Die ewig gleichen Rituale haben ausgedient. Stellen wir uns der Wirklichkeit – Rede zum 1. Mai 2022

von Lothar Galow-Bergemann

gehalten in Siegen

Wie sich Gesellschaft, Gewerkschaft, Friedensbewegung und Linke ändern müssen

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Revolution für das Leben

Buchvorstellung und Diskussion mit Eva von Redecker

Moderation: Fabienne Fecht

Donnerstag, 21. Juli 2022, 19:30 – 21:00 Uhr, Online

(Die Zugangsdaten werden rechtzeitig hier eingestellt)

Eine Veranstaltung in Kooperation von Friedrich-Ebert-Stiftung Baden-Württemberg, und Förderverein Emanzipation und Frieden e.V.

Krieg, Klimakatastrophe – die Zukunft wirkt nicht gerade einladend. Trotzdem gibt es in den letzten Jahren neue und hoffnungsvolle soziale Kämpfe. Der Vortrag geht auf Klimakativismus, die Black Lives Matter Bewegung und den Feminismus (insbesondere in Lateinamerika) ein. Trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte eint diese Bewegungen der utopische Bezug auf die Kategorie “Leben”. Sie protestieren gegen eine bestimmte Form der Herrschaft, nämlich die “Sachherrschaft”, die Teile des Lebens zur Sache degradiert und der Zerstörung preisgibt. Damit eröffnen sie zumindest die Möglichkeit einer bewohnbaren Zukunft.

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Audio: „Wieder einmal jüdische Hände…“ – Antisemitismus in Debatten um Abtreibung

Online – Vortrag von Paula Kreutzmann

gehalten am 21. April 2022

1931 wurden in Stuttgart zwei Ärzt*innen aufgrund des §218 verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wurde, gewerbsmäßig Abtreibungen durchzuführen. Die Berichterstattung zu diesem Fall überschlug sich, und einige konservative bis nationalsozialistische Blätter ließen es sich nicht nehmen, das sozialpolitische Engagement der beiden Mediziner*innen mit ihrem (vermeintlichen) Judentum zu verknüpfen. Die Folge waren antisemitische Artikel und diffamierende Darstellungen von Friedrich Wolf und Else Kienle als „jüdische Abtreiber“.

Welche ideologischen Überschneidungen von Antisemitismus und Antifeminismus werden in dem Fall der beiden Ärzt*innen deutlich? Wie antisemitisch ist die gegenwärtige Anti-Abtreibungsbewegung? Nah an den Quellen von damals und heute, gibt der Vortrag Antworten auf diese Fragen.

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Wie groß muss die Krise noch werden, damit wir verstehen?

Wie sich Gesellschaft, Gewerkschaft, Friedensbewegung und Linke ändern müssen

von Lothar Galow-Bergemann

Rede auf der Kundgebung „Heraus zum Roten 1.Mai“ in Siegen, 1. Mai 2022

Was wir zur Zeit erleben, macht Angst. Eine Krise jagt die andere. Was wird aus der Welt? Was wird aus uns? Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Man muss kühlen Kopf bewahren und die Dinge analysieren. Wir hier sind uns alle einig: Es braucht eine grundlegende gesellschaftliche und politische Wende, weltweit.

Aber in vielen wichtigen Fragen sind wir uns nicht einig. Ich möchte deswegen über ein paar Dinge in der Linken und in den Gewerkschaften sprechen, die aus meiner Sicht anders werden müssen. Versteht es als Diskussionsangebot. Und weil man das ja immer dazu sagen muss: Mit der Linken meine ich nur nebenbei die Partei gleichen Namens, ich meine die Linke als gesellschaftspolitische Strömung.

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„Wieder einmal jüdische Hände…“ – Antisemitismus in Debatten um Abtreibung

Vortrag und Diskussion mit Paula Kreutzmann

Donnerstag, 21. April 2022, 19.30 Uhr, Online

Moderation: Franziska Sander

  • Der Vortrag ist mittlerweile auch HIER zu hören und HIER zu sehen

1931 wurden in Stuttgart zwei Ärzt*innen aufgrund des §218 verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wurde, gewerbsmäßig Abtreibungen durchzuführen. Die Berichterstattung zu diesem Fall überschlug sich, und einige konservative bis nationalsozialistische Blätter ließen es sich nicht nehmen, das sozialpolitische Engagement der beiden Mediziner*innen mit ihrem (vermeintlichen) Judentum zu verknüpfen. Die Folge waren antisemitische Artikel und diffamierende Darstellungen von Friedrich Wolf und Else Kienle als „jüdische Abtreiber“.

