Audio: Die modernen Wanderarbeiter*innen. Arbeitsmigrant*innen im Kampf um ihre Rechte.

Vortrag und Buchvorstellung von Stefan Dietl und Kathrin Birner

gehalten am 10. Februar 2022

Sie arbeiten in Schlachthöfen, in der Pflege, auf dem Bau, in der Logistikbranche oder der Landwirtschaft, aber auch im industriellen Sektor und ihre Ausbeutung bildet zunehmend die Grundlage des deutschen Exportmodells. Zeitlich befristete Arbeitsmigrant*innen, die regelmäßig für einige Wochen oder Monate ihre Heimat verlassen, um in Deutschland zu arbeiten.

Obwohl sie überall präsent sind und ohne sie die Produktion in zahlreichen Wirtschaftszweigen zum Erliegen kommen würde, bleiben sie doch meist gesellschaftlich unsichtbar. Gekennzeichnet ist die Arbeit dieser modernen Wanderarbeiter*innen durch lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, systematischen Lohnraub und die Umgehung arbeitsrechtlicher Normen.

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Gesellschaft nach dem Geld

Werkstattbericht über das Forschungs­projekt und die Frage nach eigenen Transformationsvorstellungen

Workshop mit Simon Sutterlütti

Samstag, 14. Mai 2022, 10 Uhr, Online

Eine gemeinsame Veranstaltung von SolawiS – Solidarische Landwirtschaft Stuttgart, Fridays for Future Stuttgart und Emanzipation und Frieden

Link zur Teilnahme in Zoom

Link zum öffentlichen Stream

Seit 3 Jahren bauen wir nun schon eine Simulation wie eine ‚Gesellschaft ohne Geld‘ funktionieren könnte. Der Workshop stellt zuerst Forschungsprojekt, Schwierigkeiten und Ergebnisse vor, um dann in einem zweiten Teil noch einmal tiefer in Fragen der gesellschaftlichen Transformation einzutauchen: Welche Potentiale und Hindernisse gibt es hier? Welche Bedeutung haben Keimformen, soziale Bewegungen und Parlamente? Wie gehen wir mit dem Zeitdruck der Klimakrise um? Wie kann ich persönlich beitragen und mitwirken?

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Aufbauen, Umbauen, Commonisieren

Auf dem Weg zur Commons-Gesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Simon Sutterlütti

Donnerstag, 5. Mai 2022, 19 Uhr, Online

Eine gemeinsame Veranstaltung von SolawiS – Solidarische Landwirtschaft Stuttgart, Fridays for Future Stuttgart und Emanzipation und Frieden

Link zur Teilnahme in Zoom

Link zum öffentlichen Stream

In Klimabewegung und DAX-Unternehmen, Landwirtschaft und freier Software, internationalen Verhandlungen und Fußballverein finden sich Commoning und Commons. Sie sind Keimformen einer neuen Lebens- und Wirtschaftsweise jenseits von Profit und Gegeneinander. Aber oft sind sie nur klein und kaum zu sehen. Wie kann die Commonslogik sich vergrößern und sogar gesellschaftlich verallgemeinern? Wie kann sie sich mit sozialen Bewegungen verbinden und etablierte Politik aufgreifen? Der Vortrag versucht einige Antworten zu geben, wie weltweites Teilen in die Welt kommen könnte.

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Planung und Produktion in Kapitalismus, Sozialismus und Commonismus

Vortrag und Diskussion mit Stefan Meretz

Donnerstag, 17. März 2022, 19:00 Uhr, Stuttgart

Altes Feuerwehrhaus, Saal im EG, Möhringer Str. 56, 70199 Stuttgart

Eine gemeinsame Veranstaltung von SolawiS – Solidarische Landwirtschaft Stuttgart, Fridays for Future Stuttgart und Emanzipation und Frieden

