Öko ist Deko

Wie es gelungen ist, aus einem Spartenprogramm für Freunde des einfachen und gesunden Lebens die Hauptshow zur besten Sendezeit in der „Überflussgesellschaft“ zu machen

Vortrag und Diskussion mit Marcus Hammerschmitt, Tübingen

Donnerstag, 25. April 2013, 19:30, Stuttgart, Wilhelmspalais, Konrad-Adenauer-Str. 2

Eine Veranstaltung von Wilhelm, das war nix! in Kooperation mit Emanzipation und Frieden

Der Kapitalismus ist ein Gewaltverhältnis – oder ein Bündel aus Gewaltverhältnissen – das seiner selbst nicht bewusst werden darf. Wie ein Schlafwandler gerät er in Gefahr zu stolpern, wenn er aufwacht. Daher seine Liebe zur Ideologie, dem notwendig falschen Bewusstsein als dem Traum des beweglichen, des handelnden Schläfers. Die Religion als Seufzer der bedrängten Kreatur ist dort wie eh und je aktuell, wo die Bedrängnis unmittelbar existenzielle Ausmaße erreicht. Nirgendwo wird inbrünstiger geglaubt als dort, wo eine Hoffnung auf reale Besserung nicht in Sicht ist. In den gemäßigten Breitengraden des Kapitalismus geht die Bedrängnis für die Schlafwandler auch von deren eigenem Gewissen aus: Ahnungen zur prinzipiellen Gewaltförmigkeit des Kapitalismus treffen auf die Hoffnung, durch richtige Dressur sei er, und also man selbst, zu zähmen. Das Christentum, jene jahrtausendealte Einübung in falsche Hoffnungen, überwacht so noch seine eigene Ablösung als Wächter an der Grenze zum Erwachen, und die aktuell wichtigste falsche Hoffnung formuliert der Ökologismus. Wie die Religion darf er durch und durch falsch und verlogen sein, wenn nur die Hoffnung bleibt; das erspart die Abschaffung des zugrundeliegenden Gewaltverhältnisses, und dieser Spareffekt, der die Nichtabschaffung des Gewaltverhältnisses zur Natur einschließt, ist der Hauptzweck der Übung.

Marcus Hammerschmitt ist Schriftsteller, Journalist und Fotograf und wohnt in Tübingen

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