Über falsche Kapitalismuskritik und antifaschistische Essentials
Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann
Montag, 2. März 2026, 19.00 Uhr, Hannover
UJZ Korn, Kornstraße 28-30
Eine Veranstaltung von SJD Die Falken Hannover
Wer davon überzeugt ist, dass die Arbeiterklasse zur Revolution berufen ist, muss die Frage beantworten, warum sie sie nicht macht. Letztlich kann er sich das nur damit erklären, dass die Arbeiter*innen ihre Interessen nicht erkennen, weil sie manipuliert und gespalten werden. Als logische Konsequenz drängt sich der Gedanke auf, das diejenigen, die das durchschauen, die Klasse auch führen müssen.
Dieser „marxistisch-leninistische“ Ansatz prägt dogmatische „rote Gruppen“, die sich auf Führergestalten wie Lenin, Stalin und Mao berufen. Als ob deren blutige Rezepte und die desaströsen Folgen ihrer Politik nicht bekannt wären. Als ob die „revolutionären“ Parolen der KPD der Weimarer Zeit nicht auf dramatische Weise an der Massenbasis der Nazis verpufft wären. Als ob die K-Gruppen der 70er Jahre nicht zehntausende Idealist*innen in Frust, Desillusionierung und politischer Abstinenz zurückgelassen hätten… als ob das alles nicht geschehen wäre, erleben wir heute eine völlig geschichtsvergessene Neuauflage des längst Gescheiterten.
Warum erhalten solche Konzepte trotz ihrer katastrophalen Misserfolge wieder Zulauf? Das hat nicht nur mit der Sehnsucht nach einfachen Antworten und schnellen Handlungsanleitungen zu tun. Es liegt auch am mangelnden Verständnis des Kapitalismus.
Arbeiterin sein und Revolution machen haben nämlich nichts miteinander zu tun. Die Arbeiterin muss ihre Arbeitskraft verkaufen. Kann sie das nicht, ist ihr Lebensunterhalt gefährdet. Dieser Zwang ist eine Brutstätte des Autoritarismus. Zumal in Krisenzeiten. „Wer setzt sich durch – ich oder du, wir oder sie?“ Arbeiterinnen sind nicht von Autoritären und Faschisten „verführt“, sie haben ihren eigenen Kopf. Die rechte Welle entspringt der menschenfeindlichen kapitalistischen Ellenbogenkonkurrenz – auch derjenigen der Arbeiterinnen.
So frustrierend die Einsicht auch sein mag, dass es nicht klappt mit der „revolutionären Arbeiterklasse“, so ist sie doch andererseits auch befreiend. Denn sie ermöglicht den Blick über den Tellerrand der Verhältnisse und eröffnet neue Perspektiven für Auswege aus dem Kapitalismus. Nur Kämpfe, die die Fesseln des Interesses von Arbeitskraftverkäufer*innen sprengen, können antikapitalistisch, antipatriarchal und antifaschistisch sein.
Was ist Kapital-ismus? Was ist Arbeit? Wie hängen falsche Kapitalismusanalyse und linker Autoritarismus zusammen? Warum ist der Satz „Hinter dem Faschismus steht das Kapital“ problematisch und wie kann er trotzdem zum Verständnis der autoritären Welle beitragen?
Der Referent entwickelt Essentials eines Antifaschismus, der aus eigenen Fehlern lernen, der autoritären Welle mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten und Perspektiven für eine bessere Welt aufzeigen kann.
Lothar Galow-Bergemann begann 1971 in der Krankenpflege zu arbeiten und war aktiver Gewerkschafter und Personalrat im Klinikum Mannheim und im Klinikum Stuttgart. Er hält die Überwindung des Kapitalismus für dringender denn je, kennt aber auch die Verirrungen linker Holzwege und glaubt, man sollte aus ihnen lernen. Er schreibt u.a. für Jungle World und Emma und Fritz