In allen Gesellschaften wird geplant, produziert und gepflegt, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen – dies jedoch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Der Vortrag gibt einen Überblick über drei große mögliche Varianten, von denen zwei auch schon historisch umgesetzt wurden: Kapitalismus und Sozialismus. Warum diese beiden näher miteinander verwandt sind als allgemein angenommen, zeigt der Vergleich mit dem Commonismus. Diese utopische Gesellschaft verallgemeinert den Ansatz der Commons, den wir aus Keimformen wie Freie Software, Solidarische Landwirtschaft, Miethäusersyndikat und vielem mehr kennen. Denn das ist eine Lehre der Geschichte: Jede neue Gesellschaft entsteht immer aus der vorhergehenden, die sie „aufhebt“, also sowohl fortträgt, überwindet wie in eine neue Qualität bringt. Dieser dreifache Schritt der Bewahrung, des Bruchs und der Neuentwicklung soll am Beispiel der gesellschaftlichen Planung diskutiert werden.

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Genug geschwitzt!

Der Soziologe Steffen Liebig untersucht in einer lesenswerten Studie Modelle von Arbeitszeitverkürzung aus sozialer und ökologischer Perspektive

von Lothar Galow-Bergemann

english translation

erschienen in Jungle World, 20. Januar 2022

Bei der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung kommen die Gewerkschaften seit Jahrzehnten kaum voran. Nach den Kämpfen der achtziger Jahre um die 35-Stunden-Woche legte sich in dieser Frage eine gefühlte Ewigkeit lang bleierne Ruhe über das Land. Mit der vorübergehenden Einführung der Viertagewoche bei VW zwischen 1994 und 2006 verbanden sich gewisse Hoffnungen, die aber bald wieder aufgegeben werden mussten. Alles in allem drohten also eher Rückschritte. Zwar verging kaum ein Gewerkschaftstag, ohne dass wortreich und gut begründet ein neuer Arbeitszeitstandard verlangt worden wäre, die Ergebnisse aber blieben aus. Wer jahrzehntelang nur fordert und praktisch nichts bewegen kann, steckt offenkundig in der Krise. Darin zeigt sich die schwindende Macht der Gewerkschaften unter den Bedingungen globaler Standortkonkurrenz und technologisch bedingtem Produktivitätszuwachses.

Dabei könnte die gesteigerte Effizienz eigentlich für radikale Arbeitszeitverkürzungen genutzt werden. Funktionierte „die Wirtschaft“ nach vernünftigen Regeln, würde sie nicht aus endlich überflüssiger werdender Arbeit „überflüssige“ Menschen machen. Doch das herrschende Wirtschaftssystem erzeugt umgehend handfeste Krisen, wenn es nicht permanent wachsen und Profite generieren kann. Tut es das aber weiterhin, so stürzt es die Welt erst recht in die Krise. Nirgends wird dieses Dilemma deutlicher als im Umgang mit der globalen Erderwärmung. Weiterlesen

Rätselhaftes Geld: Inflations-Astrologie

„Renommierte Wirtschaftsexperten“ rühren mal wieder im Kaffeesatz

von Minh Schredle|

Zuerst erschienen in KONTEXT:Wochenzeitung Ausgabe 563 vom 12.01.2022

Am Monatsende ist das Konto leer und die Preise steigen: Was ist da los? Und wie soll das weitergehen? In dieser kniffligen Situation liefern die Inflationsprognosen der renommierten Wirtschaftsexperten ähnlich viel Erkenntnisgewinn wie das Horoskop der Woche.

Am Anfang war das Wort? „Inflation entsteht, wenn Menschen anfangen, über Inflation zu reden.“ So erklärte sich Otmar Issing im vergangenen Dezember die dramatischen Preissteigerungen in einem Gastbeitrag für die „Wirtschaftswoche“. Und Issing ist nicht irgendwer – er war Wirtschaftsweiser, Chefökonom der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB), dann International Advisor von Goldman Sachs und zeitgleich Präsident des angesehenen Center for Financial Studies in Frankfurt, das er bis heute leitet. Kurz gesagt: Der Mann weiß, wie viel sich in der Ökonomie zur Kopfsache und Glaubensfrage erklären lässt. Und worauf es jetzt ankommt. Issing: „Es kommt darauf an, dass die Bürger und die Finanzmärkte nicht das Vertrauen in die Entschlossenheit der Zentralbanken verlieren, die Inflation (in der Regel bei etwa zwei Prozent) mittelfristig zu stabilisieren.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) : Die „Gefahr droht von psychologischer Seite“, erklärt das DIW im Oktober 2021, nämlich „von den Erwartungen, zu der auch gerade die alarmistische Berichterstattung beiträgt“. Wenn alle davon ausgehen, dass die Preise weiter steigen, „werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern“, so die Sorge, und „Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen.“ Inflation, so lernen wir, ist also Kopfsache.

