Gegen Freiheit, Demokratie und „die da oben“: Der Kampf der Wutbürger

Wie passen (Rechts-)Populismus, politischer Protest und der Glaube an Verschwörungstheorien zusammen?

Vortrag und Diskussion mit Laura Luise Hammel

Dienstag, 10. Oktober 2017, 18:00 Uhr, Stuttgart
Gewerkschaftshaus, Raum 3, Willi-Bleicher-Str. 20

Eine Veranstaltung von ver.di-Bezirk Stuttgart

Seit Oktober 2014 gehen bei Pegida in Dresden wöchentlich Menschen gegen eine vermeintliche Medienverschwörung, die sogenannte „Lügenpresse“, auf die Straße. In Stuttgart demonstrieren bei der „Demo für alle“ in regelmäßigen Abständen besorgte Eltern gegen „Genderwahn“ und „Frühsexualisierung“. Selbsternannte „Reichsbürger“ gründen Fantasie(könig)reiche und legen durch absurde Rechtsstreits mancherorts ganze Gemeindeverwaltungen lahm, weil sie die Bundesrepublik für einen nicht rechtmäßigen Staat halten, der in Wahrheit gar nicht existiere.
Aber auch innergesellschaftlich und medial wächst die Aufmerksamkeit für Verschwörungstheorien. Im Social Media-Zeitalter scheinen sich Verschwörungstheorien heute schneller zu verbreiten als je zuvor und hierdurch immer mehr Anhängerinnen und Anhänger zu finden.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuellen populistischen Parteien und Bewegungen in der Bundesrepublik und geht der Frage nach, warum gerade in diesen Bewegungen der Glaube an Verschwörungstheorien eine zentrale Stellung einnimmt, wie Verschwörungstheorien aber auch von etablierten politischen Akteuren genutzt werden um Anhängerinnen anzusprechen und Agenda Setting zu betreiben. Weiterlesen

Video: Podiumsdiskussion „Bye-bye Westen?“

Auf der Suche nach emanzipatorischen Konzepten gegen Rassismus, Nationalismus, Islamismus und Antisemitismus.

mit Ivo Bozic (Jungle World), Stefanie Kron (Rosa-Luxenburg-Stiftung), Jörn Schulz, (Jungle World). Moderation: Lothar Galow-Bergemann (Emanzipation und Frieden)

Samstag, 22. Juli 2017 im KOMMA Kultur Esslingen

Es ist beunruhigend, wenn es schon als beruhigend gilt, dass kaum mehr als ein Drittel der Wählerinnen und Wähler eines europäischen Landes für eine rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin stimmten. Sind bürgerliche Demokratie und kapitalistische Globalisierung Auslaufmodelle? Die Linke ist in der politischen Defensive. Wie können Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Islamismus bekämpft werden? Wir wollen über emanzipatorische Konzepte gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus diskutieren, die über die Verteidigung demokratischer Standards hinausgehen. Weiterlesen

Verschwörungsglaube, Populismus und Protest

von Laura Luise Hammel

erschienen in Politikum Heft 3-2017

Sie warnen vor den Gefahren durch Chemtrails und gehen gegen die Strippenzieher der Neuen Weltordnung auf die Straße. In den letzten Jahren beobachten Experten die Entstehung einer Vielzahl von Protestbewegungen, in denen eine starke politische Entfremdung mit dem Potential für populistische Vereinnahmung und dem Glauben an Verschwörungstheorien einherzugehen scheint. Haben wir es mit einem neuen Typ von Protestbewegung in der Bundesrepublik zu tun?

Berlin an einem Sonntag im März 2017: Auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor versammeln sich einige Dutzend Menschen zur „158. Mahnwache für den ersten Weltfrieden“. Sie begehen an diesem Tag das dreijährige Jubiläum ihrer Protestbewegung, der Mahnwachen für den Frieden. Weiterlesen

Sammelrezension: Vier Bücher zu Verschwörungstheorien

von Laura-Luise Hammel

erschienen in Politikum Heft 3-2017

  • Andreas Anton, Michael Schetsche u. Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS: Wiesbaden 2014, 351 S.
  • Michal Bilewicz, Aleksandra Cichocka u. Wiktor Soral (Hrsg.): The Psychology of Conspiracy. Routledge: London 2015, 203 S.
  • Karl Hepfer: Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft. Transcript: Bielefeld 2015, 189 S.
  • John David Seidler: Die Verschwörung der Massenmedien. Eine Kulturgeschichte vom Buchhändler-Komplott bis zur Lügenpresse. Transcript: Bielefeld 2916, 368 S.