Welche ideologischen Überschneidungen von Antisemitismus und Antifeminismus werden in dem Fall der beiden Ärzt*innen deutlich? Wie antisemitisch ist die gegenwärtige Anti-Abtreibungsbewegung? Nah an den Quellen von damals und heute, gibt der Vortrag Antworten auf diese Fragen.

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Toxische Männlichkeit: Ein kritischer Begriff für das Patriarchat?

Mit dem Begriff der toxischen Männlichkeit diskutiert inzwischen eine breite Öffentlichkeit über destruktive männliche Verhaltensweisen. Das Konzept bleibt jedoch individualistisch und es fehlt ihm an gesellschaftspolitischer Schärfe. Bieten sich dennoch Anknüpfungspunkte für die feministische Bewegung?

von Markus Textor

zuerst erschienen in iz3w Ausgabe 387 Nov/Dez 2021

Manchmal sorgt bereits eine kleine Broschüre für großen Wirbel. Als die American Psychological Association 2019 einen Ratgeber über die »Psychologische Arbeit mit Jungen und Männern« veröffentlichte, in dem sie vor den negativen psychischen Folgen »traditioneller Männlichkeit« warnte, ging ein Aufschrei durch die konservative Presselandschaft. Ohne männliche Aggression und Mut, meinte etwa ein Kommentator des US-Fernsehsenders Fox News, würde die Menschheit noch in Höhlen leben. Allen Abwehrreaktionen zu trotz zeigt die Diskussion, dass es das Thema toxische Männlichkeit in die breite Öffentlichkeit geschafft hat. Es geht um gefährliche, gewalttätige oder eben traditionelle Verhaltensweisen, mit denen Männer sich und anderen schaden. Wie sich das genau äußert und wem es schadet, bleibt allerdings oft uneindeutig. Ebenso unklar ist, wie sich der unpräzise Begriff für politische Veränderung heranziehen lässt.

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Die Gretchenfrage neu gestellt

Über das Verhältnis von Kapitalismus, Religion und Religionskritik im 21. Jahrhundert

Mit Texten von Julian Bierwirth, Lothar Galow-Bergemann, Karl-Heinz Lewed, Ernst Lohoff, Peter Samol und Norbert Trenkle

Eine Veröffentlichung von krisis – Kritik der Warengesellschaft

Download als PDF Bestellen als Book on Demand (möglich ab Mitte Januar 2022) bei krisisweb ÄT yahoo.de

Direktlink zu Lothar Galow-Bergemann, Du sollst (k)einen anderen Gott haben neben mir. Thesen zum Verhältnis von Religion und Moderne

Vorwort der Krisis-Redaktion:

In seinem Faust lässt Goethe Gretchen ihren Verehrer fragen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ 200 Jahre später ist die berühmte Gretchenfrage immer noch – oder wieder einmal – von hoher gesellschaftlicher Aktualität. Als Krisensymptom ebenso wie als Teil der treibenden Kräfte weltgesellschaftlicher Desintegration spielen evangelikale, islamistische und sonstige Fundamentalismen sowie esoterische Strömungen eine fatale Rolle. Wer eine emanzipative Gegenperspektive formulieren will, kommt deshalb nicht umhin, diese Entwicklung kritisch einzuordnen und sich zu ihr zu positionieren. Die Auseinandersetzung mit den neoreligiösen Tendenzen führen wir schon seit längerer Zeit. Bereits im Jahr 2008 erschien eine Ausgabe der Krisis (Nummer 32, damals noch im klassischen Buchformat) zum Schwerpunkt Kreuzzug und Jihad, die sich mit dem „Religionismus“ (Ernst Lohoff) im Allgemeinen und dem Islamismus im Besonderen sowie mit dem Kulturkampf der „westlichen Werte“ beschäftigte. Es folgte eine ganze Reihe von weiteren Texten zu diesen Themen, die allesamt auf unserer Webseite zu finden sind. Diese Publikationen gingen und gehen teilweise einher mit theoretischen Kontroversen über den Charakter der Neoreligiosität. Während die einen darin ein (post)modernes Phänomen erkennen und den Bruch gegenüber traditionellen religiösen Vorstellungen betonen, sehen andere eher Kontinuitäten gegenüber der Vormoderne.