Eine Strategie zur Krisenbewältigung lässt sich mit diesen Handreichungen leicht auf die Beine stellen: Wenn am Monatsende keine Kohle mehr auf dem Konto ist und der durchschnittliche Warenkorb immer leerer wird, kommt bitte bloß nicht auf die Idee, höhere Löhne zu fordern. Redet am besten nicht über die Geldentwertung – das macht es nur schlimmer – und wenn es doch unbedingt sein muss, dann flüstert wenigstens, damit es niemand mitbekommt. Weiterlesen

Die Gretchenfrage neu gestellt

Über das Verhältnis von Kapitalismus, Religion und Religionskritik im 21. Jahrhundert

Mit Texten von Julian Bierwirth, Lothar Galow-Bergemann, Karl-Heinz Lewed, Ernst Lohoff, Peter Samol und Norbert Trenkle

Eine Veröffentlichung von krisis – Kritik der Warengesellschaft

Download als PDF Bestellen als Book on Demand (möglich ab Mitte Januar 2022) bei krisisweb ÄT yahoo.de

Direktlink zu Lothar Galow-Bergemann, Du sollst (k)einen anderen Gott haben neben mir. Thesen zum Verhältnis von Religion und Moderne

Vorwort der Krisis-Redaktion:

In seinem Faust lässt Goethe Gretchen ihren Verehrer fragen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ 200 Jahre später ist die berühmte Gretchenfrage immer noch – oder wieder einmal – von hoher gesellschaftlicher Aktualität. Als Krisensymptom ebenso wie als Teil der treibenden Kräfte weltgesellschaftlicher Desintegration spielen evangelikale, islamistische und sonstige Fundamentalismen sowie esoterische Strömungen eine fatale Rolle. Wer eine emanzipative Gegenperspektive formulieren will, kommt deshalb nicht umhin, diese Entwicklung kritisch einzuordnen und sich zu ihr zu positionieren. Die Auseinandersetzung mit den neoreligiösen Tendenzen führen wir schon seit längerer Zeit. Bereits im Jahr 2008 erschien eine Ausgabe der Krisis (Nummer 32, damals noch im klassischen Buchformat) zum Schwerpunkt Kreuzzug und Jihad, die sich mit dem „Religionismus“ (Ernst Lohoff) im Allgemeinen und dem Islamismus im Besonderen sowie mit dem Kulturkampf der „westlichen Werte“ beschäftigte. Es folgte eine ganze Reihe von weiteren Texten zu diesen Themen, die allesamt auf unserer Webseite zu finden sind. Diese Publikationen gingen und gehen teilweise einher mit theoretischen Kontroversen über den Charakter der Neoreligiosität. Während die einen darin ein (post)modernes Phänomen erkennen und den Bruch gegenüber traditionellen religiösen Vorstellungen betonen, sehen andere eher Kontinuitäten gegenüber der Vormoderne.

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Grüne in der Falle: Die Ampel steht auf Gelb

Einleitendes zur Online-Diskussion von krisis-Kritik der Warengesellschaft Die Grünen in der Falle – Warum die Ampel auf Gelb steht vom 29. November 2021

von Lothar Galow-Bergemann

[zuerst erschienen bei Disposable Times]

  • Die Vorträge der Veranstaltung sind mittlerweile HIER zu sehen

Die Ampelregierung wird voraussichtlich einige wichtige Verbesserungen einführen, so die längst überfällige Abschaffung des Transsexuellengesetzes und des Informationsverbots für Ärzt*innen über Schwangerschaftsabbrüche (§219a StGB). Ebenso sind Liberalisierungen im Familien-, Abstammungs- und Staatsbürgerschaftsrecht zu erwarten. Dies alles ist bedeutsam und sicher haben die Grünen wichtigen Anteil daran. Es ist also überhaupt nicht egal, wer regiert und in welche Richtung die Spielräume, die Politik hat, genutzt werden.