Verschwörungstheorien sind überall, und das nicht gerade erst seit dem Aufkommen des Web 2.0 und seiner Sozialen Netzwerke. Sie begegnen uns in den verschiedensten thematischen, historischen und geographischen Kontexten und haben längst Einzug in unsere Alltagskultur gehalten, indem sie uns in ihrer literarischen oder filmischen Form unterhalten. Manche Forscher sehen in ihnen sogar eine anthropologische Konstante der Menschheitsgeschichte. Weiterlesen

Audio: Religionskritik, Diskriminierung und Emanzipation. Anmerkungen zur Islamdebatte.

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 12. Mai 2017 in Bremen

Wie der weltweit anschwellende Autoritarismus und das wachsende Gewicht von Religionen miteinander korrespondieren. Warum Menschen vor Diskriminierung zu schützen sind, aber die Kritik einer Religion keine Diskriminierung von Menschen ist. Wie Gläubige ihre Heiligen Schriften nach Gusto auslegen, aber warum das kein Sprechverbot über den Islam rechtfertigt. Warum viele Linke über „Köln“ nicht reden konnten und wie das mit ihrer entsorgten Religionskritik zusammenhängt. Wie eng verwandt der präfaschistische Rechtspopulismus und der Islamismus miteinander sind und warum es reaktionär ist, wahlweise den einen oder den anderen zu verharmlosen. Warum djihadistischer Terror mit dem Islam zu tun hat – und mit der kapitalistischen Moderne. Und warum Religionskritik und Kritik der politischen Ökonomie zusammenkommen müssen, um jeder Barbarei entgegentreten zu können. Weiterlesen

Demokratie oder Volksherrschaft?

Warum die Verhältnisse nicht besser werden, wenn das Ressentiment mehrheitsfähig ist.

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Dienstag, 11. Juli 2017, 20.30 Uhr, Mannheim                                                               JUZ, Käthe-Kollwitz-Str. 2-4

Eine Veranstaltung  des AK Antifa Mannheim

Versteht man „Demokratie“ lediglich im Wortsinne, nämlich als „die Herrschaft des Volkes“, so muss einem davor grausen. Schließlich hätte dann der Nationalsozialismus, der das Fühlen, Denken und Wollen einer großen Mehrheit der Deutschen repräsentierte, das Prädikat demokratisch verdient. Der leidlich funktionierende demokratische Staat aber zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er unveräußerliche Rechte von Einzelnen und Minderheiten garantiert.
Gegen die Krise der Demokratie wird mehr „direkte Demokratie“ gefordert. Doch ob „Ausländer“ rausgeworfen, Minarettbauten verboten oder Schulreformen verhindert werden sollen – bessere Verhältnisse schafft die „Stimme des Volkes“ kaum. Solange die selbstgerechte Gemeinschaft der „ehrlich Arbeitenden und Betrogenen“ ihr Mütchen an vermeintlich „Faulen“ oder „Gierigen“ kühlen mag und Ressentiment landauf landab mit Kritik verwechselt wird, ist „dem Volk“ grundsätzlich zu misstrauen. Weiterlesen

25 Jahre Rostock-Lichtenhagen: Kontext, Dimensionen und Folgen rassistischer Gewalt

Vortrag und Diskussion mit Thomas Prenzel

Donnerstag, 6. Juli, 19.30 Uhr, Stuttgart                                                                       Geißstr. 7

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Würtemberg und der Stiftung Geißstr.7

Die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 gelten als die massivsten rassistischen Ausschreitungen oder gar das größte Pogrom der deutschen Nachkriegsgeschichte: Tagelang wurden die Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft und eines Wohnheims für vietnamesische Vertragsarbeiter mit Steinen und Brandsätzen angegriffen, während Tausende ihrer Nachbarn Beifall klatschten. Nachdem die Polizei sich auf dem Höhepunkt der Gewalt zurückgezogen hatte, entgingen mehr als 100 Menschen in dem brennenden Haus nur knapp dem Tod in den Flammen. Der Eskalation vorausgegangen war ein anwachsender Rassismus in den Medien und der Politik. Ihr folgte nicht nur eine Welle rechter Gewalt, sondern auch die weitgehende Einschränkung des Grundrechts auf Asyl. Weiterlesen