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Du sollst (k)einen anderen Gott haben neben mir

Thesen zum Verhältnis von Religion und Moderne

von Lothar Galow-Bergemann

Zuerst erschienen bei krisis – Kritik der Warengesellschaft.

Dieser überarbeitete Text beruht auf einem Zoom-Vortrag vom 11. Juni 2021, der hier einsehbar ist (ab der Zeitmarke 47:50).

1. Modern sein kann auch, was vor der Moderne entstand

Wann die Sache mit dem Patriarchat anfing, ist ungeklärt. Klar ist, dass es weit vor der kapitalistischen Moderne war. Sein Kern ist die hierarchische Spaltung in superiore Männlichkeit und inferiore Weiblichkeit. Abgesehen davon ist es äußerst anpassungs-, überlebens- und modernisierungsfähig. Entstanden als Herrschaft des allmächtigen Clanchefs, der über Leben und Tod entscheidet – und bis heute noch nicht einmal insoweit wirklich überwunden -, vermochte es sich in der Moderne sogar in der Logik des Kapitals einzunisten: als Abspaltung des Werts von seiner unverwertbaren, gleichwohl notwendigen und als weiblich konnotierten Rückseite. Während sein rein äußerliches Gewaltverhältnis in vielerlei Form auch in der Moderne weiterbesteht, wandelte sich das Patriarchat gleichzeitig dem Warenfetisch an und transformierte sich in eine gesellschaftliche Realität, die praktisch den Dingen selbst inhärent ist. Warenproduzierendes Patriarchat ist ein anderes, treffenderes Wort für Kapitalismus. Das uralte Patriarchat ist quicklebendig in altem und in modernem Gewand. Es ist nicht nur kompatibel mit der Moderne, es strukturiert sie auch.

Religionen werden, wie von jeder anderen Gesellschaftsform, auch von der kapitalistischen Moderne geprägt und modifiziert. Im Kern bleiben sie, was sie immer waren: menschengemachte „höhere Mächte“. Als Welterklärungen und -anschauungen stiften sie Identität und soziale Bindekraft und beruhen auf Glauben und Nichtglauben. Glauben an höhere Mächte, die über dem Menschen stehen und denen er sich vor und sogar noch nach seinem Tod fügen muss. Es ist zugleich ein Nichtglauben an die Fähigkeit des Menschen zur Selbstbestimmung. Vor allem aber findet sich auch hier wieder die hierarchische Spaltung in superior und inferior. Diese Gemeinsamkeit von Patriarchat und Religion ist kein Zufall. In diesem Kosmos der Unterwerfung bewegen sich selbst feministische Theolog*innen, die – zitternd vor ihrer eigenen Courage – eine „Göttin“ anrufen. Herrschaft bleibt Herrschaft, auch mit einer Frau an der Spitze. Das Gestrüpp aus Religion und Patriarchat nachzuzeichnen, würde ein ganzes Buch füllen. Es scheint nahezu unentwirrbar, weil es fest und dicht miteinander verwachsen ist.

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Audio: Afghanistan – Niederlage und Verrat

Afghanistan und der Westen 20 Jahre nach 9/11

Vortrag von Thomas von der Osten Sacken

gehalten am 26. August 2021

Eine gemeinsame Veranstaltung der Seebrücke Stuttgart und des Fördervereins Emanzipation und Frieden e.V.

Genau 20 Jahre nach 9/11 haben die Taliban die Kontrolle über Afghanistan zurückgewonnen. Der Westen macht sich überhastet davon und hinterlässt Chaos, blankes Entsetzen und Todesangst. – Welche Bilanz bleibt aus zwei Jahrzehnten „War on Terror“ zu ziehen? Wie konnten die Taliban so schnell zurückkehren, warum gab es kaum Gegenwehr und was steht den Menschen in Afghanistan sowie die Geflüchteten nun bevor?

