahr liegt bei rund 18 Prozent. Zugleich hat das größte deutsche Wohnungsunternehmen dem Manager-Magazin zufolge knapp 39 Milliarden Euro an Schulden angehäuft.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS die Abschiedsvergütung für den früheren Vorstandsvorsitzenden von Vonovia als »übermäßig großzügig«. Nach zwölf Jahren schied Rolf Buch zum Jahresende 2025 vorzeitig aus. Außer einer Abfindung in Höhe von 5,8 Millionen Euro bewilligte ihm der Aufsichtsrat ein Aktienpaket und eine sogenannte Karenzzahlung, für deren Erhalt sich Buch verpflichtete, in den folgenden zwölf Monaten nicht bei der Konkurrenz anzuheuern. Das Handelsblatt schätzte, dass insgesamt mehr als 15 Millionen Euro für Buch zusammenkommen könnten.

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Beat des Kaddischs – zu Allen Ginsbergs 100. Geburtstag

von Thomas Tews

Vor 100 Jahren wurde der jüdische Dichter Allen Ginsberg, ein Protagonist der US-amerikanischen ‚Beat Generation‘, geboren. Seine lyrischen Werke, wie das seiner verstorbenen Mutter gewidmete Gedicht „Kaddisch“, berühren noch heute.

Allen Ginsberg wurde am 3. Juni 1926 im Beth-Israel-Krankenhaus in Newark im US-Bundesstaat New York geboren. Seine Mutter Naomi Ginsberg stammte aus einer jüdischen Familie: Ihr Vater Mendel Livergang war nach einem 1905 in der seinerzeit russischen (heute belarusischen) Stadt Witebsk (Wizebsk) erfolgten Pogrom gegen die damals ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachenden Jüdinnen*Juden in die USA ausgewandert (wobei sein Name in Morris Levy abgeändert worden war) und hatte sich dort in einem alten jüdischen Viertel Manhattans niedergelassen. Ginsbergs Vater Louis Ginsberg war der Sohn jüdischer Immigrant*innen aus Lwow (Lviv) in der heutigen Westukraine, die 1880 nach Newark, wo sie Verwandte hatten, gekommen waren.

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Autoritäre Versuchungen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 11. Juli 2026, 15.30 bis 17.00 Uhr, Bad Berleburg

Bürgerhaus, Am Marktplatz 1

Eine Veranstaltung der Initiative Demokratie und Menschlichkeit Wittgenstein

Klima, Krieg, Inflation, Sorge um die wirtschaftliche Existenz und sozialen Abstieg… Vieles beunruhigt. Einfache Antworten gibt es nicht. Aber manchen erscheinen sie verlockend. Autoritäre Politikkonzepte werden attraktiver. Freiheit wird mit Ellenbogenegoismus verwechselt. Die Suche nach „den Schuldigen“ vermischt sich mit der Sehnsucht nach dem „starken Mann“. Krisenzeiten waren selten gut für die Demokratie. Wie können wir die Gesellschaft angesichts großer ökologischer und sozialer Herausforderungen krisenresistenter gestalten und auf einen guten Weg kommen?

Rechtswidrige Mieterhöhungen – Kreativ à la Vonovia

von Minh Schredle

Irgendjemand wird schon drauf reinfallen: Vonovia erfindet Gründe für Mietaufschläge, die vor Gericht zwar nicht standhalten. Aber man muss sich wehren: Wer sich im Unwissen darauf einlässt, mehr zu zahlen, zieht die Arschkarte.

Die Vonovia hält sich für eine großartige Vermieterin – zumindest wenn sie tatsächlich glaubt, was sie schreibt. Das Wohnungsunternehmen verstehe sich als „Teil der Gesellschaft“, heißt es über das eigene Geschäftsverständnis. „Deshalb pflegen wir unsere Gebäude“, man übernehme „Verantwortung für sicheres, gutes und bezahlbares Wohnen“, rücke „Mieterinnen und Mieter und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt“. Mit denen „kommunizieren wir auf Augenhöhe“, man behandle sie „fair und gleichberechtigt“, kümmere sich „um ihre Sorgen, Nöte und Wünsche“ und, das steht da wirklich, „wir fördern das Miteinander“.