Audio: Die Renaissance des Nationalen – reaktionär, menschenfeindlich und kriegstreiberisch

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 8. Mai 2017 in Stuttgart

 

Innerhalb weniger Jahre traten weltweit menschenfeindliche Denk- und Verhaltensweisen zutage – in einem Ausmaß, das man lange nicht für möglich gehalten hätte. Millionen lassen sich von autoritären, rassistischen, antisemitischen, sexistischen und homophoben Gefühlen leiten. Sie folgen autoritären FührerInnen und finden diese nicht zuletzt wegen ihres offenen und aggressiven Nationalismus attraktiv. Spätestens die so genannte „Flüchtlingskrise“ offenbarte, dass sich auch in Deutschland erschreckend viele nach nationaler Abschottung und geschlossenen Grenzen sehnen.

Nicht zufällig geschieht das alles vor dem Hintergrund einer globalen Krise der Kapitalverwertung, die seit 2008 nicht endet. Weltweit greifen Perspektivlosigkeit für viele Menschen und Abstiegsängste um sich. Doch die Vorstellung, man könne die Krise mit Nationalismus überwinden, gleicht dem Glauben, ein Feuer ließe sich mit Öl löschen. Der weltweit anschwellende Nationalismus löst kein einziges Problem, ganz im Gegenteil. Er verstärkt die ökonomische Krise, befördert Hass und niedere Instinkte und untergräbt Humanität und Menschenrecht. Und er erhöht die Kriegsgefahr. Weiterlesen

Der Antikapitalismus der Nazis

Oberflächlich, reaktionär – und manchen näher, als sie meinen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 12. Juni 2017, 20 Uhr, Bamberg                                                                   Balthasargäßchen 1

Eine Veranstaltung der Studierendenvertretung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Rahmen des festival contre le racisme

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als viele glauben wollen, war das schon immer mehr als Demagogie, sondern durchaus ernst gemeint. Zentral für ihren Antikapitalismus sind der positive Bezug auf „Volk“, „Nation“ und „Arbeit“, der eingebildete Gegensatz zwischen einem guten „schaffenden“ und einem schlechten „raffenden“ Kapital sowie die Affirmation des Kampfes „der ehrlich Arbeitenden gegen die Raffgierigen“. Eine national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte dieses Programm schon einmal recht weitgehend verwirklicht: „Arbeit macht frei“ stand nicht zufällig über dem Tor von Auschwitz.

Heute verquicken nicht nur erklärte Nazis, sondern auch präfaschistische „Rechtspopulisten“ wieder gerne die Begriffe „national“ und „sozial“. Sie erhoffen sich dafür nicht ohne Grund Sympathien aus großen Teilen der Bevölkerung, die sich zwar soziale Verbesserungen wünschen, „aber nur für Deutsche“. Weiterlesen

Die Renaissance des Nationalen – reaktionär, menschenfeindlich und kriegstreiberisch

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 8. Mai 2017, 19:00 Uhr, Stuttgart
Gewerkschaftshaus, Raum 3, Willi-Bleicher-Str. 20

Eine Veranstaltung von ver.di Bezirk Stuttgart

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören.

Innerhalb weniger Jahre traten weltweit menschenfeindliche Denk- und Verhaltensweisen zutage – in einem Ausmaß, das man lange nicht für möglich gehalten hätte. Millionen lassen sich von autoritären, rassistischen, antisemitischen, sexistischen und homophoben Gefühlen leiten. Sie folgen autoritären FührerInnen und finden diese nicht zuletzt wegen ihres offenen und aggressiven Nationalismus attraktiv. Spätestens die so genannte „Flüchtlingskrise“ offenbarte, dass sich auch in Deutschland erschreckend viele nach nationaler Abschottung und geschlossenen Grenzen sehnen.

