Audio: Was heißt Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus?

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 22. September 2018 in Niederbeisheim                                                      im Rahmen des Krisis-Seminars: Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde

Seit vier Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen Geflüchtete und wirkliche oder eingebildete MuslimInnen. Die AfD rückt immer weiter nach rechts und nimmt protofaschistische Züge an. Sie verliert deswegen nicht etwa an Zustimmung, sondern treibt die anderen Parteien vor sich her. Weiterlesen

Antirassismus – Notwendigkeit, Misere, Feindbild

Warum gegenwärtiger Antirassismus Kritik verdient und warum diese Kritik immer wieder den eigenen Anspruch unterbietet.

Vortrag und Diskussion mit Felix Riedel

Donnerstag, 8. November 2018, 19.30 Uhr, Stuttgart
Rosis Pinte Schwabstr. 193 (Am Hölderlinplatz, Stuttgart West)

Der bürokratische Antirassismus versucht durch eindeutige Zeichen das äußerliche Bild einer offenen Gesellschaft herzustellen. Weil neben der Hautfarbe das Kopftuch als Signal für „gelungene Integration“ gilt, gehen sozialdemokratische und wertkonservative Politik für marktgerechte Bilder Bündnisse mit Islamisten ein. Die Widersprüche innerhalb der Minderheiten – Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie – werden ausgeblendet. Das gleiche gilt für den identitätspolitischen Antirassismus von Critical Whiteness-AktivistInnen. Auch hier zählen bürokratische Kategorien wie Bekenntnis, Hautfarbe, Privileg. Die universalen Menschenrechte werden aufgegeben, an ihre Stelle tritt ein kulturalistischer Wertepluralismus. Statt Reflexion und Analyse werden Betroffenheit und „Positionierung“ relevant. Dabei sind Schnittstellen von Antisemitismus und Antirassismus entstanden, die bei genauerem Hinsehen eine ältere Tradition fortsetzen. Die Kritik dieses bürokratisierten und seiner Gesellschaftskritik beraubten Antirassismus scheitert allerdings dort, wo sie im Umfeld der Neurechten die prinzipielle Notwendigkeit des Antirassismus leugnet. Weiterlesen

Was heißt Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus?

Workshop mit Lothar Galow-Bergemann

Samstag, 22. September 2018, 9.15 Uhr bis 12.30 Uhr, Niederbeisheim Tagungshaus Mühlrain

im Rahmen des Krisis-Seminars: Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde

Der Vortrag kann mittlerweile HIER gehört werden.

Seit vier Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen Geflüchtete und wirkliche oder eingebildete MuslimInnen. Die AfD rückt immer weiter nach rechts und nimmt protofaschistische Züge an. Sie verliert deswegen nicht etwa an Zustimmung, sondern treibt die anderen Parteien vor sich her. Weiterlesen

1968 und der Diskurs des Mitgefühls: Der lange Marsch zur sozialen Inklusion

Vortrag von Andrei S. Markovits

Arthur F. Thurnau Professor, Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies, Professor of Political Science, Professor of Germanic Languages and Literatures, Professor of Sociology The University of Michigan, Ann Arbor

gehalten am 5. Juni 2018 in Stuttgart auf Einladung des Deutschen Literaturarchiv Marbach in der Stiftung Geißstraße7

[Wir veröffentlichen den Text mit freundlicher Genehmigung des Autors]

english version

– Meinem Freund und Kollegen MOISHE POSTONE (1942 – 2018) gewidmet –

Gott sei Dank haben wir das Dezimal-System. Denn diesem Umstand ist es zu verdanken, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf.

Das Zehnersystem ist eine faszinierende, kulturübergreifende Konvention. Ihr ist es geschuldet, dass wir Dinge in Zehner-Segmenten kategorisieren – Gehälter, Ausgaben, den Aktienmarkt, politische und sportliche Wettbewerbe, persönliche Zeitabschnitte ebenso wie politische und historische Epochen. Gleiches gilt für das Gedenken bestimmter Ereignisse: Wir sind es gewohnt, „runden“ Jahrestagen eine große Bedeutung beizumessen. Weiterlesen

1968 and The Discourse of Compassion: The Long March to Social Inclusion

Lecture by Andrei S. Markovits

Arthur F. Thurnau Professor, Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative, Politics and German Studies, Professor of Political Science, Professor of Germanic Languages and Literatures, Professor of Sociology The University of Michigan, Ann Arbor

held on the 5th of June 2018 in Stuttgart, Germany

[We are publishing this text with kind permission by the author]

Deutsche Version

– Dedicated to the memory of my friend and colleague MOISHE POSTONE             (1942 – 2018) –

Thank God for the dominance of the decimal system that has allowed me to come to speak to you today. It is merely due to this fascinating convention and transcultural habit as to how we humans categorize things in decanal segments — salaries, expenses, the stock market, political and sporting competitions, our ages (personal, political, historical) and, of course, the commemoration of events – that we accord certain “round anniversaries” such significance. Weiterlesen