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Niederlage und Verrat

Afghanistan und der Westen 20 Jahre nach 9/11

Vortrag und Diskussion mit Thomas von der Osten Sacken

Donnerstag, 26. August 2021, 19.30 Uhr, online

Eine gemeinsame Veranstaltung der Seebrücke Stuttgart und des Fördervereins Emanzipation und Frieden e.V.

  • Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören

Genau 20 Jahre nach 9/11 haben die Taliban die Kontrolle über Afghanistan zurückgewonnen. Der Westen macht sich überhastet davon und hinterlässt Chaos, blankes Entsetzen und Todesangst. – Welche Bilanz bleibt aus zwei Jahrzehnten „War on Terror“ zu ziehen? Wie konnten die Taliban so schnell zurückkehren, warum gab es kaum Gegenwehr und was steht den Menschen in Afghanistan sowie die Geflüchteten nun bevor?

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Die Islamdebatte – Diskriminierung oder Emanzipation?

Online-Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 9. Juni 2021, 19.30 Uhr

Eine Veranstaltung des AStA der Universität Vechta

Zugang zur BigBlueButton-Konferenz HIER

Migrant*innen sind nicht nur dem Rassismus der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. Nicht wenige leiden auch unter patriarchalen und emanzipationsfeindlichen Ideologien innerhalb ihrer Communities. Dies gilt insbesondere für „den Islamismus“. Denn trotz ihres äußerlichen Gegensatzes verbindet Islamist*innen im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit Anhänger*innen rechtspopulistischer und faschistischer Parteien. Sie alle teilen die Sehnsucht nach homogener, patriarchal-autoritärer Gemeinschaft und verschiedene Formen von Antisemitismus. Kann man islamistische Unterdrückung und Gewalt kritisieren, ohne Vorurteile und Ressentiments weiter zu befördern? Welche Fallstricke hat die Islamdebatte? Wie hilfreich sind Begriffe wie „Islamophobie“ oder „Islamkritik“? Was macht sie problematisch?

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Audio: Staat und Politik in Zeiten von Corona

Es rettet uns kein höh´res Wesen, kein Gott und auch kein Staat

Vortrag von Ernst Lohoff

gehalten am 8. April 2021

In Friedenszeiten hat der Staat noch nie derart rigide in unser Alltagsleben eingegriffen wie angesichts der Corona-Pandemie. Gerade die westlichen Gesellschaften spaltet dieser Ausnahmezustand tief. Das Gros der Bevölkerung betrachtet die Verhinderung eines Massensterbens als vordringlichste Staatsaufgabe und akzeptiert angesichts der Bedrohung durch den Virus auch massive Einschränkungen; für eine lautstarke Minderheit ist das alles Teufelswerk. Der Staat nutzt angeblich Corona nur als Vorwand, um sinistre Pläne durchzusetzen und uns unserer Grundrechte zu berauben.

Staatsfixiert sind freilich beide Positionen. Dabei macht die Corona-Krise nur die inneren Widersprüche staatlicher Regulation und deren Grenzen sichtbar. Weiterlesen

Audio: Angst um die Vormachtstellung

Über den gesellschaftlichen Einfluss und die Anschlussfähigkeit des Antifeminismus

Online-Vortrag von Rebekka Blum

gehalten am 4. März 2021

Eine gemeinsame Veranstaltung der Stiftung Geißstraße 7 und des Fördervereins Emanzipation und Frieden e.V.

Seit Mitte der 2000er Jahre sind die Beschwörungen von “Gender-Ideologie”, “Erziehung zum Einheitsmenschen” und “feministische Weltverschwörung” mindestens unter AntifeministInnen in aller Munde. Im Vortrag zeigt Rebekka Blum die Gefahr des Antifeminismus als mobilisierende Bindeglied-Ideologie von konservativen, religiös-fundamentalistischen, maskulinistischen bis hin zu (extrem) rechten Bewegungen nach. Davon ausgehend zeigt sie die Verschränkung von Antifeminismus zu weiteren Ideologien wie Rassismus, völkischer Ideologie und insbesondere Antisemitismus auf. Der Vortrag verdeutlicht, dass es notwendig ist, Antifeminismus als Bestandteil rechter Ideologie und gefährliches Phänomen ernst zu nehmen und zu bekämpfen. Weiterlesen

Corona-Demos, „Infodemie“, Verschwörungsdenken und deren Zusammenhang mit Antisemitismus

Online-Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 10. Februar 2021, 19 Uhr

Eine Veranstaltung von Sonntags-Club und Trans im Sonntags-Club

  • Zugangsdaten zum Zoom-Meeting erhaltet ihr bei Anmeldung unter folgender Mailadresse: trans at sonntags-club.de spätestens einen Tag vor der Veranstaltung.