Nicht zufällig geschieht das alles vor dem Hintergrund einer globalen Krise der Kapitalverwertung, die seit 2008 nicht endet. Weltweit greifen Perspektivlosigkeit für viele Menschen und Abstiegsängste um sich. Doch die Vorstellung, man könne die Krise mit Nationalismus überwinden, gleicht dem Glauben, ein Feuer ließe sich mit Öl löschen. Der weltweit anschwellende Nationalismus löst kein einziges Problem, ganz im Gegenteil. Er verstärkt die ökonomische Krise, befördert Hass und niedere Instinkte und untergräbt Humanität und Menschenrecht. Und er erhöht die Kriegsgefahr. Weiterlesen

Audio: Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.

Sama Maani liest ein Kapitel aus seinem gleichnamigen Buch:

„Warum wir über den Islam nicht reden können“

am 28. März 2017 in Stuttgart

Heute scheint auch der Weltoffene, wenn es um Fremde geht, nicht ohne ausdrückliche Betonung von deren Zugehörigkeit zu einer ‚anderen Kultur‘ auszukommen. Mehr noch: Als Mensch mit Migrationshintergrund wird der Fremde seine Zugehörigkeit zu einer ‚fremden Kultur‘ auch in den Folgegenerationen nicht los. Welches Konzept von Gesellschaft steckt hinter der Inflation des Begriffs ‚Kultur‘ in der aktuellen Debatte
(‚fremde Kultur‘, ‚unsere Kultur‘, ‚Leitkultur‘, ‚Multikulturalität‘ etc.)? Welche Art Unterschiede sollen ‚kulturelle‘ Unterschiede denn sein? Gelten für Angehörige ‚anderer
Kulturen‘ andere Maßstäbe hinsichtlich Demokratie, Freiheit und Recht?
Der Referent plädiert eindrücklich dafür, derartigen ‚Kultur’zuschreibungen den Respekt zu verweigern. Sama Maani ist mit mit (psycho-)analytisch geschultem Blick und treffenden Formulierungen um klärende Zuspitzung bemüht. Weiterlesen

Audio: Die AfD und der Antisemitismus – eine neue Herausforderung?

Vortrag von Bodo Kahmann

gehalten am 23. Februar 2017 in Stuttgart  

 

Der politische Aufstieg der „Alternative für Deutschland“ (AfD) könnte den Sonderstatus des bundesdeutschen Parteiensystems in Europa, in dem es bisher keine erfolgreiche rechte Partei gegeben hat, beenden. Große Aufmerksamkeit erregten in den letzten Jahren die Annäherungs- und Vereinnahmungsversuche anderer Rechtsparteien Europas gegenüber Israel und jüdischen Organisationen; zugleich ließ sich an ihren Mobilisierungskampagnen und Wahlkämpfen beobachten, dass der Antisemitismus hinter den Themen Islam, Einwanderung und nationale Identität zurückgetreten ist. Weiterlesen

Audio: Warum Nazis gegen den Kapitalismus sind und der präfaschistische Rechtspopulismus sein soziales Herz entdeckt

Lothar Galow-Bergemann im Gespräch mit Radio Corax

10. März 2017

 

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als Linke glauben wollen, ist das mehr als Demagogie. Die national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hieß nicht zufällig so. Dass sich ihre Volksgemeinschaft hervorragend mit funktionierender Kapitalverwertung vertrug, verweist auf das grundlegende Problem populärer „Kapitalismuskritik“ damals wie heute: Ein oberflächliches und personalisierendes Verständnis von Kapitalismus, das die Systemlogik der Kapitalverwertung nicht begriffen hat. Das war nie ein Alleinstellungsmerkmal der Rechten und ist auch heute weit verbreitet, nicht zuletzt unter Linken. Deren gute Absicht, die AfD des Neoliberalismus zu bezichtigen, könnte schon bald ins Leere laufen. Denn große Teile der Bevölkerung wünschen sich zwar soziale Verbesserungen, „aber nur für Deutsche“. Und präfaschistische RechtspopulistInnen entdecken zunehmend ihr soziales Herz. Die Kombination aus „national“ und „sozial“ wird nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland immer attraktiver. Alte linke Rezepte taugen immer weniger. Weiterlesen

Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.