Bei existentiellen Zukunftsfragen sind die Spielräume allerdings deutlich geringer. Denn wir sind Gefangene einer Wirtschaftsweise, deren Lebenselixier ewiges Wachstum, steigende Aktienkurse und permanente Geldvermehrung ist. Sie bringt multiple Krisen hervor, die mit ihren eigenen Mitteln nicht gelöst werden können. Klima, Corona, Wohnen, Renten, Migration, wo soll man aufhören aufzuzählen?

Fast alle Parteien versprechen mittlerweile einen grünen Kapitalismus, sie nennen das vorzugsweise „ökologische Marktwirtschaft“. Das ist schon lange kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen mehr. Trotzdem werden sie weitaus mehr als jede andere politische Kraft mit diesem Versprechen identifiziert. Das ist ein ganz besonderes Pech für die Partei. Denn wenn die Illusionen über den grünen Kapitalismus platzen – und das werden sie – bleibt das an niemandem so sehr hängen wie an den Grünen.

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Die modernen Wanderarbeiter*innen. Arbeitsmigrant*innen im Kampf um ihre Rechte.

Buchvorstellung und Diskussion mit Stefan Dietl und Kathrin Birner

Donnerstag, 10. Februar 2022, 19.30 Uhr, Online

Eine Kooperation von Laboratorium und Emanzipation und Frieden

  • Der Vortrag ist mittlerweile HIER nachzuhören

Sie arbeiten in Schlachthöfen, in der Pflege, auf dem Bau, in der Logistikbranche oder der Landwirtschaft, aber auch im industriellen Sektor und ihre Ausbeutung bildet zunehmend die Grundlage des deutschen Exportmodells. Zeitlich befristete Arbeitsmigrant*innen, die regelmäßig für einige Wochen oder Monate ihre Heimat verlassen, um in Deutschland zu arbeiten.

Obwohl sie überall präsent sind und ohne sie die Produktion in zahlreichen Wirtschaftszweigen zum Erliegen kommen würde, bleiben sie doch meist gesellschaftlich unsichtbar. Gekennzeichnet ist die Arbeit dieser modernen Wanderarbeiter*innen durch lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, systematischen Lohnraub und die Umgehung arbeitsrechtlicher Normen.

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Die Überkrise: Geld ist tot

Die ökologische Marktwirtschaft ist eine hoffnungslose Hoffnung: Mit mehr Wachstum führt kein Weg aus der Klima- und Wirtschaftskrise

Von Minh Schredle

Zuerst erschienen in KONTEXT:Wochenzeitung Ausgabe 550 vom 13.10.2021

Die triviale Erkenntnis ist so alt wie Steueroasen in der Karibik: Wachstum hat Grenzen. Diese Binse zu ignorieren, ist leider weit verbreitet – und es bedeutet, den Planeten zu verheizen, damit Fantastillionen zu Fantastilliarden werden.

Sinkende Kindersterblichkeit und steigende Lebenserwartungen, eine Impfstoff-Entwicklung in Rekordgeschwindigkeit, tanzende Roboter und Flachbildfernseher zu Spottpreisen: Es wäre töricht, der Gegenwart ihre Erfolge abzusprechen. Doch mit Blick auf die jüngere Geschichte fallen einige Themenkomplexe auf, bei denen sich gravierende Krisensymptome häufen, und bei denen politische Absichtserklärungen, die Probleme an der Wurzel angehen zu wollen, konsequent scheitern: Der Heimatverlust für Millionen von Menschen, die strukturelle Massenarbeitslosigkeit in immer größeren Teilen der Welt, die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten sogar in den Wohlstandszentren, die globale Verschuldungsdynamik und, am dramatischsten: die eskalierende Klimakatastrophe, die bereits vor über drei Jahrzehnten in den Fokus internationaler Abkommen gerückt ist. Eine Bilanz der Bemühungen: Die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen haben sich seitdem verdoppelt und auch die eindringlichsten Warnungen der vereinten Wissenschaft konnten bislang kein grundlegendes Umsteuern herbeiführen.

