Widersprüche

Was kann Science Fiction heute leisten?

Marcus Hammerschmitt versucht sich an ein paar Antworten und liest aus einem unveröffentlichten Romanmanuskript.

Donnerstag, 28. Februar 2019, 19.30 Uhr, Stuttgart                                                      Stiftung Geißstraße 7

An der Science Fiction zerren derzeit verschiedene ideologische, kulturelle und stilistische Kräfte, und viele Autorinnen und Autoren schwanken zwischen widersprüchlichen Befindlichkeiten. Sie staunen darüber, dass die Realität mit Vorliebe die dümmsten und gefährlichsten SF-Ideen der Vergangenheit zu verwirklichen scheint. Auf diese Weise von der Wirklichkeit überholt zu werden, hat die Science Fiction kalt erwischt. Aber gleichzeitig wird die Utopie wieder attraktiver. All das Schreckliche, was uns umgibt und was man sich noch ausdenken kann, bringt auch Chancen mit, wie sie die Science Fiction lange nicht zu träumen wagte – im medizinischen, technologischen, sogar im gesellschaftlichen Bereich. Die Abschaffung der Lohnarbeit ist diskutabel geworden. Das Ende der Malaria scheint in Griffweite gerückt zu sein. Zusammen mit der Gefahr des ungebremsten Untergangs steht plötzlich wieder die Machbarkeit des Paradieses auf der Tagesordnung – wenn auch die Veteranen der SF über manchen naiven Plan nur den Kopf schütteln können. Weiterlesen

AntiBa – der Barbarei entgegentreten

Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Freitag, 25. Januar 2019, 20 Uhr, Hameln                                                               : freiraum Hameln, Walkemühle 1a

Seit fünf Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen Geflüchtete und wirkliche oder eingebildete MuslimInnen. Die AfD rückt immer weiter nach rechts und nimmt protofaschistische Züge an. Sie verliert deswegen nicht etwa an Zustimmung, sondern treibt die anderen Parteien vor sich her. Das funktioniert, weil auch deren Basis zu nicht geringen Teilen anfällig für derlei “Gedankengut“ ist. Weiterlesen

Audio: Gut gemeint reicht nicht. Zur Kritik der „Gemeinwohlökonomie“.

Warum man anders wirtschaften muss, das aber mit der Marktwirtschaft nicht geht.

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 12. Dezember 2018 in Trier 

Dass unsere gegenwärtige Art zu wirtschaften perspektivlos und letztlich selbstzerstörerisch ist, ist fast schon eine Binsenweisheit. Es mangelt nicht an Vorschlägen, wie dem zu entkommen sei. In aller Regel münden sie in Rezepten für eine „andere Politik“ und geben damit zu erkennen, dass sie keine Vorstellung von der Dominanz der Ökonomie haben. Nur die wenigsten machen sich auf die Suche nach einer anderen Wirtschaft. Christian Felbers Konzept einer „Gemeinwohlökonomie“ hebt sich insofern wohltuend von vielem ab. Allerdings verbleibt auch dieser Vorschlag im Gedankengefängnis der herrschenden Produktionsweise und wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Wer glaubt, aus dem schlechten Kapitalismus mithilfe von „Lobby-Registern“, „demokratischen Banken“ und „Gemeinwohlpunkten“ eine gute Marktwirtschaft machen zu können, muss scheitern. Weiterlesen

AntiBa – der Barbarei entgegentreten

Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 23. Januar 2019, 18 Uhr, Oldenburg                                                      Universität, Carl-von-Ossietzky Straße 9-11, W01 0-015

Eine Veranstaltung des AStA der Carl von Ossitzky Universität Oldenburg

Seit fünf Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen Geflüchtete und wirkliche oder eingebildete MuslimInnen. Die AfD rückt immer weiter nach rechts und nimmt protofaschistische Züge an. Sie verliert deswegen nicht etwa an Zustimmung, sondern treibt die anderen Parteien vor sich her. Das funktioniert, weil auch deren Basis zu nicht geringen Teilen anfällig für derlei “Gedankengut“ ist. Weiterlesen

Audio: Die digitale Gesellschaft

Von gläsernen Menschen, Beschäftigtendatenschutz und Rabattmarken

Vortrag von Torsten Weber

gehalten am 4. Dezember 2018 auf einer Veranstaltung von ver.di-Bezirk Stuttgart

– Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors –

In der Arbeitswelt, im Privatleben, in Staat und Gesellschaft ist die Digitalisierung nicht mehr wegzudenken. Was vor wenigen Jahren noch Science Fiction schien, ist heute Standard und führt nicht selten zu massiver Arbeitsverdichtung. Die Anforderungen an die Beschäftigten ändern sich. Gleichzeitig verändern sich Geschäftsmodelle weltweit in rasanter Geschwindigkeit.

