Die ewig gleichen Rituale haben ausgedient. Stellen wir uns der Wirklichkeit – Rede zum 1. Mai 2022

von Lothar Galow-Bergemann

gehalten in Siegen

Wie sich Gesellschaft, Gewerkschaft, Friedensbewegung und Linke ändern müssen

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„Gierige Milliardäre – Geheime Weltregierung“

Regressiver Antikapitalismus und Antisemitismus in Krisenzeiten

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Dienstag, 28. Juni 2022, 19.00 Uhr, Nürnberg

DESI Stadtteilzentrum e.V. Brückenstraße 23, 90419 Nürnberg

Eine Veranstaltung von Junges Forum DIG Nürnberg-Erlangen

Klima, Corona, Krieg und Hunger – die Krisen jagen sich. Sie haben viel mit der herrschenden Wirtschaftsweise zu tun – dem Kapitalismus. Unendliches Wachstum ist ihm wichtiger als Mensch und Natur, maximaler Profit wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität, steigende Aktienkurse wichtiger als das Leben künftiger Generationen. Der Kapitalismus hat uns in eine Sackgasse geführt. Viele sind gegen ihn, doch haben sie ihn auch verstanden?

Gesellschaftskritik wird oft mit Wut auf „die Schuldigen“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt. Undurchschaute systemische Ursachen verleiten zu personifizierender Krisendeutung. Der Glaube, finstere Mächte seien an Ungerechtigkeit, Krankheit, Elend, Krieg und Krisen Schuld, hat eine bald zweitausendjährige Tradition im christlichen Antijudaismus. Der moderne Antisemitismus, dem „der Jude“ die Personifikation des Bösen schlechthin ist, konnte nahtlos daran anknüpfen. Die Nationalsozialisten setzten die eingebildeten „Gierigen und Mächtigen, die im Geheimen wirken und die Welt versklaven wollen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

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Zwischen „Profitgier“ und „Weltverschwörung“

Was falscher Antikapitalismus mit Antisemitismus zu tun hat

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 8. Juni 2022, 19.00 Uhr, Witzenhausen

Stadtraum Witzenhausen, Ermschwerder Str.6

Eine Veranstaltung von Bündnis für ein emanzipatorisches Witzenhausen ohne Verschwörungsdenken und Antisemitismus

Klima, Corona, Krieg und Hunger – die Krisen jagen sich. Sie haben viel mit der herrschenden Wirtschaftsweise zu tun – dem Kapitalismus. Unendliches Wachstum ist ihm wichtiger als Mensch und Natur, maximaler Profit wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität, steigende Aktienkurse wichtiger als das Leben künftiger Generationen. Der Kapitalismus hat uns in eine Sackgasse geführt. Viele sind gegen ihn, doch haben sie ihn auch verstanden?

Gesellschaftskritik wird oft mit Wut auf „die Schuldigen“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt. Viele phantasieren – z.B. im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie – von einer Weltverschwörung „profitgieriger Milliardäre“, die die sie ins Unglück stürzen wollen. Die Nationalsozialisten setzten die eingebildeten „Gierigen und Mächtigen, die im Geheimen wirken und die Welt versklaven wollen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

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Fallstricke der Emanzipation

Autoritäres und Regressives in der Linken gestern und heute

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Donnerstag, 9. Juni 2022, 18.30 Uhr, Siegen

VORTEX Biergarten, Auf den Hütten 4, 57076 Siegen-Weidenau

Eine Veranstaltung von Antifa Café Siegen

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen.

Das kann sich in Männlichkeitskult und sexistischem Verhalten äußern, in der Vorliebe fürs Agitieren statt fürs Argumentieren oder in der Vorstellung, antifaschistische Akteur*innen seien stets im Recht, was auch immer sie tun. Aber auch im Glauben, man sei zur „Führung der Arbeiterklasse“ berufen. Der Griff in die Mottenkiste staatssozialistischer Parteidiktaturen und Sympathie für autoritäre Führergestalten wie Lenin liegen da oft nahe. Der Glaube, „die Klasse und das Volk“ brauche eigentlich nur die richtigen Führer, korreliert zudem mit zwei ebenso absurden wie folgenreichen Fehleinschätzungen: Nationalsozialismus und Antisemitismus seien die Folge rechter Verführungskünste und bürgerlich-rechtsstaatliche Verhältnisse seien letztlich ebenfalls „faschistisch“.