„Das, was politisch akzeptabel scheint, ist eine ökologische Katastrophe, während das ökologisch Notwendige politisch unmöglich ist.“ So formulierten es Mathis Wackernagel und William Rees, die Erfinder des ökologischen Fußabdrucks – und es zeugt vom Ausmaß der Misere, dass das Zitat von 1998 stammt. Nicht nur wird immer mehr CO2 freigesetzt. Es wird auch immer schneller freigesetzt.

Wo unzählige Alarmsignale auf einen Wettlauf mit der Zeit hindeuten, die existenzielle Bedrohung für die menschliche Zivilisation im politisch-medialen Diskurs durchaus wahrgenommen und reflektiert wird, aber (überlebens-)notwendige Handlungen über Dekaden hinweg ausbleiben – da liegt der Schluss einer systemischen Dysfunktionalität nahe. Doch im deutschen Parteienspektrum führt diese Analyse in die Einsamkeit: Im Bundestag setzt derzeit eine ganz große Koalition auf die hoffnungslosen Hoffnungen namens grünes Wachstum und ökologische Marktwirtschaft. Und damit eben nicht auf einen Systemwechsel.

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Gemeinwohlökonomie – Ein Weg aus der Krise?

Diskussion mit Albrecht Binder und Lothar Galow-Bergemann

Donnerstag, 11. November 2021, 19.00 – 21.00 Uhr, Bielefeld

Ravensberger Park 1, Volkshochschule, Historischer Saal

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bielefeld

Das Wirtschaftsmodell der Gemeinwohlökonomie, bei dem Unternehmen nach sozialen und ökologischen Kriterien beurteilt und ihre Auswirkungen auf das Gemeinwesen geprüft werden, hat in den letzten Jahren viel Zuspruch erfahren. Welche Annahmen stecken hinter dem Modell und kann es einen Beitrag zur Bewältigung der derzeitigen weltweiten Mehrfachkrise leisten? Oder greift es zu kurz und doktert nur an der Oberfläche herum, ohne die realen Machtverhältnisse zu reflektieren? Es diskutieren Lothar Galow-Bergemann vom Förderverein Emanzipation und Frieden e.V. und Gemeinwohlökonomie-Kritiker und Albrecht Binder von der Gruppe Gemeinwohlökonomie Lippe, der das Konzept in seinem Betrieb umgesetzt hat.

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Audio: Die ausrastenden Insassen des Krisenkapitalismus

Zur Einordnung der „Querdenkerproteste“

von Lothar Galow-Bergemann

gelesen von Eva Welsch

Langfassung: Audio: Ausrastende Insassen – Coronakrise, Kapitalismus und Konformistische Rebellion

Warum gibt es fast keine vernünftigen, aber so viele absurde Proteste gegen die staatliche Coronapolitik? Warum glauben immer mehr Menschen haarsträubenden Unfug? Warum schützen auch Bildung und Intelligenz nicht davor? Und warum finden da Leute zusammen, denen man doch eigentlich nicht viel Gemeinsamkeit zutraut? Alternative Esoterik- und wirtschaftsliberale Kapitalismus-Fans, Nazis und Hippies, Linke und Reichsbürger, Gutbürgerliche und Antiautoritäre…

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Audio: Medizin unter dem Diktat der Ökonomie