Vielleicht hat sich jemand in der Marketingabteilung einen subversiven Scherz erlaubt und dem Auftraggeber eine Satire untergejubelt? Oder ist auf einer grundsätzlichen Ebene etwas durcheinander geraten? Eigentlich müsste da so etwas stehen wie: „Wir lassen unsere Gebäude verkommen, bis wir überteuert modernisieren können, wollen Wohnen immer teurer machen und rücken die Bedürfnisse unserer Aktionäre in den Mittelpunkt.“ Kaum ein deutsches Unternehmen tut so viel für die Spaltung der Gesellschaft und verwandelt dabei Wünsche in Sorgen und Nöte.

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Recherche gegen Rechts

Projektvorstellung

mit Minh Schredle

Donnerstag, 28. Mai 2026, 19.30 Uhr, Ludwigsburg Wird verschoben. Neuer Termin folgt.

DemoZ, Wilhelmstraße 45/1, 71638 Ludwigsburg

Seit 2018 befindet sich die Kontext:Wochenzeitung im Rechtsstreit mit einem Neonazi. Dank einer erfolgreichen Spendenkampagne kann die Wochenzeitung sich diese Auseinandersetzung leisten. Und nicht nur das: das Spendenziel wurde übertroffen, so dass mit dem Geld außerdem das Projekt „Recherche gegen Rechts“ aufgebaut werden konnte, um einschlägigen Strukturen in Baden-Württemberg auf den Zahn zu fühlen und Recherchen zu finanzieren, die ansonsten unbezahlbar für die Zeitung wären.

Am 28. Mai stellt Kontext-Redakteur Minh Schredle die dabei entstandene Broschüre im DemoZ vor und gibt einen Einblick in das Projekt und die Recherchen.

Radikale Arbeitszeitverkürzung gegen Rechts

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 8. Juni 2026, 20.30 Uhr, Stuttgart

Theater Rampe, Filderstrasse 47, Stuttgart

Eine Veranstaltung der Montage-Gruppe

Wir sollen „mehr Bock“ haben auf „Arbeit, Leistung, Wachstum und Wettbewerb“, um „unseren Wohlstand zu sichern“. Doch was für ein „Wohlstand“ soll das sein? Schuften ohne Ende? Für noch mehr Autos? Noch mehr Plastik im Meer? Noch mehr CO2? Noch höhere Finanzgebirge? Ständiger Stress, kaum Zeit für’s Leben? Sich dann auch noch anhören müssen, wir würden „zu viel krankmachen“? Und am Ende Minirente mit 75? Wer hat darauf schon Bock?

„Wirtschaftswachstum“ ist der moderne Gott, dem wir alle dienen müssen. Wir arbeiten für eine Megamaschine, die unendlich Geld anhäuft und Mensch und Natur ihrem Diktat unterwirft. Die Klimakrise ist ihr ebenso geschuldet wie die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm, Vernachlässigung von Gesundheit, Bildung und Sozialem, unbezahlbare Wohnungen und Renten.

Computer und Roboter könnten uns viel Arbeit abnehmen. Aber wir sollen immer mehr arbeiten, weil die Megamaschine Konkurrenz statt Kooperation von uns verlangt. Niemand vertritt dieses Prinzip brutaler als Autoritäre und Faschisten. Die Rechtsentwicklung fällt nicht vom Himmel, sie erwächst aus der Ellenbogenlogik „unserer Wirtschaft“.

Kampf gegen Rechts kann erfolgreich sein, wenn er sich mit dem Wunsch von immer mehr Menschen nach wesentlich mehr Zeit für ein erfülltes und sinnvolles Leben verbündet. Kämpfe um radikale Arbeitszeitverkürzung und gesellschaftliche Selbstorganisation sind der Schlüssel für humanes und naturverträgliches Wirtschaften. Gewerkschaften können eine zentrale Rolle dabei spielen, wenn sie ihr großes Potential als Massenorganisationen der Fachkräfte für den stofflichen Umbau erkennen und mobilisieren.