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Arbeit macht unfrei

Zum Zusammenhang von Arbeitsfetisch und Antisemitismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Donnerstag, 19. Mai 2022, 19 Uhr, Halle/Saale

Melanchthonianum, Hörsaal A, Universitätsplatz 9

Eine Veranstaltung von Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Stura der Uni Halle

Wer streikt, macht zwei Erfahrungen: Dass es gut ist, sich zu wehren. Und dass, selbst wenn man erfolgreich war, danach doch alles irgendwie beim Alten bleibt. Dass wir lebenslänglich arbeiten-müssen-um-Geld-zu-verdienen-damit-wir-leben-können ist das ungeschriebene, aber höchste Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft. Arbeit sei so etwas wie Natur, lautet der allgemeine Konsens. Wer etwas gegen sie hat, gilt als verrückt oder faul, meistens als beides.

Nicht immer wurde die Arbeit so überhöht wie heute. In der Antike hatte sie sogar einen ausgesprochen schlechten Ruf. Mit Beginn der Neuzeit jedoch erfuhr sie religiöse Weihen. Das protestantische Arbeitsethos stand an der Wiege des Kapitalismus. Das Bürgertum, die Arbeiterbewegung und der Nationalsozialismus haben die Arbeit förmlich verherrlicht.

Doch auch wenn es dem herrschenden Bewusstsein noch so uneinsichtig ist: Arbeit und nützliches/ sinnvolles/lustvolles Tätigsein sind zwei Paar Stiefel. Weiterlesen

Ausrastende Insassen

Zum Zusammenhang von Krise, Verschwörungsglauben und Antisemitismus


Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 2. Mai 2022, 19.00 Uhr, Marburg

Café Trauma, Afföllerwiesen 3a

Eine Veranstaltung von Junges Forum DIG Hochschulgruppe Marburg und SJ – Die Falken Marburg

Warum gab es kaum vernünftige Corona-Proteste? Weder Streiks gegen die Zumutung, sich am Arbeitsplatz anstecken zu müssen noch Massendemonstrationen für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Warum demonstrierten stattdessen Zehntausende gegen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz? Warum verbreiteten sich absurde Verschwörungsphantasien? Warum schützen auch Bildung und Intelligenz nicht davor, haarsträubenden Unfug zu glauben?

Ob Esoterik-Fans, Nazis, Hippies, Gutbürgerliche, Wirtschaftsliberale, Linke oder Reichsbürger – so sehr sich die Rebellierenden unterscheiden – alle glauben, dass sie von „denen da oben“ betrogen werden. Die einen halten die Marktwirtschaft für die beste aller Welten und glauben, an Krisen könnten nur unfähige und schlechte Personen schuld sein. Die anderen glauben, Kapitalismus sei sowieso das Werk solcher Leute. Wie auch immer – in ihrem Aufbegehren finden sie zusammen.
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Fallstricke der Emanzipation

Autoritäres und Regressives in der Linken gestern und heute

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 28. Mai 2022, 16.00 Uhr, Mannheim

Jugendkulturzentrum forum, Neckarpromenade 46

Eine Veranstaltung im Rahmen der VI. Anarchistischen Buchmesse Mannheim

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen.

