von Nikolaus Gietinger
zuerst erschienen bei Disoposable Times
Adam Smiths berühmte Metapher der „unsichtbaren Hand des Marktes“ ist zu einem geflügelten Wort geworden. Wenn alle Menschen ihr rationales und privates Interesse verfolgen würden, so die Implikation, trüge jeder zum allgemeinen Wohl bei. Eine Auffassung, die von Karl Marx kritisiert wurde. Er wies daraufhin, dass diese Beziehung auch von der anderen Seite betrachtet werden kann: Durch die einzelnen voneinander isolierten Handlungen und dem Verfolgen des eigenen Interesses hemmen sich alle gegenseitig, und dadurch auch die Ziele der Gesellschaft.
Ein schlagendes Beispiel dafür wäre der motorisierte Individualverkehr, also vor allem das Auto. Auf den Straßen verfolgt jeder, isoliert von den anderen Verkehrsteilnehmer:innen, sein individuelles Ziel, um von A nach B zu kommen. Aus der Sicht des Einzelnen völlig rational.
Das Resultat dieser isolierten Tatsache ist jedoch alles andere als rational. Jeder kennt das Gefühl im Stau auf der Autobahn, im Berufsverkehr zu stecken oder einen Parkplatz suchen zu müssen. So breite Straßen, so viele Parkplätze und doch reicht es nie aus, immer stört irgendwas den reibungslosen Ablauf. Verkehrswissenschaftler:innen zerbrechen sich die Köpfe: Es werden mehr Straßen gebaut, sie werden breiter, länger, besser. Doch es hilft nichts: Der Stau wird immer länger. Weiterlesen