In Deutschland hat man zwar gelernt, dass Antisemitismus irgendwie schlecht ist. Verstanden hat man ihn trotzdem nicht. Dieser Zustand ermöglicht es, dass man antisemitischen Denkmustern anhängen und gleichzeitig davon überzeugt sein kann, nichts damit zu tun zu haben. Das funktioniert in rechten, linken und religiösen Milieus genauso wie in der vermeintlich „guten Mitte der Gesellschaft“.

Das gefährliche Potential dieser Mixtur wird in Krisenzeiten besonders deutlich. Die verbreitete Gewissheit, dass „die da oben an allem schuld sind“ verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „gierige Milliardäre“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie verbreiten sich einfache, falsche und gefährliche Welterklärungsmuster noch schneller. Vermeintliche „Querdenker“, QAnon-Fans und andere bilden sich die Diktatur einer geheimen Weltelite ein und wähnen sich im Endkampf zwischen Gut und Böse. Viele werden immer hemmungsloser und gewalttätiger.

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Audio: Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern

Buchvorstellung mit Samuel Salzborn

Online gehalten am 18. November 2020

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah galt lange als bundesdeutsche Erfolgsgeschichte. Dieses Image beginnt mit der zunehmenden Rechtsradikalisierung in Politik und Gesellschaft mehr und mehr zu bröckeln. Im bundesdeutschen Selbstbild wurde hingegen schon immer die Geschichte der Schuld- und Erinnerungsabwehr, der Täter-Opfer-Umkehr, der Selbststilisierung als Opfer und der antisemitischen Projektion ausgeblendet. Eine (selbst-)kritische Aufarbeitung der Vergangenheit hat auch 75 Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus auf gesellschaftlicher Ebene kaum stattgefunden: Durch die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern manifestiert sich vielmehr ein Selbstbild, das um den Mythos kollektiver Unschuld kreist.
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Audio: Nichts als Nawalny?

Über Zustand, Bedingungen und Konsequenzen russischer Oppositionspolitik

Online-Vortrag von Ute Weinmann

gehalten am 5. November 2020, live aus Moskau

Ist im Ausland von der russischen Opposition die Rede, steht in der Regel Aleksej Nawalny im Fokus. Die Affäre um seine Vergiftung mit einem Nervenkampfstoff belastet die Beziehungen Russlands zum Westen. Es stellt sich aber auch die Frage nach den innenpolitischen Konsequenzen und den grundsätzlichen Bedingungen für oppositionelle Politik in Russland, auf denen der Schwerpunkt dieser Veranstaltung liegt. Weiterlesen

Audio: Wahnhafte Incels

Sprache und Ideologie eines frauenverachtenden Online-Kults

Vortrag von Veronika Kracher

gehalten am 25. Juli 2019 in Stuttgart

Was ist eine „Stacy“? Und ein „Chad“? Was bedeuten Begriffe wie „Roastie“, „blackpill“, „Wristcel“, „looksmaxing“ und „Femoid“?
Es handelt sich hier um den Code der sogenannten Incel-Subkultur, ein misogyner Online-Todeskult, der seit 2018 in den Blick der Öffentlichkeit geraten ist. „Incel“ ist die Kurzform für „Involuntary Celibate“- unfreiwillig im Zölibat lebende. Denn dieses jedoch nur scheinbar unfreiwillige Zölibat konstituiert die komplette Identität dieser frustrierten jungen Männer.
Im April 2018 fuhr der Kanadier Alek Minassian mit dem Auto in eine Menschenmenge, um Rache dafür zu nehmen, dass er immer noch keinen Sex gehabt hatte. Sein Vorbild war Elliot Rodger, Held der Incels, der 2014 sechs Menschen tötete, 13 weitere verletzte, und ein über hundert Seiten langes Manifest hinterließ, das zum Manifest der Incel-Bewegung wurde.
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