Das kann sich in Männlichkeitskult und sexistischem Verhalten äußern, in der Vorliebe fürs Agitieren statt fürs Argumentieren oder in der Vorstellung, antifaschistische Akteur*innen seien stets im Recht, was auch immer sie tun. Aber auch im Glauben, man sei zur „Führung der Arbeiterklasse“ berufen. Der Griff in die Mottenkiste staatssozialistischer Parteidiktaturen und Sympathie für autoritäre Führergestalten wie Lenin liegen da oft nahe. Der Glaube, „die Klasse und das Volk“ brauche eigentlich nur die richtigen Führer, korreliert zudem mit zwei ebenso absurden wie folgenreichen Fehleinschätzungen: Nationalsozialismus und Antisemitismus seien die Folge rechter Verführungskünste und bürgerlich-rechtsstaatliche Verhältnisse seien letztlich ebenfalls „faschistisch“.

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Labor fetish and anti-semitism

by Lothar Galow-Bergemann

„Work makes you free“ was written above the gate of the Auschwitz death camp. How did the Nazis come up with that? Isn’t work something meaningful, something good? What does it have to do with Auschwitz, of all places? A great deal. Because work and meaningful activity are, contrary to popular belief, two different things.

german version

[This article published on 3/10/2022 is translated from the German on the Internet]

Published in Jungle World, 03/10/2022.



The work society

The highest law in our society is not written anywhere, but everyone knows it: We have to work all our lives to earn money so that we can live. This working and the positive reference to it seems to us like a law of nature. But even the origin of the word „work“ in different languages should make us wonder. The ancient Greek ponein (to work) comes from ponos (toil, burden), the French and Spanish words for work travail /trabajo derive from the vulgar Latin tripalare, which means nothing other than „to torment, to stake.“ In Russian, work is called rabota, which comes from rab, „the slave.“ And the Germanic arba simply means „the servant. Weiterlesen

Why are there so few reasonable and so much absurd Corona protests?

Speech by Lothar Galow-Bergemann

german version

Tradução em português

at the vigil „Cross-thinkers“ get in the way – stop anti-Semitic conspiracy ranting! on April 17, 2021.
(This article published on 4/27/2021 is translated from the German on the Internet.]

Along with the Covid 19 pandemic, hair-raising and dangerous conspiracy fantasies are spreading. People are fabricating about secret plans by evil billionaires to implant microchips in them and about a „Merkel dictatorship“ acting on their behalf. The belief that they are at the mercy of malicious, greedy and unimaginably powerful dark forces is just as deep-seated in them as the conviction that they themselves are in legitimate resistance to it. More and more frequently, open anti-Semitism is also expressed, which insinuates that „the Jews“ are the real masterminds of evil.

Unfortunately, it cannot be said that what we are currently witnessing at the demonstrations of the alleged „lateral thinkers“ has nothing to do with the rest of society. After all, at the latest since the financial and economic crisis of 2008, a great many people believe that „it’s all the fault of those up there.“ Criticism of society is confused with anger at „greedy billionaires“, „pack of lies“ and „lying press“. This works in right-wing, left-wing and „alternative“ milieus just as well as in the supposedly „good middle of society. Weiterlesen

Zwischen „Profitgier“ und „Weltverschwörung“

Was falscher Antikapitalismus mit Antisemitismus zu tun hat

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 18. Mai 2022, 19.00 Uhr, Berlin

k-fetisch Wildenbruchstraße 86 · Ecke Weserstraße · Neukölln

Eine Veranstaltung von Antifaschistisches Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag

Klima, Corona, Krieg und Hunger – die Krisen jagen sich. Sie haben viel mit der herrschenden Wirtschaftsweise zu tun – dem Kapitalismus. Unendliches Wachstum ist ihm wichtiger als Mensch und Natur, maximaler Profit wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität, steigende Aktienkurse wichtiger als das Leben künftiger Generationen. Der Kapitalismus hat uns in eine Sackgasse geführt. Viele sind gegen ihn, doch haben sie ihn auch verstanden?

