von Minh Schredle
Finanzkrise, Erderhitzung, Konkurrenz durch KI: In Krisenzeiten tun viele Medien so, als würden sie sich mit marxistischen Ideen auseinandersetzen. Wie wenig das mit Marx‘ real existierenden Schriften zu tun hat, ärgert den Stuttgarter Sozialwissenschaftler Peter Schadt.
Vielleicht ist es gut für die Totenruhe, dass Verstorbene nicht widersprechen können. Andernfalls wären manche Menschen nach ihrem Ableben nur noch mit Richtigstellungen beschäftigt. Karl Marx schien geahnt zu haben, wie sehr seine Thesen zu Interpretationen einladen, und so ist der Satz überliefert: „Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin.“ Allerdings wird es da schon ein wenig tückisch. Denn Marx hat den Spruch gar nicht selbst zu Papier gebracht, Friedrich Engels legte ihm das Zitat in mehreren Briefen an Sozialisten in den Mund.