Und während der europäische Gesetzgeber eine vereinheitlichte Datenschutzgrundlage geschaffen hat, geben immer mehr Menschen immer mehr Daten an anderer Stelle freiwillig preis. Weiterlesen

Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen

Vortrag und Diskussion mit Koschka Linkerhand

Donnerstag, 31. Januar 2019, 19.30 Uhr, Stuttgart                                              Laboratorium, Wagenburgstraße 147

Mit berechtigtem Schrecken stehen Feministinnen vor dem frauenfeindlichen Rechtsruck, der sich in vielen Ländern und in vielen Teilen der Gesellschaft abzeichnet. Offensichtlich ist es nötiger denn je, globale Perspektiven von Frauenunterdrückung und Frauensolidarität ins Auge zu fassen und das Geschlechterverhältnis in engem Zusammenhang mit den Produktionsverhältnissen zu analysieren. Hier kann auf den materialistischen Feminismus zurückgegriffen werden, den Theoretikerinnen seit Simone de Beauvoir erarbeitet haben. Das Patriarchat als ein Herrschaftsverhältnis zwischen Frauen und Männern dient dabei als zentrale Analysekategorie. Weiterlesen

Schön, dass uns die Arbeit ausgeht

Ein Plädoyer für massive Arbeitszeitverkürzung

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 16. Januar 2019, 19.30 Uhr, Sulzbach-Rosenberg                                       Buchhandlung Volkert, Neustadt 6, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Eine Veranstaltung von Punk e.V., Verein für Politik und Kunst mit Unterstützung der ver.di-Jugend Oberpfalz

Wenn ältere Leute davon erzählen, dass es einmal so etwas wie Vollbeschäftigung gab und die Aussicht, sich durch Arbeit lebenslang seinen Unterhalt zu sichern, so klingt das wie aus einer fernen, längst vergangenen Zeit. Opas Welt kehrt in der Tat nicht wieder. Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA  verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können. Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit. Doch nur den wenigsten war es vergönnt, dem Zwang zu lebenslanger Schufterei zu entfliehen. Das Schöne ist, dass das heute alle könnten. Denn Technologie und Wissenschaft ermöglichen uns, mit immer weniger Arbeit immer mehr Reichtum zu schaffen. Doch ausgerechnet jetzt sollen wir immer länger arbeiten. Weiterlesen

Gut gemeint reicht nicht. Zur Kritik der „Gemeinwohlökonomie“.

Warum man anders wirtschaften muss, das aber mit der Marktwirtschaft nicht geht.

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 12. Dezember 2018, 18 Uhr, Trier                                                                Universität Trier, B16

Eine Veranstaltung des Referats für Antirassismus und Antifaschismus im AStA der Universität Trier und des AStA der Universität Trier

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören.

Dass unsere gegenwärtige Art zu wirtschaften perspektivlos und letztlich selbstzerstörerisch ist, ist fast schon eine Binsenweisheit. Es mangelt nicht an Vorschlägen, wie dem zu entkommen sei. In aller Regel münden sie in Rezepten für eine „andere Politik“ und geben damit zu erkennen, dass sie keine Vorstellung von der Dominanz der Ökonomie haben. Nur die wenigsten machen sich auf die Suche nach einer anderen Wirtschaft. Christian Felbers Konzept einer „Gemeinwohlökonomie“ hebt sich insofern wohltuend von vielem ab. Allerdings verbleibt auch dieser Vorschlag im Gedankengefängnis der herrschenden Produktionsweise und wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Wer glaubt, aus dem schlechten Kapitalismus mithilfe von „Lobby-Registern“, „demokratischen Banken“ und „Gemeinwohlpunkten“ eine gute Marktwirtschaft machen zu können, muss scheitern. Weiterlesen

Audio: Antirassismus – Notwendigkeit, Misere, Feindbild

Warum gegenwärtiger Antirassismus Kritik verdient und warum diese Kritik immer wieder den eigenen Anspruch unterbietet.

