Wie Gabor Steingart Bildung und Gesellschaft ökonomisiert
von Julian Bierwirth
James Carville, damals Chefstratege im Wahlkampf von Bill Clinton, ließ die zentralen Botschaften der Präsidentschaftskampagne gegen den amtierenden Präsidenten George H. W. Bush auf gut sichtbaren Schildern im Hauptquartier anbringen. Bis heute wird Clinton mit der eingängigsten dieser Parolen identifiziert: „The economy, stupid.“ Von dort aus trat der Satz eine erstaunliche Karriere an und gilt bis heute als einer der zentralen Talking Points des politischen Konservativismus, wenn es darum geht, Krisenprozesse spätkapitalistischer Gesellschaften zu thematisieren: Man habe die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft aus dem Blick verloren und müsse sie wieder ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken. Das gesellschaftliche Leben soll dafür stärker kommerzialisiert, individuelle Biografien enger an die Notwendigkeiten des Weltmarkts angepasst werden.
Dieses Credo treibt auch den Wirtschaftsjournalisten und Medienunternehmer Gabor Steingart an; er hat es als »Wirtschaft zuerst!« eingedeutscht. Der langjährige Chefredakteur und Herausgeber des Handelsblatts und Gründer des Online-Mediums The Pioneer veröffentlicht seit Jahren Bücher, in denen er den Abstieg der »deutschen Wirtschaftsmacht« konstatiert und den jeweiligen Regierungen Versagen attestiert.
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