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Radikale Arbeitszeitverkürzung: Für ein besseres Leben – Gegen Rechts

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 16. Mai 2026, 14.00 Uhr, Gorleben

Beluga-Dreieck

Eine Veranstaltung im Rahmen des MSNT – Das solidarische Festival im Wendland während der Kulturellen Landpartie

Wir sollen „mehr Bock“ haben auf „Arbeit, Leistung, Wachstum und Wettbewerb“, um „unseren Wohlstand zu sichern“. Doch was für ein „Wohlstand“ soll das sein? Schuften ohne Ende? Für noch mehr Autos? Noch mehr Plastik im Meer? Noch mehr CO2? Noch höhere Finanzgebirge? Ständiger Stress, kaum Zeit für’s Leben? Sich dann auch noch anhören müssen, wir würden „zu viel krankmachen“? Und am Ende Minirente mit 75? Wer hat darauf schon Bock?

„Wirtschaftswachstum“ ist der moderne Gott, dem wir alle dienen müssen. Wir arbeiten für eine Megamaschine, die unendlich Geld anhäuft und Mensch und Natur ihrem Diktat unterwirft. Die Klimakrise ist ihr ebenso geschuldet wie die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm, Vernachlässigung von Gesundheit, Bildung und Sozialem, unbezahlbare Wohnungen und Renten.

Computer und Roboter könnten uns viel Arbeit abnehmen. Aber wir sollen immer mehr arbeiten, weil die Megamaschine Konkurrenz statt Kooperation von uns verlangt. Niemand vertritt dieses Prinzip brutaler als Autoritäre und Faschisten. Die Rechtsentwicklung fällt nicht vom Himmel, sie erwächst aus der Ellenbogenlogik „unserer Wirtschaft“.

Kampf gegen Rechts kann erfolgreich sein, wenn er sich mit dem Wunsch von immer mehr Menschen nach wesentlich mehr Zeit für ein erfülltes und sinnvolles Leben verbündet. Kämpfe um radikale Arbeitszeitverkürzung und gesellschaftliche Selbstorganisation sind der Schlüssel für humanes und naturverträgliches Wirtschaften. Gewerkschaften können eine zentrale Rolle dabei spielen, wenn sie ihr großes Potential als Massenorganisationen der Fachkräfte für den stofflichen Umbau erkennen und mobilisieren.

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Grüne und CDU: Koalition mit einem Kindergarten

von Minh Schredle

Seit der Wahlniederlage am 8. März präsentiert sich Baden-Württembergs CDU im dauerhaften Schmollmodus. Doch die Mängel bei der nötigen charakterlichen Reife für Regierungsverantwortung reichen viel weiter.

Bereits Monate vor der Landtagswahl zeichnete sich ab: Baden-Württembergs nächste Landesregierung wird entweder schwarz-grün oder grün-schwarz. Mit der AfD will niemand zusammenarbeiten, andere Möglichkeiten, rechnerisch eine Koalition bilden zu können waren laut Umfragen sehr unwahrscheinlich. Seit dem Wahltag – und dem Scheitern von Linken und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde – ist endgültig klar: Andere Bündnisse sind mathematisch unmöglich. Und da die Grünen 27.279 Stimmen mehr bekamen als die Konservativen, wird es grün-schwarz.

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Kein Frühling für die Mittellosen

Unsoziale Reformen

von Minh Schredle

Die Bundesregierung kündigt für den Frühling ein umfassendes Reform­programm an. Es soll um Steuern, Renten, Gesundheit und Arbeitszeiten gehen. Ihr Versprechen, dabei vor allem Menschen mit geringem Einkommen zu berücksichtigen, löst sie insofern ein, als dass die mit zusätzlicher Belastung rechnen dürfen.

Die Wachstumsprognosen der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute erwiesen sich seit der Jahrtausendwende häufig als zu optimistisch. Das ergab eine Auswertung des Handelsblatts, basierend auf Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle. Das scheint auch auf die Erwartungen für das laufende Jahr zuzutreffen, die gerade nach unten korrigiert werden mussten. Statt des zunächst prognostizierten Wachstums von 1,3 Prozent erwarten fünf Institute in ihrem Anfang April vorgestellten, gemeinsamen Frühjahrsgutachten nur noch 0,6 Prozent. Als Hauptursache nannte Timo Wollmershäuser, der Leiter der Konjunkturforschung und -prognosen des Ifo-Instituts, den »Energiepreisschock« im Zuge des Iran-Kriegs.