Vortrag von Felix Riedel

gehalten am 8. November 2018 in Stuttgart

Der bürokratische Antirassismus versucht durch eindeutige Zeichen das äußerliche Bild einer offenen Gesellschaft herzustellen. Weil neben der Hautfarbe das Kopftuch als Signal für „gelungene Integration“ gilt, gehen sozialdemokratische und wertkonservative Politik für marktgerechte Bilder Bündnisse mit Islamisten ein. Die Widersprüche innerhalb der Minderheiten – Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie – werden ausgeblendet. Das gleiche gilt für den identitätspolitischen Antirassismus von Critical Whiteness-AktivistInnen. Auch hier zählen bürokratische Kategorien wie Bekenntnis, Hautfarbe, Privileg. Die universalen Menschenrechte werden aufgegeben, an ihre Stelle tritt ein kulturalistischer Wertepluralismus. Statt Reflexion und Analyse werden Betroffenheit und „Positionierung“ relevant. Dabei sind Schnittstellen von Antisemitismus und Antirassismus entstanden, die bei genauerem Hinsehen eine ältere Tradition fortsetzen. Die Kritik dieses bürokratisierten und seiner Gesellschaftskritik beraubten Antirassismus scheitert allerdings dort, wo sie im Umfeld der Neurechten die prinzipielle Notwendigkeit des Antirassismus leugnet. Weiterlesen

Kritische Männlichkeit

Eine theoretische Hinführung zu einer praktischen Perspektive

von Markus Textor

Zuerst veröffentlicht auf queerfem.de

Ein Gespenst geht um in progressiven Politkreisen – das Gespenst der kritischen Männlichkeit(1). Doch was ist überhaupt kritische Männlichkeit und warum ist sie so wichtig für den Kampf gegen Ungleichheitsverhältnisse? Bisweilen sind keine mir bekannten wissenschaftlichen Texte zum Thema kritische Männlichkeit erschienenen. Darüber hinaus gibt es auch wenige sonstige Materialien zum Thema. Gibt mensch den Begriff in eine Suchmaschine ein, werden Ergebnisse angezeigt, die auf Workshops, Vorträge oder sonstige Formate schließen lassen, bei denen die Thematik besprochen wird. Grundsätzlich, und vor allem in (queer-)feministischen, gendersensiblen, diskriminierungskritischen und anderen gesellschaftspolitischen und -kritischen Kontexten, erscheint allerdings der Eindruck, dass das Schlagwort kritische Männlichkeit bei einigen Menschen ein großes Interesse hervorruft(2). In diesem kleinen Aufsatz möchte ich vor allem die Theorie der „hegemonialen Männlichkeit“ (Connell 2015) vorstellen und anhand dieser versuchen zu verdeutlichen, wie kritische Männlichkeit sich gegen hegemoniale Männlichkeit positionieren kann. Der hier vorliegende Text ist also in seinem Aufbau ähnlich wie die Workshops, die ich(3) bisher zum Thema gehalten habe. Dieses Vorgehen ist mein persönlicher Vorschlag, um eine theoretisch fundierte Perspektive der kritischen Männlichkeit anzubieten. Weiterlesen

Antirassismus – Notwendigkeit, Misere, Feindbild

Warum gegenwärtiger Antirassismus Kritik verdient und warum diese Kritik immer wieder den eigenen Anspruch unterbietet.

Vortrag und Diskussion mit Felix Riedel

Donnerstag, 8. November 2018, 19.30 Uhr, Stuttgart
Rosis Pinte Schwabstr. 193 (Am Hölderlinplatz, Stuttgart West)

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören.