Gesellschaftskritik wird oft mit Wut auf „die Schuldigen“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt. Viele phantasieren – z.B. im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie – von einer Weltverschwörung „profitgieriger Milliardäre“, die die sie ins Unglück stürzen wollen. Die Nationalsozialisten setzten die eingebildeten „Gierigen und Mächtigen, die im Geheimen wirken und die Welt versklaven wollen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

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Arbeitsfetisch und Antisemitismus

von Lothar Galow-Bergemann

„Arbeit macht frei“ stand über dem Tor des Vernichtungslagers Auschwitz. Wie kamen die Nazis darauf? Ist Arbeit nicht etwas Sinnvolles, Gutes? Was hat sie ausgerechnet mit Auschwitz zu tun? Sehr viel. Denn Arbeit und sinnvolle Tätigkeit sind, ganz entgegen der landläufigen Meinung, zwei Paar Stiefel.

english translation

Die Arbeitsgesellschaft

Das höchste Gesetz in unserer Gesellschaft steht nirgends geschrieben, aber jede und jeder kennt es: Wir müssen unser Leben lang arbeiten, um Geld zu verdienen, damit wir leben können. Dieses Arbeiten und der positive Bezug darauf kommt uns vor wie ein Naturgesetz. Doch schon die Herkunft des Wortes „Arbeit“ in verschiedenen Sprachen sollte stutzig machen. Das altgriechische ponein (arbeiten) kommt von ponos (Mühe, Last), die französischen und spanischen Wörter für Arbeit travail /trabajo leiten sich aus dem vulgärlateinischen tripalare ab, was nichts anders heißt als „quälen, pfählen“. Russisch heißt Arbeit rabota, das kommt von rab, „der Sklave“. Und das germanische arba heißt schlicht „der Knecht“.

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Zum linken Putin-Verständnis: Russischer Imperialismus und osteuropäische Lebenswelten

Gespräch und Diskussion mit Anastasia Tikhomirova

Freitag, 4. März 2022, 19:00 Uhr, Online

  • Das Gespräch kann mittlerweile HIER nachgehört werden.

Als US-amerikanische Quellen die russische Invasion der Ukraine ankündigten, haben große Teile der politischen Linken in Deutschland die Warnung belächelt. Wie zu oft, sind sie Putins Propaganda aufgesessen. Der imperiale Wahn in Russland hat eine lange Tradition – doch ausgerechnet im anti-imperialistischen Spektrum scheint es hier blinde Flecken zu geben, während so mancher Altmarxist offenbar einer Sowjet-Nostalgie verfallen ist, die aller Urteilskraft beraubt.

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Verqueres Denken – Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus

Buchvorstellung und Diskussion mit Andreas Speit

Moderation: Minh Schredle, Redakteur bei KONTEXT:Wochenzeitung

Donnerstag, 30. Juni 2022, 19.30 Uhr, Stuttgart

Stiftung Geißstraße 7, 70173 Stuttgart

Eine Veranstaltung in Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg, der Stiftung Geißstraße 7 und des Fördervereins Emanzipation und Frieden. e.V.

Sie gehen für »die Freiheit« auf die Straße: Bei den Querdenken-Demonstrationen und Corona-Protesten laufen Impfgegner*innen neben QAnon-Anhänger*innen, Esoteriker*innen neben Rechtsextremen, die Peace-Fahne flattert neben der Reichsflagge. Dieses Miteinander kommt jedoch nicht zufällig zustande. Wer sich für den Schutz von Natur und Tieren einsetzt, vegane Ernährung und Alternativmedizin bevorzugt, seine Kinder auf Waldorfschulen schickt oder nach spiritueller Erfüllung sucht, muss nicht frei von rechtem Gedankengut und Verschwörungsfantasien sein. Andreas Speit zeigt, dass in alternativen Milieus Werte und Vorstellungen kursieren, die alles andere als progressiv oder emanzipatorisch sind.

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Kampagne für die Superspreader

Rechtsextreme rufen zu einem »Impfstreik« auf

von Lothar Galow-Bergemann

erscheinen in Jungle World, 10. Februar 2022

Die rechte Pseudogewerkschaft Zentrum Automobil versucht, sich mit den Themen Impfen und Impfpflicht in weiteren Branchen zu etablieren, insbesondere im Gesundheitssektor.

