von Minh Schredle
Eines der ältesten Online-Magazine der Republik hat alle Artikel gelöscht, die dort vor 2021 erschienen sind. Der frühere „Telepolis“-Chefredakteur Florian Rötzer verweist auf große Löcher im digitalen Gedächtnis. Was dokumentiert bleibt, entpuppt sich als Machtfrage.
Schon vor dem Verschwinden war das Lesen betreut. Seit dem Frühjahr 2024 fand sich unter allen „Telepolis“-Texten, die vor dem bislang einzigen Wechsel in der Chefredaktion erschienen sind, ein Warnhinweis: „Der folgende Beitrag ist mehrere Jahre alt und entspricht daher möglicherweise in Form und Inhalt nicht mehr den aktuellen journalistischen Grundsätzen.“ Gekennzeichnet wurden alle Beiträge, die nicht unter der Leitung von Harald Neuber entstanden sind. Offenbar war die pauschale Distanzierung vom eigenen Inhalt nicht ausreichend: Unter dem Schlagwort „Qualitätsoffensive“ erfolgte im Dezember 2024 die Löschung zehntausender Artikel, da „Telepolis“, wie in der Erklärung zum Vorgang steht, auf „Transparenz und Glaubwürdigkeit“ setze.
Weiterlesen