Wie kapitalistische „Sachzwänge“ das Gesundheitssystem in die Krise treiben

Vortrag von Kai Uwe Helmers

gehalten am 23. September 2021

Lange her sind die Zeiten, wo die Krankenhäuser maßgeblich von der öffentlichen Hand organisiert wurden und die ambulante Medizin kleinunternehmerisch organisiert war. In den letzten 40 Jahren wurde das Gesundheitssystem immer mehr umgebaut – allerdings nicht zum Besseren. Die Krankenhausfinanzierung mittels Fallpauschalen führte und führt zur Schließung von Krankenhäusern, Bettenabbau und Personalmangel, besonders in der Pflege. Die Mehrzahl der Krankenhäuser befindet sich mittlerweile in privaten Händen. Im ambulanten Bereich wurden Kopfpauschalen, Budgets und Deckelungen eingeführt und gleichzeitig ermöglicht, Kapital in diesem Bereich gewinnbringend einzusetzen. Die Qualität ist nicht besser geworden, während gleichzeitig Krankenkassenbeiträge und Kostenselbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten stiegen. Die Medizin hat sich tendenziell zu einem (Dienstleistungs-) Markt entwickelt, in dem die Patient*innen als Kund*innen behandelt werden. Zur politischen Begründung dieser Entwicklung mussten immer angebliche „Sachzwänge“ herhalten. Bei genauerer Betrachtung erweisen sich diese aber keineswegs als naturgegeben, sondern als Folge der kapitalistischen Logik, die auch das Gesundheitswesen ihrem Diktat von Wachstumszwang und Profitinteresse unterwirft.

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Du sollst (k)einen anderen Gott haben neben mir

Thesen zum Verhältnis von Religion und Moderne

von Lothar Galow-Bergemann

  • Der Text ist mittlerweile auch HIER zu hören

(Zuerst erschienen bei krisis – Kritik der Warengesellschaft. Der Text ist Teil des Krisis-Beitrag 2/2021 „Die Gretchenfrage neu gestellt. Über das Verhältnis von Kapitalismus, Religion und Religionskritik im 21. Jahrhundert“ Mit Texten von: Julian Bierwirth, Lothar Galow-Bergemann, Karl-Heinz Lewed, Ernst Lohoff, Peter Samol und Norbert Trenkle. Er beruht auf einem Zoom-Vortrag vom 11. Juni 2021, der hier einsehbar ist (ab der Zeitmarke 47:50)

1. Modern sein kann auch, was vor der Moderne entstand

Wann die Sache mit dem Patriarchat anfing, ist ungeklärt. Klar ist, dass es weit vor der kapitalistischen Moderne war. Sein Kern ist die hierarchische Spaltung in superiore Männlichkeit und inferiore Weiblichkeit. Abgesehen davon ist es äußerst anpassungs-, überlebens- und modernisierungsfähig. Entstanden als Herrschaft des allmächtigen Clanchefs, der über Leben und Tod entscheidet – und bis heute noch nicht einmal insoweit wirklich überwunden -, vermochte es sich in der Moderne sogar in der Logik des Kapitals einzunisten: als Abspaltung des Werts von seiner unverwertbaren, gleichwohl notwendigen und als weiblich konnotierten Rückseite. Während sein rein äußerliches Gewaltverhältnis in vielerlei Form auch in der Moderne weiterbesteht, wandelte sich das Patriarchat gleichzeitig dem Warenfetisch an und transformierte sich in eine gesellschaftliche Realität, die praktisch den Dingen selbst inhärent ist. Warenproduzierendes Patriarchat ist ein anderes, treffenderes Wort für Kapitalismus. Das uralte Patriarchat ist quicklebendig in altem und in modernem Gewand. Es ist nicht nur kompatibel mit der Moderne, es strukturiert sie auch.