Der bürokratische Antirassismus versucht durch eindeutige Zeichen das äußerliche Bild einer offenen Gesellschaft herzustellen. Weil neben der Hautfarbe das Kopftuch als Signal für „gelungene Integration“ gilt, gehen sozialdemokratische und wertkonservative Politik für marktgerechte Bilder Bündnisse mit Islamisten ein. Die Widersprüche innerhalb der Minderheiten – Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie – werden ausgeblendet. Das gleiche gilt für den identitätspolitischen Antirassismus von Critical Whiteness-AktivistInnen. Auch hier zählen bürokratische Kategorien wie Bekenntnis, Hautfarbe, Privileg. Die universalen Menschenrechte werden aufgegeben, an ihre Stelle tritt ein kulturalistischer Wertepluralismus. Statt Reflexion und Analyse werden Betroffenheit und „Positionierung“ relevant. Dabei sind Schnittstellen von Antisemitismus und Antirassismus entstanden, die bei genauerem Hinsehen eine ältere Tradition fortsetzen. Die Kritik dieses bürokratisierten und seiner Gesellschaftskritik beraubten Antirassismus scheitert allerdings dort, wo sie im Umfeld der Neurechten die prinzipielle Notwendigkeit des Antirassismus leugnet. Weiterlesen

Der junge Bertolt Brecht und der Erste Weltkrieg

Vortrag und Diskussion mit Hermann Engster

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 18 Uhr, Stuttgart                                                     Universität Stuttgart, Keplerstr. 17, KII, Raum 17.11

 

Dieses Jahr ist das Gedenkjahr des Endes des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. 1915, im zweiten Kriegsjahr, schreibt der 17-jährige Gymnasiast Bertolt Brecht einen schwülstigen Hymnus auf Kaiser Wilhelm II.; bald ändert er jedoch seine Meinung und verfasst einen satirisch-frechen Besinnungsaufsatz über die Kriegsbegeisterung, dessentwegen er fast von der Schule geflogen wäre. Weiterlesen

Schön, dass uns die Arbeit ausgeht

Ein Plädoyer für massive Arbeitszeitverkürzung

Workshop mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 6. Oktober 2018, 16 Uhr, Bochum                                                    Goldkante, Alte Hattinger Straße 22, 44789 Bochum

im Rahmen des Seminars Keine Arbeit für Niemand! der Grünen Jugend NRW

Wenn ältere Leute davon erzählen, dass es einmal so etwas wie Vollbeschäftigung gab und die Aussicht, sich durch Arbeit lebenslang seinen Unterhalt zu sichern, so klingt das wie aus einer fernen, längst vergangenen Zeit. Opas Welt kehrt in der Tat nicht wieder. Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können. Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit. Weiterlesen

1968 – Erinnerungen und Reflexionen eines Zeitzeugen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 8. September 2018, 19 Uhr, Mönchengladbach                                   Ladenlokal, Eickener Straße 12, 41061 Mönchengladbach

Eine Veranstaltung von SJD-Die Falken KV Linker Niederrhein 

Mit Jahrgang 1953 wenigstens unter den 68ern noch einer der Jüngsten. Aufgewachsen in miefigen und verklemmten Adenauerzeiten, umgeben von autoritären Charakteren, Spießern und alten Nazis. Homo politicus seit dem Mord an Benno Ohnesorg. Explodiert, provoziert und rebelliert, als „Jugend, Zeitwende und Produktivität“ zusammenfielen. Begeistert von Marx, Marcuse und Mondlandung.                                                                                                               Bald darauf engagiert in Gewerkschaft, Friedensbewegung – und einer dogmatischen Partei. Fortschritte, Fehler und Frustrationen. Trotzdem: Sollen Rechte heute mit einem Wort beschreiben, was sie am meisten hassen, sagen sie: „1968!“ Ein gutes Gefühl.                                                                                                                           Weiterlesen

Was heißt Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus?

Workshop mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 22. September 2018, 9.15 Uhr bis 12.30 Uhr, Niederbeisheim Tagungshaus Mühlrain

im Rahmen des Krisis-Seminars: Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde

Der Vortrag kann mittlerweile HIER gehört werden.