Da deshalb mit steigender Inflation zu rechnen ist, schrieb »ZDF heute«,  müsse sich die Bundesregierung eigentlich an einer »Quadratur des Kreises« versuchen, also »die Wirtschaft ankurbeln und zugleich radikal sparen«. Weiterlesen

Sympathie für einen jungen autoritären Linken

von Lothar Galow-Bergemann

Ein junger Linker betritt ein großes Zelt. Die SDAJ hat eingeladen. Proppenvoll. Sicher fünfhundert Leute. Kurze Reden. Laute Musik. Transparente gegen Vietnamkrieg, Lehrlingsausbeutung, alte Nazis, Berufsverbote. Und dann der Sänger. Setzt sich auf den Stuhl ziemlich vorne auf der Bühne, Gitarre überm Knie. Es kämen jetzt ein paar notwendige Takte zu den so genannten undogmatischen Linken. Also ihr, mit eurem So- oder So- oder Sozialismus – was macht ihr denn eigentlich wirklich? Ich meine, was kommt denn dabei raus? Ihr produziert Papier. Aber schaut, da drüben steht die DDR. Ja, sie hat ein paar Kratzer. Aber da steht sie. Und sie wird gehasst. Wer hasst die DDR? Die alten Nazis hassen die DDR, die Bildzeitung hasst die DDR, die Vietnamkriegsbefürworter hassen die DDR, die, die euch als Faulenzer und langhaarige Gammler beschimpfen, hassen die DDR. So schlecht kann die DDR nicht sein.

Bald ist der junge Linke in der DKP. Halbe Sachen sind sein Ding nicht. Täglich sieht und erlebt er so viel Unmenschliches, Ungerechtes, Empörendes. Im Kampf für eine bessere Welt wird er zum Leninisten. Bald auch zum Parteisoldaten, der sich selbst so versteht. Keine halben Sachen. Voller Einsatz. Rund um die Uhr. Der Klassenkampf ist hart, da muss man besser organisiert sein als der Gegner. Und eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt. Sagt er nicht immer laut. Aber weiß er. Von Engels. Und ist ja irgendwie auch logisch. Und dass die Arbeiterklasse die richtige Führung braucht, damit sie ihre Interessen auch wirklich erkennt, weiß er auch. Von Lenin.

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Fallstricke der Emanzipation

Autoritäres in der Linken und antifaschistische Essentials heute

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Dienstag, 21. April 2026, 19.30 Uhr, Berlin

Bajszel, Emser Str. 8/9, Kirsten-Heisig-Platz, Berlin-NK

Eine Veranstaltung von TKA – Theorie, Kritik & Aktion und Bajszel

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen.

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Audio: Wie lässt sich ein neuer Faschismus verhindern?

Aliki Schäfer und Andreas Vogel im Gespräch mit Lothar Galow-Bergemann

Ein radikaler Rechtsruck hat Europa und Deutschland erfasst: Rassistische und antisemitische Hetze im Internet und anderswo scheinen mittlerweile schon zu unserem Alltag zu gehören. Deportationspläne für Flüchtlinge und Migranten sind vorbereitet. Umfragewerte und Wahlergebnisse rechtspopulistischer Parteien gehen durch die Decke. Was heißt Antifaschismus 2026, wie können wir uns gegen eine Politik der Unmenschlichkeit wehren und der autoritären Welle mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten?

Auszug aus der „Cosmic Radio Show – Thema: Antifaschismus“, eine Rundfunksendung des BSV im Freien Radio für Stuttgart vor Publikum am 17. Januar 2026 im Theater Rampe, Stuttgart

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Warum kann die Politik die Krise nicht stoppen?

oder: Was ist eigentlich Kapitalismus?

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Freitag, 5. Juni 2026, 14 Uhr, Waldenbuch

Waldjugendzeltplatz Jungviehweide in 71111 Waldenbuch

Eine Veranstaltung der NAJU Baden-Württemberg im Rahmen des Aufstand 2026

Regierungen werden immer schlechter bewertet. Politiker*innen und Parteien genießen immer weniger Ansehen. Sind „die da oben“ alle unfähig, bösartig und korrupt? Das glauben viele. Aber die Krise gibt es nicht etwa, weil sich Politiker*innen „falsch“ verhielten, sondern weil sie „richtig“ handeln. Richtig im Sinne der Logik „unserer Wirtschaft“.