Religionen werden, wie von jeder anderen Gesellschaftsform, auch von der kapitalistischen Moderne geprägt und modifiziert. Im Kern bleiben sie, was sie immer waren: menschengemachte „höhere Mächte“. Als Welterklärungen und -anschauungen stiften sie Identität und soziale Bindekraft und beruhen auf Glauben und Nichtglauben. Glauben an höhere Mächte, die über dem Menschen stehen und denen er sich vor und sogar noch nach seinem Tod fügen muss. Es ist zugleich ein Nichtglauben an die Fähigkeit des Menschen zur Selbstbestimmung. Vor allem aber findet sich auch hier wieder die hierarchische Spaltung in superior und inferior. Diese Gemeinsamkeit von Patriarchat und Religion ist kein Zufall. In diesem Kosmos der Unterwerfung bewegen sich selbst feministische Theolog*innen, die – zitternd vor ihrer eigenen Courage – eine „Göttin“ anrufen. Herrschaft bleibt Herrschaft, auch mit einer Frau an der Spitze. Das Gestrüpp aus Religion und Patriarchat nachzuzeichnen, würde ein ganzes Buch füllen. Es scheint nahezu unentwirrbar, weil es fest und dicht miteinander verwachsen ist.

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Stolen Time

Why Capitalism Forces Us to Do Without and Why We Could Work Less

By Lothar Galow-Bergemann and Ernst Lohoff

Excerpt from a text in the book Shutdown. Klima, Corona und der notwendige Ausstieg aus dem Kapitalismus ISBN 978-3-89771-292-8, Unrast Verlag, 14,00 €

deutsche Version

The world as we know it is disintegrating at a rapid pace. For years, the word crisis has taken on a life of its own – regardless of whether it is a matter of climate, finance, economics, social systems, democracy, migration, or international relations. In the critical social sciences, people talk of an age of „multiple crises“ (Brandt/Wissen 2017). With the spread of the corona virus, this general crisis has come to a head at a speed and scale that hardly anyone could have previously imagined.

The corona and climate crises demonstrate how ‚our economy‘ is failing to meet the existential challenges of the time. Eternal growth, maximum profit, and rising share prices are the lifeblood of the economy. Without them, it immediately begins to crumble. The climate crisis reveals that growth programmed for infinity will amount to the destruction of the planet in the medium rather than the long term. The challenge posed by the corona pandemic, on the other hand, has abruptly demonstrated that such an economy can produce mountains of corpses in a very short time1 if it is not subjected to massive intervention. At first, many countries tried to rein in the market economy to varying degrees and, on the whole, not very successfully. Incidentally, in doing so, they did a remarkable job, in the blink of an eye, of reducing to absurdity much of what had previously been considered irrevocable and sacred – from the “debt brake” to faith in the supposedly beneficial effects of the market itself. For a brief moment, it became clear that acting against the economic logic of capital is not only possible, but also necessary for survival. This is an important experience that should be sustained, because it is highly valuable for any emancipatory movement.

But it did not take long for the brutal constraints of capital exploitation to gain more and more ground against the lukewarm health policy measures. Weiterlesen

Audio: Die Explosion der Wohnkosten

Warum sie stattfindet und was ihr entgegenzusetzen ist

Vortrag von Peter Samol

gehalten am 22. Juli 2021

Ein Dach über dem Kopf ist ein menschliches Grundbedürfnis. Aber bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist für Gering- und Normalverdiener*innen in Ballungszentren wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und in vielen anderen anderen großen Städten zu einem gravierenden Problem geworden. Seit Jahren folgen die Preise am Immobilienmarkt einem ungebrochenen Aufwärtstrend. Mittlerweile geht dieser sogar auf die mittelgroßen Städte über.

Immobilien haben in der Warenwelt eine Sonderstellung inne: Sie sind zugleich Anlageobjekte und lebenswichtige Gebrauchsgüter. Diese Kombination findet sich bei keiner anderen Ware. Während hohe Preise für typische andere Anlageobjekte – etwa Aktien, Gold oder neuerdings auch Kryptowährungen – niemanden stören, die nicht in sie investiert, haben hohe Immobilienpreise gravierende Folgen für Normal- und Geringverdiener*innen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.