Seit vier Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen Geflüchtete und wirkliche oder eingebildete MuslimInnen. Die AfD rückt immer weiter nach rechts und nimmt protofaschistische Züge an. Sie verliert deswegen nicht etwa an Zustimmung, sondern treibt die anderen Parteien vor sich her. Weiterlesen

1968 und der Diskurs des Mitgefühls: Der lange Marsch zur sozialen Inklusion

Vortrag von Andrei S. Markovits

Arthur F. Thurnau Professor, Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies, Professor of Political Science, Professor of Germanic Languages and Literatures, Professor of Sociology The University of Michigan, Ann Arbor

gehalten am 5. Juni 2018 in Stuttgart auf Einladung des Deutschen Literaturarchiv Marbach in der Stiftung Geißstraße7

[Wir veröffentlichen den Text mit freundlicher Genehmigung des Autors]

english version

– Meinem Freund und Kollegen MOISHE POSTONE (1942 – 2018) gewidmet –

Gott sei Dank haben wir das Dezimal-System. Denn diesem Umstand ist es zu verdanken, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf.

Das Zehnersystem ist eine faszinierende, kulturübergreifende Konvention. Ihr ist es geschuldet, dass wir Dinge in Zehner-Segmenten kategorisieren – Gehälter, Ausgaben, den Aktienmarkt, politische und sportliche Wettbewerbe, persönliche Zeitabschnitte ebenso wie politische und historische Epochen. Gleiches gilt für das Gedenken bestimmter Ereignisse: Wir sind es gewohnt, „runden“ Jahrestagen eine große Bedeutung beizumessen. Weiterlesen

1968 and The Discourse of Compassion: The Long March to Social Inclusion

Lecture by Andrei S. Markovits

Arthur F. Thurnau Professor, Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative, Politics and German Studies, Professor of Political Science, Professor of Germanic Languages and Literatures, Professor of Sociology The University of Michigan, Ann Arbor

held on the 5th of June 2018 in Stuttgart, Germany

[We are publishing this text with kind permission by the author]

Deutsche Version

– Dedicated to the memory of my friend and colleague MOISHE POSTONE             (1942 – 2018) –

Thank God for the dominance of the decimal system that has allowed me to come to speak to you today. It is merely due to this fascinating convention and transcultural habit as to how we humans categorize things in decanal segments — salaries, expenses, the stock market, political and sporting competitions, our ages (personal, political, historical) and, of course, the commemoration of events – that we accord certain “round anniversaries” such significance. Weiterlesen

Nicht immer leicht zu checken: Was ist Antisemitismus?

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 11. August 2018, 13 Uhr, Mittelhessen

im Rahmen des BASH Antifa Sommercamp 2018

Antisemitismus tritt in vielen Gewändern auf – in rechten, linken, muslimischen und solchen der vermeintlich „guten Mitte der Gesellschaft“. Als offener Judenhass ist er am leichtesten zu erkennen. Seine subtilen Formen sind hingegen viel weiter verbreitet. Die selbstgerechte deutsche Mehrheitsgesellschaft spricht schamlos von ihrer angeblichen „christlich-jüdischen Tradition“ und redet sich auf „importierten“ Antisemitismus heraus. Vom eigenen will sie nichts wissen. In Deutschland hat man schließlich gelernt, dass Antisemitismus schlecht ist. Verstanden hat man ihn trotzdem nicht. Dieser Zustand ermöglicht es, dass man gleichzeitig antisemitischen Denkmustern anhängen und davon überzeugt sein kann, nichts damit zu tun zu haben. Weiterlesen

Audio: Rassismus und Islamkritik

Interview mit Lothar Galow-Bergemann

Gruppe la:iz , Berlin, 9. Mai 2018

Zum Zusammenhang von kapitalistischer Krise und Sehnsucht nach bösen Schuldigen und guten Erlösern. Protofaschistischer Rechtspopulismus und Islamismus als verschiedene Facetten der selben weltweiten reaktionären Welle. Über die Notwendigkeit von Islamkritik und die Versäumnisse einer Linken, die sich in dem Maße selbst aufgibt, wie sie Religionskritik aufgibt. Über das verbreitete Ressentiment gegen Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden und warum dieses Ressentiment mehr ist als nur „normale“ Fremdenfeindlichkeit. Weshalb Islamismus und Djihadismus nicht verharmlost werden dürfen, aber die Gefahr eines neuen Faschismus in erster Linie aus der Mehrheitsgesellschaft erwächst. Weiterlesen