Warum nimmt Armut zu? Warum wird Wohnen unbezahlbar? Warum steigen die Lebenshaltungskosten? Warum sind Soziales, Bildung und Gesundheit „zu teuer“? Warum wird Klimaschutz vernachlässigt? Warum sollen wir „mehr Bock auf Arbeit“ haben? Und das für eine Minirente mit 75? Warum ist es ein offenes Geheimnis, dass es den Jüngeren einmal schlechter gehen wird?

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Was ist Zionismus?

Versuch einer anthologischen Antwort und Grundlagentexte

von Thomas Tews

Vor dem aktuellen Hintergrund, dass der Landesverband Niedersachsen der Partei „Die Linke“ in einem auf seinem Landesparteitag am 14./15. März 2026 angenommenen Antragi „den heute real existierenden Zionismus“ ablehnt, weil dieser „durch Rassismus, Besatzungspolitik und militärische Gewalt“ gekennzeichnet sei und „einen wesentlichen Hinderungsgrund für eine friedliche Zukunft für alle Menschen in der Region“ bilde, soll im Folgenden in der Art einer Anthologie eine Antwort auf die Frage „Was ist Zionismus?“ zu geben versucht werden.

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Einmal Höcke und wieder zurück

Höcke bewegt Menschen. Gegner*innen wie Anhänger*innen.

von Lucius Teidelbaum

Am 28. Februar 2026 demonstrierten nach Veranstalter-Angaben 5.000 Menschen gegen den Auftritt Höckes in der Wittumhalle in Reutlingen-Rommelsbach. Etwa 700 Menschen befanden sich dagegen im Innneren der Halle und lauschten den Rednern. Es war damit die bisher erfolgreichste Veranstaltung der AfD im Kreis Reutlingen.

Viele der Gegendemonstrant*innen kamen aus der Nachbarstadt Tübingen. Im dortigen linksliberalen Milieu und der linken Szene ist die Ablehnung von Höcke fast einhellig. Andererseits wurde in Tübingen trotz seiner bekannten rassistischen Tiraden im Oktober 2022 Boris Palmer im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister wiedergewählt. Auch hier scheint eine abgeschwächte Variante von rechtem bzw. reaktionärem Populismus in der Bevölkerung mehrheitsfähig bzw. tolerabel zu sein. In ihren Positionen sind Palmer und Höcke trotzdem weit entfernt voneinander. Allerdings versucht Palmer Türöffner für Kräfte rechts von ihm zu sein. So empfahl Palmer am 25. September 2024 im Interview mit dem „Bayrischen Rundfunk“ der CDU in Thüringen eine Koalition mit der Höcke-AfD: „Im konkreten Fall von Thüringen hab ich auch gesagt, vielleicht sollte die CDU etwas Ungewohntes wagen und der AfD anbieten, wenn wir den Ministerpräsidenten stellen und den Innenminister dürft ihr mal ausprobieren, ob ihr überhaupt in der Lage seid euch konstruktiv an der Regierung zu beteiligen.“

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Anne Frank als Rollenvorbild für queere Jugendliche

von Thomas Tews

Anne Frank, deren Todestag sich im diesjährigen Februar/März (das genaue Datum ist unbekannt) zum 81. Male jährt, könnte mit ihrer leider zu wenig bekannten, sich in der ursprünglichen Fassung ihres Tagebuches manifestierenden Queerness heutigen queeren Jugendlichen als Rollenvorbild auf ihrem oftmals steinigen Weg zum Coming-out dienen.

Am Donnerstag, dem 6. Januar 1944, vertraute Anne Frank, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit eineinhalb Jahren mit ihrer Familie im Hinterhaus der Prinsengracht 263 in Amsterdam versteckt hielt, ihrem Tagebuch bzw. ihrer fiktiven Freundin Kitty ihre Gefühle körperlicher Anziehung zum gleichen Geschlecht, etwa zu ihrer früheren Freundin Jacqueline van Maarsen, an:

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