Autorenlesung und Diskussion mit Sama Maani

Dienstag, 28. März 2017, 19.30 Uhr, Stuttgart                                                 Laboratorium, Wagenburgstraße 147, 70186 Stuttgart

Sama Maani liest aus seinem Buch „Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten und die eigene auch nicht.“ Anschließend Diskussion.

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören.

Heute scheint auch der Weltoffene, wenn es um Fremde geht, nicht ohne ausdrückliche Betonung von deren Zugehörigkeit zu einer ‚anderen Kultur‘ auszukommen. Mehr noch: Als Mensch mit Migrationshintergrund wird der Fremde seine Zugehörigkeit zu einer ‚fremden Kultur‘ auch in den Folgegenerationen nicht los. Welches Konzept von Gesellschaft steckt hinter der Inflation des Begriffs ‚Kultur‘ in der aktuellen Debatte (‚fremde Kultur‘, ‚unsere Kultur‘, ‚Leitkultur‘, ‚Multikulturalität‘ etc.)? Weiterlesen

Zwei Quellen und Bestandteile des modernen Antisemitismus

Workshop mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 4. März 2017, 14.00 Uhr, Kassel
Campus Center der Universität Kassel, Moritzstraße 18

im Rahmen der 57. Mitgliederversammlung des fzs – freier zusammenschluss von studentInnenschaften

Wie wenig der Nationalsozialismus entgegen allen Beteuerungen aufgearbeitet ist, zeigt sich nirgends deutlicher als im völligen Unverständnis des Antisemitismus, von dem man eigentlich nur weiß, dass er irgendwie schlecht ist. Hätte man ihn hingegen begriffen, müsste ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus, der von „den Gierigen, die uns alle aussaugen“ phantasiert, auf entschiedenen Widerstand stoßen. Doch ganz im Gegenteil, seit Beginn der Krise 2008 grassiert er. Auch hinter der beliebten „Israelkritik“ verbirgt sich meist alter Antisemitismus im neuen Gewand. Der Referent wirft einen Blick auf den Antisemitismus jenseits herrschender Gewissheiten und zieht unbequeme Schlüsse, die zur Diskussion einladen.

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Der Antikapitalismus der Nazis

Oberflächlich, reaktionär – und manchen näher, als sie meinen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 13. März 2017, 19.00 Uhr, Halle                                                                          Universität Halle, Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9

Eine Veranstaltung von alv. Alternatives Vorlesungsverzeichnis

Ein Interview aus Anlass des Vortrags ist HIER zu hören

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als viele glauben wollen, war das schon immer mehr als Demagogie, sondern durchaus ernst gemeint. Zentral für ihren Antikapitalismus sind der positive Bezug auf „Volk“, „Nation“ und „Arbeit“, der eingebildete Gegensatz zwischen einem guten „schaffenden“ und einem schlechten „raffenden“ Kapital sowie die Affirmation des Kampfes „der ehrlich Arbeitenden gegen die Raffgierigen“. Eine national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte dieses Programm schon einmal recht weitgehend verwirklicht: „Arbeit macht frei“ stand nicht zufällig über dem Tor von Auschwitz.

Heute verquicken nicht nur erklärte Nazis, sondern auch präfaschistische „Rechtspopulisten“ wieder gerne die Begriffe „national“ und „sozial“. Sie erhoffen sich dafür nicht ohne Grund Sympathien aus großen Teilen der Bevölkerung, die sich zwar soziale Verbesserungen wünschen, „aber nur für Deutsche“. Weiterlesen

Audio: Eine Welt voller Untertanen

Ein Überblick über die Theorie des autoritären Charakters

Vortrag von Jens Benicke

gehalten am 19. Januar 2017 in Stuttgart 

Weltweit befinden sich autoritäre Bewegungen auf dem Vormarsch; ob Islamismus, autokratische Staatsmänner oder sog. „rechtspopulistische“ Parteien. Liberale, Linke und Wissenschaft stehen diesem Ansturm hilflos gegenüber und fragen sich, wie sich diese erschreckenden Entwicklungen erklären lassen. Ihre altgedienten Gegenstrategien, wie Aufklärung, Skandalisierung oder Bildung laufen angesichts von Faktenresistenz und Verschwörungswahn ins Leere. Hier könnte ein Rückblick auf die Theorie der Autoritären Charakterstruktur, wie sie in erster Linie von der Kritischen Theorie erarbeitet wurde, hilfreich sein. Von Wissenschaft und Medien als „längst widerlegt und veraltet“ ad acta gelegt, bietet dieser Ansatz die Möglichkeit den grassierenden Wahnsinn auf (massen-)psychologischer und materialistischer Grundlage zu verstehen. Der Vortrag will einen kurzen Überblick über das Konzept der autoritären Persönlichkeiten bieten und eine Diskussion über deren Aktualität anstoßen. Weiterlesen