Es ist kein Geheimnis, dass Nazis und Faschisten in Krisensituationen auf einen Unmutsausbruch der Massen spekulieren, der sie an die Macht spülen soll. Derzeit versuchen sie es mit dem Thema Impfen. Extrem rechte Akteure wie das Blog PI-News, das Magazin Compact, die Kleinstpartei „Freie Sachsen“ und die, so die Eigenbezeichnung, „alternative Gewerkschaft“ Zentrum Automobil e. V. haben die Kampagne „Impfstreik “ lanciert. Insbesondere die Pseudogewerkschaft sieht darin eine Chance, ihren Einfluss zu erweitern.

Ihr Vorsitzender Oliver Hilburger, in Nazikreisen als ehemaliger Leadgitarrist der Rechtsrockband „Noie Werte“ geschätzt, fabuliert gar von einem Generalstreik, der dafür sorgen müsse, „dass in der gesamten Gesellschaft die Mitte und die Normalität wieder Einzug erhält“. Sein Verein hat bereits Erfahrung darin, sich in Betrieben und Belegschaften zu verankern. Seit 2010 erobern die Rechtsextremen immer wieder Sitze in den Betriebsräten des Konzerns Daimler.

Da von März bis Mai dieses Jahres bundesweit sämtliche Betriebsräte neu gewählt werden, sehen die Rechtsextremen ihre Chance, sich in der aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung auch außerhalb der Automobilindustrie zu etablieren. Dafür werben sie offensiv Mitglieder „in allen Branchen“, sammeln Interessierte auf diversen Kanälen des Instant-Messaging-Diensts Telegram und bieten Hilfe bei Kandidaturen an. Dabei betreiben sie keine offen rechte Propaganda, sondern versuchen, durchgehend den Anschein zu erwecken, es gehe ihnen lediglich um „alternative Betriebsräte“. Zentraler Aufhänger ihrer Wahlkampagne ist die berufsbezogene Impfpflicht. Am meisten Zuspruch, behauptet Hilburger, erhalte er derzeit aus dem Gesundheitswesen.

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Audio: Fallstricke der Emanzipation

Autoritäres und Regressives in der Linken gestern und heute

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 30. November 2021

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen.

Das kann sich in Männlichkeitskult und sexistischem Verhalten äußern, in der Vorliebe fürs Agitieren statt fürs Argumentieren oder in der Vorstellung, antifaschistische Akteur*innen seien stets im Recht, was auch immer sie tun. Aber auch im Glauben, man sei zur „Führung der Arbeiterklasse“ berufen. Der Griff in die Mottenkiste staatssozialistischer Parteidiktaturen und Sympathie für autoritäre Führergestalten wie Lenin liegen da oft nahe. Der Glaube, „die Klasse und das Volk“ brauche eigentlich nur die richtigen Führer, korreliert zudem mit zwei ebenso absurden wie folgenreichen Fehleinschätzungen: Nationalsozialismus und Antisemitismus seien die Folge rechter Verführungskünste und bürgerlich-rechtsstaatliche Verhältnisse seien letztlich ebenfalls „faschistisch“.

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Fallstricke der Emanzipation

Autoritäres und Regressives in der Linken gestern und heute

Online-Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Dienstag, 30. November 2021, 18.00 Uhr

Eine Veranstaltung der DGB Hochschulgruppe Leipzig

  • Der Vortrag ist mittlerweile HIER nachzuhören

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen.

Das kann sich in Männlichkeitskult und sexistischem Verhalten äußern, in der Vorliebe fürs Agitieren statt fürs Argumentieren oder in der Vorstellung, antifaschistische Akteur*innen seien stets im Recht, was auch immer sie tun. Aber auch im Glauben, man sei zur „Führung der Arbeiterklasse“ berufen. Der Griff in die Mottenkiste staatssozialistischer Parteidiktaturen und Sympathie für autoritäre Führergestalten wie Lenin liegen da oft nahe. Der Glaube, „die Klasse und das Volk“ brauche eigentlich nur die richtigen Führer, korreliert zudem mit zwei ebenso absurden wie folgenreichen Fehleinschätzungen: Nationalsozialismus und Antisemitismus seien die Folge rechter Verführungskünste und bürgerlich-rechtsstaatliche Verhältnisse seien letztlich ebenfalls „faschistisch“.