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Medizin unter dem Diktat der Ökonomie

Wie kapitalistische „Sachzwänge“ das Gesundheitssystem in die Krise treiben

Online-Vortrag und Diskussion mit Kai Uwe Helmers

Donnerstag, 23. September 2021, 19.30 Uhr

  • Der Vortrag kann mittlerweile HIER nachgehört werden

Lange her sind die Zeiten, wo die Krankenhäuser maßgeblich von der öffentlichen Hand organisiert wurden und die ambulante Medizin kleinunternehmerisch organisiert war. In den letzten 40 Jahren wurde das Gesundheitssystem immer mehr umgebaut – allerdings nicht zum Besseren. Die Krankenhausfinanzierung mittels Fallpauschalen führte und führt zur Schließung von Krankenhäusern, Bettenabbau und Personalmangel, besonders in der Pflege. Die Mehrzahl der Krankenhäuser befindet sich mittlerweile in privaten Händen. Im ambulanten Bereich wurden Kopfpauschalen, Budgets und Deckelungen eingeführt und gleichzeitig ermöglicht, Kapital in diesem Bereich gewinnbringend einzusetzen. Die Qualität ist nicht besser geworden, während gleichzeitig Krankenkassenbeiträge und Kostenselbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten stiegen. Die Medizin hat sich tendenziell zu einem (Dienstleistungs-) Markt entwickelt, in dem die Patient*innen als Kund*innen behandelt werden. Zur politischen Begründung dieser Entwicklung mussten immer angebliche „Sachzwänge“ herhalten. Bei genauerer Betrachtung erweisen sich diese aber keineswegs als naturgegeben, sondern als Folge der kapitalistischen Logik, die auch das Gesundheitswesen ihrem Diktat von Wachstumszwang und Profitinteresse unterwirft.

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„Just Transition“ – Wir müssen reden …

Podiumsdiskussion u.a. mit Franziska Sander

Sonntag, 25. Juli 2021, 20 Uhr, Stuttgart

Zirkuszelt, Stadtgarten (bei der Universitätsbibliothek Stadtmitte)

Eine Veranstaltung im Rahmen von Kesselbambule Klimacamp 2021

Podiumsdiskussion mit Markus Freitag (ver.di, EX-Gesamtpersonalratsvorsitzender),
Karsten vom Bruch (Betriebsrat bei Bosch), Nisha Toussaint-Teachout (Klimaaktivistin), Franziska Sander (Klimaaktivistin)

Wir haben ganz wörtlich eine Welt zu gewinnen – aber wie könnte ein Weg dahin aussehen? Welche Widersrpüche ergeben sich auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit und wie können wir mit ihnen umgehen?
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Wer vom Kapitalismus nicht reden will sollte von Nachhaltigkeit schweigen

Warum wir mit „unserer Wirtschaft“ nie eine nachhaltige Gesellschaft erreichen werden

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 24. Juli 2021, 16.00 bis 17.30 Uhr, Stuttgart

Zelt-Emma, Stadtgarten (bei der Universitätsbibliothek Stadtmitte)

Eine Veranstaltung im Rahmen von Kesselbambule Klimacamp 2021

Alle sind für Klimaschutz, aber die globale Erwärmung nimmt unaufhörlich zu. Alle sind für soziale Gerechtigkeit, aber Kinder- und Altersarmut wachsen. Alle wünschen sich mehr freie Zeit zum Leben, aber müssen immer mehr und länger arbeiten. Niemand will die Krise, aber keiner kriegt sie in den Griff. Wunsch und Wirklichkeit gehen so weit auseinander, weil das herrschende Wirtschaftssystem existentiellen Herausforderungen nicht gewachsen ist. Klima- und Coronakrise demonstrieren eindrücklich: Unendliches Wachstum ist ihm wichtiger als Mensch und Natur, maximaler Profit wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität, steigende Aktienkurse wichtiger als das Leben künftiger Generationen. Das ewige „Weiter so“ hat ausgedient. Es hat uns die Krise beschert. Was immer als unhinterfragbar galt, ist zu hinterfragen. Doch immer wieder scheitern gut gemeinte „Alternativvorschläge“. Denn gegen den Kapitalismus sind viele. Aber haben sie auch etwas von dem verstanden, was ihm den Namen gibt – vom Kapital?  Eine ökologisch und sozial nachhaltige Gesellschaft ist machbar, aber keine „ökologische Marktwirtschaft“.

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