Diskussion: Zum Aufstieg und aktueller Stärke der AfD

Podiumsdiskussion, u.a. mit Lothar Galow-Bergemann

Freitag, 10. Februar 2017, 19.30 Uhr, Kiel                                                                Christian-Albrechts-Universität, Olshausenstr. 75, Gebäude: OS75

im Rahmen der Landesweiten Aktionskonferenz „Aufstehen gegen Rasssimus“ Schleswig-Holstein

Aus der Einladung von Aufstehen gegen Rassismus Schleswig-Holstein:                     „Wir stehen für eine offene und gerechte Gesellschaft. Wir lassen nicht zu, dass Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Unser Ziel ist es, den Rassist_innen in Schleswig-Holstein in diesen Wahlkämpfen entschieden entgegenzutreten. Von Flensburg bis Geesthacht, von Westerhever bis Lübeck werden wir aufstehen, wenn Rassist_innen ihre Stimme erheben.
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Die AfD und der Antisemitismus – eine neue Herausforderung?

Vortrag und Diskussion mit Bodo Kahmann

Donnerstag, 23. Februar 2017, 19.30 Uhr, Stuttgart                                                Hotel Wartburg, Lange Straße 49

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören

Der politische Aufstieg der „Alternative für Deutschland“ (AfD) könnte den Sonderstatus des bundesdeutschen Parteiensystems in Europa, in dem es bisher keine erfolgreiche rechte Partei gegeben hat, beenden. Große Aufmerksamkeit erregten in den letzten Jahren die Annäherungs- und Vereinnahmungsversuche anderer Rechtsparteien Europas gegenüber Israel und jüdischen Organisationen; zugleich ließ sich an ihren Mobilisierungskampagnen und Wahlkämpfen beobachten, dass der Antisemitismus hinter den Themen Islam, Einwanderung und nationale Identität zurückgetreten ist. Weiterlesen

Audio: Von Heuschreckenkampagnen zu AfD-Hochburgen

Warum man nicht mit problematischen Bildern gegen soziale Zumutungen kämpfen sollte.

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 01. Dezember 2016 in Freiburg

Vor zehn Jahren engagierten sich viele Leute in Freiburg gegen den beabsichtigten Verkauf tausender städtischer Wohnungen an einen privaten Investor. Die Aussicht auf massive Mieterhöhungen und Kündigungen mündete in eine breite Protestbewegung, an deren Ende ein erfolgreicher Bürgerentscheid gegen den Verkauf stand. Bis heute blieben die Wohnungen städtisch. Ein schöner Erfolg. So weit, so gut? Leider nein.

Denn ein Gutteil der bundesweiten Aufmerksamkeit verdankte die Kampagne den Bildern mit den durchgestrichenen Heuschrecken, die monatelang ganze Straßenzüge und Stadtteile schmückten. Der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hatte kurz zuvor gegen „verantwortungslose Heuschreckenschwärme“ gewettert und es schien, als habe fast eine ganze Stadt nur auf dieses Stichwort gewartet. Von nun an wähnte man sich in einem verzweifelten Abwehrkampf gegen einen bedrohlichen Schwarm gieriger und bösartiger Ungeheuer, die über die beschauliche Stadt am Fuße des Schwarzwalds herfielen und sie mitsamt ihren ehrlichen und arbeitsamen BürgerInnen innerhalb kürzester Zeit kahl fressen wollten. Dass man diese üblen Schädlinge ausgestrichen und vernichtet sehen wollte, war weitgehend Konsens in der Stadt.

Dort, wo die Kampagne damals am stärksten präsent war, hat die AfD in Freiburg heute den höchsten Wähleranteil. Weiterlesen