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Gemeinwohlökonomie – Ein Weg aus der Krise?

Diskussion mit Albrecht Binder und Lothar Galow-Bergemann

Donnerstag, 11. November 2021, 19.00 – 21.00 Uhr, Bielefeld

Ravensberger Park 1, Volkshochschule, Historischer Saal

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bielefeld

Das Wirtschaftsmodell der Gemeinwohlökonomie, bei dem Unternehmen nach sozialen und ökologischen Kriterien beurteilt und ihre Auswirkungen auf das Gemeinwesen geprüft werden, hat in den letzten Jahren viel Zuspruch erfahren. Welche Annahmen stecken hinter dem Modell und kann es einen Beitrag zur Bewältigung der derzeitigen weltweiten Mehrfachkrise leisten? Oder greift es zu kurz und doktert nur an der Oberfläche herum, ohne die realen Machtverhältnisse zu reflektieren? Es diskutieren Lothar Galow-Bergemann vom Förderverein Emanzipation und Frieden e.V. und Gemeinwohlökonomie-Kritiker und Albrecht Binder von der Gruppe Gemeinwohlökonomie Lippe, der das Konzept in seinem Betrieb umgesetzt hat.

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Audio: Die ausrastenden Insassen des Krisenkapitalismus

Zur Einordnung der „Querdenkerproteste“

von Lothar Galow-Bergemann

gelesen von Eva Welsch

Langfassung: Audio: Ausrastende Insassen – Coronakrise, Kapitalismus und Konformistische Rebellion

Warum gibt es fast keine vernünftigen, aber so viele absurde Proteste gegen die staatliche Coronapolitik? Warum glauben immer mehr Menschen haarsträubenden Unfug? Warum schützen auch Bildung und Intelligenz nicht davor? Und warum finden da Leute zusammen, denen man doch eigentlich nicht viel Gemeinsamkeit zutraut? Alternative Esoterik- und wirtschaftsliberale Kapitalismus-Fans, Nazis und Hippies, Linke und Reichsbürger, Gutbürgerliche und Antiautoritäre…

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Aus der (Alb)Traum? Was passiert mit Querdenken und Anhänger*innen von Verschwörungstheorien nach der Pandemie?

Vortrag und Diskussion mit Laura Hammel

Donnerstag, 7. Oktober 2021, 18.00 Uhr, Jena

JG Stadtmitte, Johannisstraße 14

Eine Veranstaltung von Solidarität statt Querdenken. Bündnis gegen Verschwörungsideologien und Antisemitismus

Verschwörungstheorien in gegenwärtigen Protestbewegungen am Beispiel der Proteste in der COVID-19-Pandemie, Analyse neuartiger Protestphänomene am Beispiel von Querdenken

Seit über einem Jahr werden die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie von Protesten sogenannter „Querdenker“ begleitet. Die Demonstrierenden protestieren gegen Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Impfungen und fordern eine Wiederherstellung des gesellschaftlichen Zustandes der Vorpandemiezeit. Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verstehen die Querdenker als versteckte Mittel, um die Demokratie in Deutschland abzuschaffen. Kritiker*innen werfen ihnen deshalb vor, offen für Verschwörungstheorien zu sein und rechtsextremen Positionen und Personen auf ihren Demonstrationen Raum zu geben. Seit April 2021 werden die Proteste aufgrund ihrer staatsdelegitimierenden Positionen bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet. Auch wenn sich nach eineinhalb Jahren für viele Menschen in Deutschland ein pandemischer Alltag eingestellt hat, erfreut sich Querdenken eines relativ konstanten Zulaufs. Weiterlesen