Audio: Rassismus und Islamkritik

Interview mit Lothar Galow-Bergemann

Gruppe la:iz , Berlin, 9. Mai 2018

Zum Zusammenhang von kapitalistischer Krise und Sehnsucht nach bösen Schuldigen und guten Erlösern. Protofaschistischer Rechtspopulismus und Islamismus als verschiedene Facetten der selben weltweiten reaktionären Welle. Über die Notwendigkeit von Islamkritik und die Versäumnisse einer Linken, die sich in dem Maße selbst aufgibt, wie sie Religionskritik aufgibt. Über das verbreitete Ressentiment gegen Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden und warum dieses Ressentiment mehr ist als nur „normale“ Fremdenfeindlichkeit. Weshalb Islamismus und Djihadismus nicht verharmlost werden dürfen, aber die Gefahr eines neuen Faschismus in erster Linie aus der Mehrheitsgesellschaft erwächst. Weiterlesen

AntiBa – der Barbarei entgegentreten!

Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus.

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 4. Juni 2018, 19 Uhr, Berlin                                                                         Remise der „Magda19“, Magdalenenstraße 19

Eine Veranstaltung von Emanzipative Antifaschistische Gruppe Berlin

Seit vier Jahren explodieren Dumpfbackentum und Gewalt. 2014 skandierten erstmals seit 1945 wieder Massenaufmärsche in Deutschland „Tod den Juden!“ Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit häufen sich djihadistische Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen.

Doch damit nicht genug. Schon bald nach dem kurzlebigen „Sommermärchen“ von 2015 offenbarte sich im kollektiven Herbeiphantasieren einer angeblichen „Flüchtlingskrise“ eine tief sitzende Menschenfeindlichkeit großer Teile der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Kaschiert wird sie mit der Floskel, „wir“ könnten ja schließlich „nicht alle aufnehmen“. Weiterlesen

Ausgrenzung als Mittel gegen die AfD?! Ein Beispiel aus dem Fußball-Kosmos…

… und was der VfB Stuttgart daraus macht…

Vortrag und Diskussion mit Bernd Seib

Donnerstag, 17. Mai 2018, 19.30 Uhr, Stuttgart                                              Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2

Der Vortrag ist mittlerweile HIER zu hören

Wie bekämpft man die AfD? Medien haben sich dazu entschieden, führende Vertreter der gewählten Partei in jedes Fernsehstudio einzuladen und mit dem garantierten Spektakel der Rechten Quote zu machen, flankiert von scheinbar-kritischen Alibifragen. Parteien aller Schattierungen buhlen um AfD-Wähler mit AfD-Light-Politiken. Mit den Protestwählern reden, sie überzeugen, mit Verständnis auf sie zugehen, heißt ihr Credo.

Jüngst sorgte ausgerechnet ein Fall aus dem Fußballmilieu für Aufsehen. Peter Fischer, Präsident des Bundesliga-Vereins Eintracht Frankfurt, erklärte öffentlich, „dass niemand Mitglied bei Eintracht Frankfurt sein kann, der diese Partei wählt.“ Der Verein sei laut Satzung Werten wie Toleranz und Weltoffenheit verpflichtet, die Rassismus und Homophobie vertretende AfD hätte hier keinen Platz. „Wir erwarten, dass sich jeder dieser kritischen Selbstprüfung unterzieht“, so Fischer zum Hessischen Rundfunk. Weiterlesen

Volksherrschaft versus Rechtsstaat

Die bürgerliche Gesellschaft kann sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Die Gesellschaft der freien und gleichen Warenbesitzer bedarf des Staates und des Rechts. Doch ihre Krise untergräbt den Rechtsstaat. Ein neuer Faschismus droht.

von Lothar Galow-Bergemann

erschienen in Jungle World 13/2018, 29. März 2018

Der frei gewählte philippinische Präsident brüstet sich öffentlich mit Mordtaten. Die Regierungen Ungarns und Polens gehen gegen unabhängige Justiz und kritische Medien vor. Was das für die Meinungsfreiheit, für Juden und Israel heißt, demonstriert Polen mit dem Verbot, über »eigene« Mittäter am Holocaust zu reden. Die AfD will einen Journalisten, der ihr nicht passt, durch das Parlament verdammt sehen– gängige Praxis in Diktaturen. Weiterlesen

Protofaschistisch, mindestens

Nachrichten aus der Welt des „Rechtspopulismus“, notiert in nur wenigen Tagen des Februar 2018

von Bärbel Illi und Lothar Galow-Bergemann

Andre Poggenburg, AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, bezeichnet die in Deutschland lebenden Türken als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“, die hier „nichts zu suchen und nichts zu melden“ haben und „sich zu ihren Lehmhütten und Vielweibern scheren sollen“.

– Die AFD-Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland sprechen sich für die Zusammenarbeit mit dem völkischen und rassistischen Verein Pegida aus.

– Der Bundestag hebt die Immunität des AfD-Abgeordneten Jens Maier auf. Grund: die Staatsanwaltschaft Dresden leitet ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, auf seinem Twitter-Account wurde der Maler Noah Becker rassistisch geschmäht. Weiterlesen